Sightseeing

Dorfcheck s'Alqueria Blanca: Zum Durchfahren viel zu schade

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Santanyí - Mallorca

Wer an die Strände im Inselosten will, passiert meist auch s‘Alqueria Blanca. Anhalten lohnt sich!

JUTTA CHRISTOPH

Markttag und Kaffeepause
Dienstags bekommt man auf der kleinen Plaça von s‘Alqueria Blanca meist keinen freien Stuhl mehr. Denn an Markttagen kaufen hier nicht nur die Dorfbewohner Käse, Oliven, Tomaten und Blumen ein. Auch die Residenten kommen aus der näheren Umgebung und genießen unaufgeregtes Dorfflair. Dazu gehört auch ein Kaffee in der Bar Nou (täglich 7 bis 24 Uhr). Barbesitzer Josep lebte in Palma, bis er in s‘Alqueria Blanca seine Frau Cati traf und ins Dorf einheiratete. Früher verdiente der Mallorquiner sein Geld als Taxifahrer im Raum Cala d‘Or. Er erinnert sich heute wehmütig an Zeiten, als Mallorcas Küsten noch unverbaut waren.


s‘Alquerias Taschen-Queen
Schräg gegenüber vom Marktplatz auf der Plaça des Cup 1 öffnet Maria Magdalena jeden Dienstag gegen halb zehn das Garagentor ihrer Großmutter, die in dem Dorfhaus wohnt. Den schmucklosen Raum dekoriert sie mit Orangen, Zitronen, Sobrassadawürsten und Marmeladen­gläsern und hängt vor das Tor eine Auswahl ihrer Korb­taschen. Jede ist ein Unikat, denn Maria Magdalena entwirft jede Tasche neu. Mal zieren Rüschen, Schleifen oder Bommel die praktischen Einkaufskörbe, mal eine aufgenähte Jeanstasche (ab 25 Euro).


Eine Kirche und ihr Schlüssel
Wie in vielen Dörfern Mallorcas bleiben die Kirchen außerhalb der Messe meist verschlossen. In s‘Alqueria Blanca kann man aber zumindest einen Blick durch die Glastür werfen. Wenn man Glück hat, trifft man auch Vikar Pere ­Orpi an, der sich um das Gotteshaus kümmert. Seitdem kostbare Gegenstände abhanden kamen, müssen die Kirchentore verschlossen bleiben, erklärt Pere den Besuchern und zeigt ihnen, vielleicht zur Ablenkung, seinen originellen Kirchenschlüssel. Der lange rostige Schlüssel kann wie ein Klapp­messer zusammengefaltet und so auf die Hälfte der Größe reduziert werden – damit er noch gut in die Hosentasche passt.


Kleiner Bäckerei-Spaziergang
Links am Gotteshaus vorbei beginnt ein Dorfspaziergang rund um den Kirchturm. Er führt auch an der alt eingesessenen Bäckerei Terrasa vorbei (Carrer d‘en Ramon Llull 1,
geöffnet 6.30 bis 13.15 Uhr und 17 bis 19.30 Uhr). Jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag wird hier Bio-Urkorn-Brot aus blat de xeixa angeboten. Mit einem frischen Laib im Arm geht‘s weiter zu drei alten Dorfschönheiten: Häuser mit fünf Meter hohen Palmen im Vorgarten. Verlassene Mühlen in der Nachbarschaft zeugen ebenso von einer langen Dorfgeschichte wie mehrere alte Brunnen.


Dekorativ und schmackhaft
Aus alt etwas Neues machen, heißt das Motto im Geschenkeladen von Hanne Schäfer – zumindest für zwei dekorative Wandregale und einen Spiegel aus Schwemmholz. Mit rostigen Nägeln zusammengehalten und mit bunten Perlen verziert, bringen die Stücke Sommerlaune in jedes Zuhause. Auch Mediterranes zum Schmecken gibt‘s hier im Ca‘s ­Perillo: Salze, Öle, Marmeladen oder einen feinen Likör aus dem Benediktinerkloster in Manacor. Im Sommer darf man es sich gerne im Garten der Stylistin gemütlich machen, und mit einem kühlen Getränk in der Hand vielleicht schon in dem gerade erstandenen Roman lesen. Denn Hanne Schäfer bietet neben Geschenkartikeln auch eine gute Auswahl an deutscher Lektüre an.


Häppchenweise genießen
Dass deutsch-mallorquinisch eine richtig gute Mischung ist, zeigt sich im Restaurant Sa Plaça (täglich 13 bis 23 Uhr). Das Gastro-Paar Katja Ickerodt und Toni Borrueco feiert in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum mit seinem Lokal auf dem Dorfplatz. Schlicht eingerichtet, mit Marmortischen, Kaffeehaus­stühlen und einer alten Bar mit großem Spiegel, überzeugt die Tapas-Bar mit viel Atmosphäre. Auf der Karte stehen Häppchen in allen Variationen, Klassiker ebenso wie Ungewöhnliches, etwa gebratene Wachteln mit marinierten Linsen (Portion ab 4,90 Euro). Wer im Sommer draußen tafeln möchte,
sollte vorher besser reservieren (Tel.: 971-16 40 22).


Wallfahren über Umwege
Die ausgeschilderte Zufahrt zum Santuari de la Consolació ist derzeit nicht befahrbar, da ein Teil der Straße beschädigt ist. Wer trotzdem zum ehemaligen Kloster hoch möchte, nimmt die inoffizielle Strecke über den Carrer des Molins und folgt dann dem Cami de Puig Gros. Rund ums Kloster holt sich die Natur diesen heiligen Ort langsam zurück. Der bezaubernde Patio von Wohnhaus und Kirche ist dagegen gepflegt und gut in Schuss, ebenso wie die Kapelle mit einem holzgeschnitzten Marienaltar (täglich geöffnet).

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