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In Sa Pobla müllert es noch immer

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Pobla (Sa) - Mallorca

Sebastià Torrandell betreibt hinter seinem Laden Ca‘s Siulet die wohl letzte traditionelle Mehlmühle auf Mallorca. Und denkt gar nicht daran aufzuhören

INGO THOR

Es sind die vielen, sich schnell und halblaut über kleine und größere Rollen bewegenden Bänder, die einem hier zuerst auffallen. Und die hölzernen Artefakte, darunter zahlreiche Balken und ein trichterähnliches Konstrukt mit einem kleinen Fenster. „Die Bänder werden von einem Elektromotor angetrieben und sorgen dafür, dass der Weizen vom Trichter, in den er geschüttet wird, weitertransportiert wird, bis er gemahlen in den Trichter mit dem Fenster rieselt“, fasst Sebastià Torrandell Cladera den Produktionsprozess zusammen. Zwischendurch werde der Weizen auf einem Walzenstuhl von sich gegenläufig bewegenden Metallwalzen zermalmt und dann auf einem Plansichter mehrfach gesiebt, auf dass sich der Schrot vom eigentlichen Mehl trenne. Torrandell ist der Inhaber von Ca‘s Siulet, der museal anmutenden, mitten im
Gassengewirr von Sa Pobla gelegenen letzten funktionierenden Mehlmühle
Mallorcas.


Die Mühle von Sa Pobla ist von außen nicht als solche zu erkennen, sie befindet sich vielmehr ein wenig versteckt hinter dem Laden Ca‘s Siulet, wo unter anderem Blumentöpfe, Dünger und auch Katzenfutter verkauft werden. „Die Mühle funktioniert in zwei Stockwerken, ist in etwa so alt wie ich – ich bin 73 – und wurde bereits von meinem Vater betrieben“, sagt Sebastià Torrandell, und seine Augen blitzen ein wenig stolz auf. Immer schon sei die Mühle von einem Motor angetrieben worden. „Esel, die in früheren Jahrhunderten als Antrieb eingesetzt worden waren, hatten wir hier nie.“


Das Mehl, das hier aus dem Trichter  mit dem Fensterchen rieselt, stammt von einer inseltypischen Weizensorte namens xeixa. „Das grobkörnigere, schwerere Material des Weizens, der ebenfalls mehrfach gemahlene Schrot, rieselt in andere Säcke“, sagt der untersetzte, etwas scheue, aber nicht unsympathisch wirkende Müller von Sa Pobla. Die Säcke sind mit gürtel­ähnlichen Riemen unter dem Trichter befestigt, ein bisschen fühlt man sich an Szenen aus Märchenfilmen erinnert. Der vom Mehl getrennte Schrot ist Futtermehl, Torrandell verkauft es zumeist an Bauern, und die füttern damit die Tiere.


Bis zu 25 Säcke könnte der Müller spielend mit der verlässlich wie ein Uhrwerk laufenden Mühle pro Tag füllen, aber selten sind es so viele. „Ich arbeite lediglich nach Bedarf und nur für Abnehmer auf der Insel“, sagt er, während er gerade einen Mann bedient, mit dem er sich auf Mallorquinisch bellend und schnarrend zugleich unterhält und der einen Sack seines wohlbemerkt ökologischen, also nicht aus chemisch behandelten Weizen hergestellten Mehls bei ihm bestellt hatte. „In der Woche lasse ich die Mühle nur stundenweise laufen, in der Regel bis 13 Uhr.“ Neben xeixa-Weizenmehl stellt Torrandell, wenn es nachgefragt wird, auch Dinkelmehl („harina de espelta“) her. „Das ist besonders in Deutschland und auf dem Festland beliebt“, weiß er.


Noch im vergangenen Jahr war Sebastià Torrandell nicht der einzige Müller der Insel. Auch in Campos gab es eine Mühle, die aber mittlerweile geschlossen wurde. „Es kann aber durchaus sein, dass der ein oder andere Bauer im Hinterhof nach wie vor ein bisschen Mehl für sich selbst mahlt“, sagt Torrandell.


Aus Liebe zur Tradition sind bei Manacor zudem Freiwillige dabei, die aus dem 18. Jahrhundert stammende und seit Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr in Betrieb befindliche stadteigene Mehlmühle Molí d‘en Beió wieder herzurichten, allerdings nicht, damit sie wieder produziert, sondern um sie etwa Schulklassen vorzuführen.


Müller Torrandell geht nicht davon aus, dass er den Betrieb seiner Mühle in Bälde einstellen wird. Im Gegenteil: „Das wirft durchaus ein nettes Zubrot ab.“ Außerdem kennt sich seine Tochter bestens mit der Apparatur aus. Und klar: Das Authentische werde inzwischen ja immer wertvoller, und das Ökologische ohnehin. Auch die Slow Food Bewegung ist auf ihn aufmerksam geworden, und so beliefert er etwa die Coqueria im Mercat de Santa Catalina in Palma. Und für all das stehe er. „Mein Mehl landet über Zwischenhändler unter anderem jeden Samstag auf dem Öko-Markt auf der Plaça Bisbe ­Berenguer Palau in Palma“, sagt der Müller von Sa Pobla.

Sebastià Torrandell freut sich auch über Mehlbestellungen von deutschsprachigen Residenten. Die Mühle und der Laden Ca‘s Siulet befinden sich in der C/. Fradrins, 39 in Sa Pobla, Tel.: 971-54 03 30.

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