Sightseeing

Dorf-Check Port de Sóller: Jenseits der Promenade

0 Stimmen

Port de Sóller besitzt eine schönes Flaniermeile entlang des Hafens. Aber es gibt noch mehr zu entdecken

Südlicher Start in den Tag
Die Bar Es Cantó auf der Plaça de Son Miró ist der perfekte Ort für ein mediterranes Frühstück: entweder stehend am Tresen, der zum Platz hin offen ist, oder an einem der kleinen Tische auf dem Gehsteig, beschattet von einer Pergola und begrünt von üppigen Pflanzen. Zum Kaffee und frisch gepressten Orangensaft (den bekommt man überall im Ort) gibt‘s entweder Süßes (napoletana) oder Deftiges (geröstetes Brot mit Schinken und Käse). Abwechslungsreicher ist da der Ausblick: Um die Verkehrsinsel mit einem Brunnen muss herum, wer vom nördlichen Dorfteil in den südlichen will, Einheimische genauso wie Touristen.

Tapas beim Friseur
Eine vielseitigere Frühstückskarte gibt es im Albatros – wenn man den richtigen Eingang nimmt. Die Bar von 1898 wurde nämlich vor 20 Jahren zweigeteilt und beherbergt seitdem auch einen Friseursalon. Philippe mit mallorquinisch-französischen Wurzeln erbte die Schnittkunst seines Vaters und des Großvaters, der seinen Salon vor hundert Jahren im Dorf eröffnete. Original aus dieser Zeit stammen zwei hölzerne Friseurstühle, die noch immer im Einsatz sind. Wer spontan zum Haareschneiden vorbei kommt, nimmt zunächst in der Bar Platz. Außer Frühstück werden auch leckere Tapas serviert, wie scharfe albóndigas, also Hackbällchen (C/. Marina, 48). Noch ein Tipp: Zwei Häuser weiter hat Philippes Sohn Eric eine Musikbar eröffnet. In der Bar Cava wird jeden Abend ab 20.30 Uhr Livemusik gespielt (C/. Oratori de Santa Caterina d’Alexandria, 2).

Klösterlicher Weitblick
Spaziert man in Richtung der kleinen Halbinsel Racó de Santa Catarina, im Norden der natürlichen Hafenbucht, entdeckt man den älteren Teil von Port de Sóller mit kleinen Fischerhäuschen, engen Gassen und verwinkelten Treppen­gängen. Über vier Aussichts­terrassen erklimmt man oberhalb des Hafenviertels die Ermita Santa Catarina. Die dazugehörige Kapelle stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, original erhalten sind der Glockenturm, die Fenster und das Portal. Früher war hier ein Meeresmuseum untergebracht, heute finden in dem klösterlichen Bau noch Konzerte und Ausstellungen statt (bis zum 18.5. Malerei, Objekte, Skulpturen von Natalia Spitale und Ricardo Sacco). Der Aufstieg lohnt übrigens auch ohne Klosterbesuch. Von einem Aussichtsterrasse hat man einen erhabenen Blick übers Meer, das hier, außerhalb der Hafenbucht, rau und wild ist. Durch das Teleobjektiv oder Fernglas kann man halsbrecherisch angelegte Treppen erkennen, die von einigen Anwesen über den nackten Felsen bis zum Wasser führen.

In der Bahnhofshalle
Auch eine Würdigung der berühmten Straßenbahn gehört zu einem Spaziergang durch Port de Sóller, sofern man nicht ohnehin mit ihr gekommen ist. An der Tramhaltestelle liegt eine alte Bahnhofshalle von 1929, in der sich seit der Eröffnung eine Bar und ein Restaurant befinden. Bis in die 70er Jahre gehörte zum Restaurant Mar y Sol noch ein Hotel mit fünf Zimmern in der oberen Etage, erzählt der Spross der Familie Sastre, die das Haus seit den Anfängen betreibt. Turbulent ging es während des Spanischen Bürgerkriegs zwischen 1936 und 1939 zu. Das Gebäude wurde enteignet und diente als Quartier für italienische Offiziere, die mit ihren U-Booten vor dem Hafen lagen. Heute kann man im Bahnhofsgebäude oder auf der Terrasse mit Hafenblick in Ruhe sein Mittagessen genießen. Im Juli und August ist die Küche auch abends geöffnet (C/. Marina, 7).

Vom Markt zur Kirche
Donnerstagvormittags ist Markttag in Port de Sóller, auf dem Carrer d‘Antoni Montis werden Obst, Gemüse, Kleidung und Korbwaren feil geboten. Von hier liegt nur einen Steinwurf entfernt die Pfarrkirche Son Ramón de Penyafort, die von außen wie eine Trutzburg erscheint (C/. Canonge Oliver, 14). Auch im Inneren hat man eher den Eindruck, in einem Rittersaal zu stehen. Dazu passen die unverputzten Steinwände und eisernen Kronleuchter. Nur der hölzerne Renaissance-Altar und das kleine Altarbild der Heiligen gehören zum antiken Kirchengut, das Gotteshaus selbst ist gerade mal
60 Jahre alt.

Übernachten unterm Leuchtturmfeuer
Wer gut zu Fuß ist, steigt über die kurvenreiche Straße zum Cap Gros mit dem gleichnamigen Leuchtturm auf. Mit dem Auto fährt man am Strand d‘en Repic vorbei Richtung südliche Hafeneinfahrt. Zum faro von 1842 gehört ein Restaurant mit Panorama­blick über die Bucht. Wer drei Schritte weiterläuft, kommt zum Refugi de Muleta, einer Herberge am Wanderweg GR-221. Das über 100 Jahre alte Gebäude diente früher als Telegrafenstation, seit 13 Jahren kann man hier in einem Schlafsaal mit 15 Doppelbetten übernachten (Nacht 11 Euro, Reservierung unter Tel.: 971-17 37 31).

Fotogalerie

Karte