Sightseeing

Dorfcheck Sencelles: Versteckte Juwelen

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Sencelles - Mallorca

Im Inselinneren gelegen, hat Sencelles auf den ersten Blick nicht viel zu bieten. Doch erste Blicke täuschen bekanntlich …

JUTTA CHRISTOPH

Süßer Ort zum Verlieben
Catis Liedstrich sitzt perfekt und passt zudem vorzüglich ins Café-Ambiente. Im Can Pep, das vor einigen Wochen eröffnete (C/. d‘el Rafal, 6, Mo geschlossen), vergisst man Raum und Zeit: Die moderne Lampeninstallation könnte auch im In-Lokal in New York hängen, die alten Bonbongläser im Kaffeehaus in Wien stehen und die türkis-grüne Theke in einer Bar in Kopenhagen. Nun ja, und Catis Liedstrich, der passt natürlich in die Stadt der Liebe. Dabei gilt ihre Liebe Sencelles, nicht Paris – und den Traditionen. Sie stammt aus einer Bäckersfamilie, viele Möbel und Deko-Objekte im Lokal standen früher in der Backstube. Ihre Kinder Antonia und Ramon restaurierten die Schränkchen, Vitrinen und alten Holztröge für Mehl und setzten sie im Café gekonnt in Szene. Bevor man sich an einem der Holz- und Marmortische zum Frühstück niederlässt, muss man sich ein bisschen umsehen und die antike Kaffeemühle, Malerei, Fotos und allerlei Feinkost entdecken, darunter auch das preisgekrönte Olivenöl Jornets und den Kamillenlikör Sermita – beide aus Sencelles. Wenn man ein paar Runden um den süßen Sündentisch geschlichen ist, auf dem cocas, pañuelos de chocolate, mamelletes und vieles mehr präsentiert werden, serviert Cati den cremigen Café und dazu das Wunschgebäck.


Zu Gast bei Sankt Beata
Nach so viel Schlemmerei reinigt ein Besuch im Kloster der Barmherzigen Schwestern,
das 1851 gegründet wurde (C/. Caritat, 3, Di bis So 9.30 bis 13 Uhr, 16 bis 19 Uhr). Neben der Kapelle mit dem Grab von Beata Francinaina kann auch das Wohnhaus der Dorf-Heiligen besichtigt werden, die 1989 in Rom selig gesprochen wurde. Schon zu Lebzeiten wurden Francisca-Ana Cirer Carbonell, wie sie mit bürgerlichem Namen hieß, Wunderheilungen zugesprochen. Und noch immer pilgern Menschen aus aller Welt nach Sencelles, um zu beten oder von dem heiligen Wasser zu kosten, das aus einer Quelle im Patio sprudelt. Heute wohnen noch fünf Schwestern im Kloster, die das Haus von Beata pflegen und sich über eine Spende von Besuchern freuen.


Susanne Katharina Pfeil
Auf dem Weg zum Wochenmarkt (jeden Mittwochvormittag auf der Plaça Nova), lohnt sich ein Schlenker über den Carrer Jardins 28, wo man ins Atelier von Susanne
Katharina Pfeil gucken kann. Die gebürtige Kölnerin hat einen Teil der ehemaligen Traktorenfabrik Osca, in der sich früher das Dorfkino befand, in einen spannenden Werkraum verwandelt. Dort stellt sie zur Zeit ihre Installation Glückskekse sowie andere Skulpturen und Bilder aus. Die Künstlerin lebte mehrere Jahre in San Francisco und kommt ursprünglich aus dem Modedesign, über Kulissen- und dekorative Möbel­malerei fand sie zur Kunst. Sie bietet auch die dekorative Tadelakt-Technik an. Der marokkanische Putz aus Muschelkalk wird für Wände, Fußböden, Waschbecken und Tischplatten benutzt (Kontakt Tel.: 696-54 13 53).

 
(Sonnen-) Energie tanken ...
... das kann man in Sencelles auf zweierlei Art, etwa in der ener­getischen Naturheilpraxis von Karin Schomaker. Die Alternativmedizinerin, die seit über 30 Jahren in Spanien lebt, bietet in ihrem Praxisraum mit Blick über die Dächer von Sencelles Chiromassage, Reiki-Behandlungen sowie die Heilmethoden Polarität und Sujok an. Letztere stammt aus Südkorea und soll die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren (Termine unter Tel.: 971-87 28 86). Gleich um die Ecke der Praxis liegt die Bodega Can Ramis (C/. Sor Francinaina Cirer, 14, geöffnet Mo bis Sa 10 bis 20 Uhr, So 10 bis 14 Uhr). Der kräftige Crianza-Rotwein Serral (Flasche 6 Euro) ist ebenfalls eine Form von Therapie und so etwas wie flüssige Sonnenenergie aus dem Glas, glaubt Montse, die Besucher durch die 143 Jahre alte Kellerei führt. Die Trauben werden in der Bodega, die zur D.O.C. Binissalem gehört, per Hand gepflückt und reifen sechs Monate in amerikanischen Eichenfässern.


Schlemmen und Jammen
Das Sa Cuina de N‘Aina ist ein Treffpunkt für Fans der klassischen mallorquinischen Küche. Köchin Aina Carbonell hat für ihre Kochkunst schon so manche Auszeichnung bekommen. Das Familien­restaurant, das auch im Michelinführer genannt wird, bietet dreigängige Degustationsmenüs ab 18 Euro an, im Sommer wird in einem hübschen Patio getafelt (C/. Rafal, 31, Tel.: 971-87 29 92, Mi bis Mo 12.30 bis 15.30 Uhr, 20 bis 23 Uhr). Wer zum Essen auf Livemusik steht, sitzt dagegen im Molico Sencelles richtig. Die drei Freunde Joaquina, Pep und Peter haben aus der ehemaligen Mühle eine charmante Cocktailbar gemacht, von der Terrasse aus hat man einen Bilderbuchblick auf die Berge. Zu den 14-tägigen Live­konzerten (nächster Termin: 12.5., 12.30 Uhr) wird auch ein Menü für 15 Euro serviert (C/. de l’Església, 1,  Di bis So 12 bis 24 Uhr).

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