Sightseeing

Dorfcheck s'Arracó: Bei den Bohemiens

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Andratx - Mallorca

s‘Arracó ist ein ausgeprägtes Künstlerdorf. Wer hier von der Hauptstraße abbiegt,
stößt auf offene Türen und lernt schnell Bewohner aus aller Welt kennen

JUTTA CHRISTOPH

Stopp an der Dorf-Postille
Wer s‘Arracós Hauptstraße hoch und runter läuft, entdeckt außer drei Bars, Can Nou, Can Viguet und Can Prima, nicht viel Spannendes. Und wundert sich ein bisschen, warum das Dorf am Fuß der Tramuntana unter Ausländern so beliebt ist. Vor allem Künstler ziehe es in den kleinen Ort im Südwesten der Insel, sagt uns Marsiana, die uns als „the village newspaper“ empfohlen wurde. Die Mallorquinerin betreibt die Bar Can Viguet in vierter Generation (C/. França, So geschlossen). Früher fungierte die Bar von 1904 als Poststelle, von hier konnte man telefonieren, es wurden Gasflaschen verkauft, Taxis bestellt. Heute trifft sich noch immer das halbe Dorf in Can Viguet. Mittags serviert Marsiana warme bocadillos, die am besten auf der Terrasse gegenüber schmecken. Dort sitzt man gemütlich auf einer Mini-Plaça mit ­Brunnen.


Die Künstlerin
Wir machen uns auf die Suche, s’Arracós Künstlerszene zu entdecken. Und stoßen in einer Seitenstraße auf die offenen Ateliertüren von Corinna Boughton (C/. Comerc, 7). Die Britin ist Nachbarin von Künstler Hartmut Usadel, der seit 1962 auf Mallorca lebt und ebenfalls eine Galerie hinter der Kirche hat. ­Corinna Boughton kennt das Dorf seit 14 Jahren, besitzt hier ein Haus. Künstlerisch hat sie sich noch nicht mit der Insel beschäftigt, ihre aktuelle Kollektion von Acryl­bildern zeigt das zerbrechliche Natur­wunder von Islands Gletschern. Aktiv in Mallorcas Künstlerszene ist sie aber dennoch: Am ­25. Juli soll die zweite Nit de l’art von s’Arracó steigen, diesmal mit über 70 Künstlern von der ganzen Insel.

 

Der Bohemien
Vorbei an der Pfarrkirche Santo Cristo landen wir vor dem neuen Restaurant El Bohemio (Placa ­Toledo, 5). Mariano ist Argenti­nier und mit seinem breiten Lächeln der geborene Gastgeber. Dem Namen entsprechend (Der Bohemien) ist sein Lokal ein Mix aus ­Essen, Genießen und Kunst, es gibt regelmäßig kleine Ausstellungen, Live-Musik und Theaterstücke. Gekocht wird mediterran, mit saisonalen Zutaten aus der Umgebung. Bis Ende Mai gibt es ausschließlich ein Mittagsmenü (11,90 Euro) und reduzierte Öffnungszeiten (10.30 bis 17.30 Uhr), ab Juni ist El Bohemio dann auch abends für die Bohe­miens ­geöffnet.

 

Selbst zum Künstler werden
Wer die Hauptstraße entlang spaziert, entdeckt so manch schönes Jugendstilhaus, ein Überbleibsel aus der Zeit, als die nach Frankreich emigrierten Mallorquiner zurückkehrten und das im Ausland verdiente Geld in ihre Finca steckten. Schräg gegenüber eines Herrenhauses mit kunstvoll verschnörkelten Balkongeländern hat Architekt Jaime Revuelta seine Galerie Nou Nou mit Glasstudio und Werkstatt eingerichtet (C/. de França 31). Zur Zeit stellt er Bilder des Berliner Künstlers Dizzy Man aus. Jeden Dienstag gibt es einen offenen Kurs in Bildhauerei (10.30 bis 12 Uhr, 40 Euro/Monat), ein Workshop Korbflechten soll ebenfalls angeboten werden. Es gibt noch zwei Frauen im Dorf, die das traditionelle Handwerk beherrschen.

 

Hotel mit Bergblick
Auf das einzige Hotel im Ort weist nur ein klitzekleines Schild hin, das man beim ersten Mal meist übersieht. L’Escaleta liegt versteckt in einer Seitenstraße, Suzanne Slater hat das Dorfhaus von 1890 vor acht Jahren zu einem Bed & Breakfast umfunktioniert. Es gibt sechs Zimmer, einen verwunschenen Garten mit Wein, ­Zitronen- und Mispel­bäumen sowie eine hübsche Terrasse mit Pool. Durch das Gartentor spaziert man geradewegs auf den Rundwander­weg Puig des Corb i Ses Rotes de s’Hereu (C/. del Porvenir, 10, Tel.: 971-67 10 11, Doppelzimmer ab 80 Euro inkl. Frühstück).

 

Lokale Köstlichkeiten
Ein Ort wie aus dem Bilderbuch ist der Tante-Emma-Laden Ca’n Saca (Barri Sa Capella). Margalida hat ihn von ihren Großeltern übernommen, die früher noch eine kleine Bäckerei betrieben. Das Geschäft läuft heutzutage mühsam, die Menschen kaufen in großen Supermärkten ein, kommen nur für Kleinigkeiten bei Margalida vorbei, die frisches Obst und Gemüse von Bauern der Umgebung anbietet. Lokale Ware gibt’s auch bei Metzger Xisco am Dorfeingang (9 bis 13.30 Uhr, 17 bis 20 Uhr, Mo. geschlossen). Er betreibt die Carnisseria Fibla in vierter Generation, hat kleine Mengen an Biofleisch von der Insel im Angebot wie Huhn, Lamm und Rindfleisch vom bou mallorquí. Seine heimliche Liebe gilt neben dem Fleisch auch dem Wein. Der gelernte Önologe keltert aus eigenen Trauben Rotwein, den er ebenfalls verkauft.

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