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Dorfcheck El Molinar: Erster Platz in zweiter Reihe

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Palma de Mallorca - Mallorca

Schnuckelige Häuser direkt am Meer: das frühere Fischerdorf El Molinar ist schon lange „in“– und trotzdem noch ein Dorf

JUTTA CHRISTOPH

Molinar oder Portitxol?
Wo genau beginnt das ehemalige Fischerdorf El Molinar östlich von Palmas Zentrum eigentlich? Selbst die Bewohner wissen das nicht so genau, wie sich schnell herausstellt. Wenn man sich im barrio umhört, bekommt man von fast jedem eine andere Geschichte zu hören. Francisca bringt es in ihrer Stammbar Es Vaixell auf den Punkt: „Molinar besteht aus vielen kleinen Stücken.“ Das Stück vom Club Nautico Portitxol über den kleinen Sandstrand bis zur Kurve mit den Badefelsen gehört zu Portitxol. Doch alle Straßen­züge hinter dieser ersten Meeres­linie gehören bereits zu Molinar. Im Verlauf des Dorfchecks wird klar: Einig sind sich die Bewohner beider Viertel nur in einer Sache: El Molinar verdankt seinen Namen 28 Windmühlen. Dieses „erste Molinar“, das alte Mühlenviertel, wurde in den 80er Jahren abgerissen, heute stehen dort das Hochhaus am Strand von Can Pere Antoni sowie zwei verbliebene Mühlen.


Nachbarschaftsliebe
Auf der Suche nach dem Kern des heutigen Molinar stößt man auf die Plaça Font mit einem Brunnen in der Mitte. Hier versammelt sich im Laufe des Tages die halbe Nachbarschaft zu lautstarken Diskussionen. Weitere wichtige Treffpunkte sind ein ­Friseurgeschäft und die Metzgerei Gual. Fleischer Miguel spricht alle Kunden mit Vornamen an. Er versorgt die Anwohner seit 1973 nicht nur mit einer Auswahl an Huhn, Rind und Schwein, sondern bietet auch frisches Obst und Gemüse von mallorquinischen Bauern an. Seine Stammgäste, vorwiegend weiblich, sind alle ganz verliebt in ihren ­Miguel. Da er für jeden ein freundliches Wort hat, kann der Einkauf schon mal etwas länger dauern. Für Fußlahme stehen zwei Stühle parat.


Zweieinhalb Fischer
Von Miguel bekommen wir den Tipp, das Haus der Nonnen an der Kirche aufzusuchen. Es ist ein unscheinbares rotes Gebäude mit der Nr. 17 a im Carrer de Sant Tomàs d‘Aquino. Dort macht niemand auf, doch drei Türen weiter sind Guillermo und Pep bei der Arbeit. In einer Garage liegen Netze, Werkzeuge und Fischerzubehör ausgebreitet, die vom und zum Hafen hin und her transportiert werden. „Heute gibt es nur noch zweieinhalb Fischer in Molinar“, erklärt Guillermo, der ältere der beiden. „Zwei professionelle und einen unprofessionellen.“ Pep ist einer der zwei, sein Schiff hat er schon seit Jahren im Club Nautico von Portitxol liegen, weil es im Hafen von Molinar zu viele Algen gebe und die Zufahrt für einige Boote nicht tief genug sei. Er sagt auch: „Früher gab es hier in Molinar eine Seilerei. Heute sind alle Stricke aus Nylon oder Plastik.“


Erster Sporthafen Mallorcas
Der Club Marítimo de Levante von Molinar (C./ Vicari Joaquim Fuster, 2) war der erste Sporthafen Mallorcas und einer der ersten drei in Spa­nien, betont José, der hier seit
55 Jahren Mitglied ist. Der Club mit rund 100 Liegeplätzen wurde 1917 von ein paar Fischern gegründet. José sitzt mit seinen Freunden vor dem Club-Restaurant bei einem Bier. Auch hier brodelt die Portitxol-­Diskussion noch einmal hoch: Der Name Portitxol sei eine Erfindung des gleichnamigen Hotels, das in den 50er Jahren gebaut wurde. Ein Viertel mit diesem Namen würde es gar nicht geben. „Viele Bars in Molinar tragen den Beinamen Portitxol, weil die Touristen darauf abfahren“, ist sich die Herrenrunde einig.


Stammlokale der Molinarer
Flucht in die gegenüber liegende Bar El Molinar. Doch Besitzerin Juana ist müde, Interviews zu geben. Ihre antiquierte Bar, die auf 1898 zurückgeht, sei schon in vielen Reportagen erschienen, so die Mallorquinerin. Herzlich empfangen wird man dafür um die Ecke am Paseo del Borne del Molinar Nr. 2. Im Familien­restautant Can Tito wird seit 37 Jahren typisch mallorquinisch gekocht, mit viel Fisch und Meeresfrüchten. Juana Maria und ihr Mann Enrique erinnern sich noch an ihren Anfang in Molinar: „Es gab kein fließendes Wasser und außer uns nur drei Bars und den Hafen.“ Heute schießen quasi über Nacht neue Lokale aus dem Boden, vor allem in der ersten Meereslinie. Auch das Can Tito hat einen Ableger, das S‘Areneta in der Carrer del Timo. S‘Areneta nannten die Bewohner früher der Strand von Portitxol. Meerblick gibt‘s im Bistro S‘Areneta nicht, aber dafür die beste „Paella to go“.


Eine Bühne am Meer
Was viele nicht wissen: Molinar hat auch ein Theater. Das Teatre del Mar (C./ de Llucmajor, 46) mit 222 Sitzplätzen feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Mitte Juni endet erst mal die Spielsaison, sagt Leiterin Aina Salom. Im Oktober startet sie dann mit Aufführungen des bekannten Kabarettisten Toni Albà, im Winter­programm wird es auch wieder mehrere Theaterstücke auf Spanisch und verschiedene Konzerte geben.
 

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