Sightseeing

Dorfcheck Cala Figuera: Viel Charme, wenig Schick

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Santanyí - Mallorca

Obwohl dem Ort der Sandstrand fehlt, gehört der Ort zu den beliebtesten Urlaubszielen der Insel

JUTTA CHRISTOPH

Das Blau Mallorcas
Maria steht in der Tür der Boutique Blauret und lächelt so nett, dass wir stehen bleiben und zurück lächeln. Das Blauret, ein Name für eine alte Farbe, die früher auf Mallorca oft genutzt wurde, steht seit zwölf Jahren am Dorfeingang. Von hier oben, abseits der Promenade, behält Maria das Geschehen gut im Blick (Carrer Virgen del Carmen, 20). Hübsch dekoriert mit Sand, Steinen und Muscheln bietet die Boutique jede Art von Schmuck von Insel-Künstlern an. Dazu Haar­reifen aus Leder, Halstücher, Abendtäschchen und Klangspiele aus Muscheln.


Fotoshooting im Hafen
Statt direkt zum Meer zu laufen, biegt man vier Häuser hinter Maria links ab und nimmt die ausgewaschenen Stufen zum Hafen. Vorbei an Gartentörchen und Baustellen landet man geradewegs am Hafenbecken. Da das Fahrwasser für Boote hier ziemlich eng ist, wurden die Anlegestellen zum Teil direkt aus dem Felsen herausgeschlagen. Freie Liegeplätze gibt es seit Jahren nicht – und wird es so bald auch nicht geben, versichert Juan von der Hafenbehörde. Er steht neben Haufen von Netzen, rostigen Ketten, Tauen und Bojen, die hier zum gefragten Fotomotiv dazu gehören.


Tauchen oder treiben lassen
Gabriel hätte nichts dagegen, ein wenig mehr im Mittelpunkt zu stehen. Noch hat die Saison nicht begonnen, und der Kapitän den Anker nicht eingeholt. Gabriel steht
mutterseelenallein hinterm Tresen des Tauchcenters Skualo Mallorca Diving, das auch in Cala Figuera eine Base hat. Neben Tauchkursen (ab 10 Jahre) werden auch mehrtägige Schnorcheltouren vor der Ostküste angeboten. Gabriel versorgt mehr die romantische Klientel, die nicht so scharf auf Sport ist und lieber das Meer von oben genießen möchte. Ein Ausflug mit dem Kapitän auf einer kleinen llaut gibt‘s ab 10 Euro (20 Min., Kinder bis 5 Jahre frei).


Adiós Miguel, ¡que te vaya bien!
Die „Bon Bar“ ist eine Institution in Cala Figuera – oder sollte man sagen: war? Denn am 23. Juni wechselt der Betreiber, Miguel Vicens Aldrover muss sein Lokal nach 35 Jahren räumen. Nur noch eine Konzession länger, und er wäre in vier Jahren in Rente gegangen, erzählt der Mallorquiner. Pedro klopft seinem Vater auf die Schulter, der 21-Jährige verliert ebenfalls seinen Arbeitsplatz, findet aber leichter wieder eine Anstellung. Für Miguel geht nicht nur ein Job verloren, das Dorf ist seine Familie, die Stammgäste der vergangenen 35 Jahre sind treue Freunde. Er möchte sich an dieser Stelle schon mal von den Gästen verabschieden und sich bei allen entschuldigen, die ihn ab Mitte Juni nicht mehr in der Eisbar antreffen werden. Man wird ihn vermissen. Und die schönsten und größten Eisbecher von Cala Figuera auch.


Dorf-Institution
Die Bar Cala von Lorenzo schräg gegenüber ist und bleibt eine Institution. Das hat der Mallorquiner jetzt auch schriftlich. Im Frühjahr erschien ein Buch mit dem Titel „111 Orte auf Mallorca, die man gesehen haben muss“, und es listet auch das kleine Fisch­restaurant. Das Cala existiert seit 1957, so lange steht Lorenzos Schwester Antonia in der Küche und zaubert für Gäste typisch mallorquinische Gerichte auf die Teller (ganzjährig täglich geöffnet).


Französische Küche
In der kleinen Kapelle oberhalb der Promenade wird jetzt französische
Küche aufgetischt – eine tolle Alternative zu den zahlreichen Fischrestaurants und Pizzerien an der Promenade. Vor zwei Jahren übernahmen Liliane und Christoph das ungewöhnliche Lokal und kreieren im La petite iglesia gehobene Teller zu vernünftigen Preisen. Der Fisch kommt täglich frisch vom Hafen, neben quiche lorraine und bœuf bourguignon steht auch glace à la verveine, Eisenkraut-Eis, auf der Karte. Da es keine Bäckerei im Dorf gibt, backen die Franzosen ihr Brot selbst – die einzige Art, hier zu überleben, witzeln sie (C/. Marina, 11, Reservierung Tel.: 971-64 50 09).


Hotelcharme am Felsen
Das Hotel Villa Sirena (C/. Virgen del Carmen, 37) war eines der ersten in Cala Figuera, früher stand an der selben Stelle ein Chalet, das 1966 abgerissen wurde. Seitdem kümmert sich Antonia Vidal Garcia liebevoll um die Stammgäste, die das besondere Flair des Ortes genießen (Übernachtung ab 62 Euro). Sandstrand sucht man hier vergeblich, von der Terrasse über dem Meer führt aber eine Treppe auf einen Badefelsen und von dort eine Leiter ins Wasser.


Neuzugang in der Kunstszene
Wo früher der deutsche Künstler Hein Driessen seine Gemälde ausstellte, befindet sich seit März die Galerie Camargo. Jesus Pablo Camargo malt seit 40 Jahren und präsentiert eine Vielzahl seiner figurativen Werke. Der Besuch lohnt, vor allem wenn man ein Bild von Cala Figuera mit nach Hause nehmen möchte (mehr Infos: www.camargo mallorca.com).

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