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Chiringuito-Check: Bugambilia in Cas Català

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Palma de Mallorca - Mallorca

Es geht auch ohne Chillout-Gedöns: Das Lokal besticht mit ungekünstelter Atmosphäre

JUTTA CHRISTOPH

Dort, wo auf kanariengelbem Untergrund in dicken schwarzen Lettern Playa prangt, ist man richtig. Ein schmaler Gang führt zwischen zwei Hausmauern geradewegs zur Bucht Caló des Macs in Cas Català. Seit über 50 Jahren steht hier auch ein Chiringuito. Ein Treffpunkt für Laufkundschaft war dieser Ort noch nie, eher einer für Menschen mit persönlicher Überzeugung. Früher wie heute werden die Besucher von einem kleinen Sandstrand angelockt, zu dem eine Bar und ein Restaurant gehören. Vorbei an einer dreifarbig blühenden Bougainvillea, die dem Lokal Bugambilia bestimmt ihren Namen gab, gelangt man auf die Terrasse. Sie wurde direkt über dem Wasser gebaut, 20 Tische direkt am Wasser laden zum Verweilen ein.


Das Mobiliar ist einfach, der Service herzlich und direkt. „Die Gäste kommen gerade wegen der typischen Strandbad-Atmosphäre zu uns“, sagt Lise Marcussen, seit 30 Jahren die gute Seele des ­Lokals. 1983 verliebte sich die Dänin unsterblich in den Bar­besitzer und tauschte für Julio López Sánchez ihre Heimatinsel Bornholm gegen ­Mallorca ein.


Seitdem versucht das Paar, den alten Stil der Bar zu erhalten. Schon damals lag das Lokal in einer Art steinernen Höhle. „Früher waren hier mal Fischerboote untergebracht“, weiß Lise Marcussen, die mit ihren Gästen spanisch, Deutsch und Englisch spricht. Sie zeigt auf ein Schwarz-Weiß-Foto aus den 60er Jahren, das im Restaurant hängt und an die Anfangszeit des Bugambilia erinnert.


Heute kommen die Gäste noch immer gerne, um mit Blick auf den Marivent Palast in Ruhe etwas zu trinken. Wer bereits zum Frühstück den Weg ins Chiringuito findet, wird mit einem Parkplatz direkt vor der Tür belohnt. Zur verschlafenen Morgenstimmung am Meer servieren die Söhne Jose und Miguel Kaffee, Toast, Omelette und süßes Gebäck. Statt Musik vom Band trällert Pavarotti seinen Guten-Morgen-Gruß. Der Kanarienvogel sitzt in einem ­Käfig unterm Sonnendach und behält die Terrasse und den kleinen Strand im Blick.


Nicht nur für Gäste, auch für Lise Marcussen ist dieser Ort ein kleines Paradies. Noch kann sie sich nicht dazu entschließen, das Geschäft ganz den Söhnen zu überlassen. Schließlich würde auch ihre 96-jährige Schwieger­mutter noch jeden Tag ins Bugambilia kommen, um die Blumen zu gießen, sagt Lise Marcussen. „Und wenn mein Mann sie ließe, würde sie noch immer in der Küche stehen und für die Gäste kochen.“


Jeden Mittag gibt’s für 14,75 Euro ein Tagesmenü, dazu verschiedene Paellas (um die
15 Euro), hausgemachte Hamburger (9,50 Euro), Tintenfisch-Spieße, einen Salat mit Gambas (11,75 Euro) und mittwochs gegrillte Sardinen vom Grill.


Die Einheimischen finden gegen 18 Uhr den Weg in die Bucht, um nach der Arbeit ein kühles Bad zu nehmen und anschließend auf der Restaurantterrasse zu essen. Für die frisch gegrillte Seezunge mit einem Glas kühlen Weißwein (ab 2,50 Euro) schauen auch regelmäßig Berühmtheiten aus Film und Fernsehen im Bugambilia vorbei und tafeln an einem der einfachen Tische. Zuletzt kam ein deutscher Moderator einer bekannten Musik-Show, der Namen ist Lise Marcussen entfallen.


Dafür erinnert sie sich an eine Geschichte mit Stammgast Christine Kaufmann. Die Schauspielerin stand eines Morgens um acht Uhr mit einem Fotografen auf der Terrasse, er sollte Fotos von ihr schießen. Posieren wollte sie vor einer grünen Wand, die Miguel aber gerade blau gestrichen hatte. Weil ihr Kleid zur neuen Wandfarbe nicht passte, malte der Mallorquiner einen Teil der Wand für die Schauspielerin schnell noch mal grün an.


Im Bugambilia ist der Gast eben noch König. Auch in dieser Hinsicht hat sich seit den 60er Jahren in dem familiären Chiringuito nicht viel verändert.

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