Sightseeing

Dorfcheck Binissalem: Steinmetze und Querdenker

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Binissalem - Mallorca

Den Ort prägen seit jeher Stein und Wein. Die Dorffassaden sorgen für einen schönen Blick – und die Bodegas für heitere Stimmung

JUTTA CHRISTOPH

Straßen-Hopping
In Binissalem braucht man nicht unbedingt ein Ziel. Vom Kirchplatz aus nimmt man die erst­beste Straße, lässt sich treiben und erkundet so im Zickzackkurs das Dorf. Zu entdecken gibt‘s hübsche Häuser aus Binissalem-Stein, manchmal mit großen verwunschenen Gärten hinter Binissalem-Steinmauern. Das Steinmetz-Handwerk hat hier eine lange Tradition, jeder Bewohner baute sich früher sein Haus aus dem vielfarbigen Felsen des naheliegenden Steinbruchs. Zu sehen sind aber auch ein paar architektonische Ausbüxer wie Can Tiró de ses Bolles (C/. Pere Estruch). Das Herrenhaus mit manieristischer Fassade stammt aus dem 17. oder 18. Jahrhundert.

 

Die Liebe zum Stein
Seit 70 Jahren im Familienbesitz, fertigt die Werkstatt Torrens-Pons Steinmetz-Arbeiten für die ganze Insel an. Nachdem das Geschäft mit dem Binissalem-Stein kurzzeitig einbrach, beleben die Ausländer das Geschäft seit einigen Jahren wieder neu. Gefragt sind Eingangsportale, Steinbögen, Treppen und Wasserbecken. Die Steinbänke für den Altar von Miquel Barceló in Palmas Kathedrale stammen ebenfalls von hier. Das Portal der Pfarrkirche in Binissalem ist dagegen aus Marésstein gebaut.


Alles Ansichtssache
In der alten Schuhfabrik Ferrer (C/. de sa Porteta), die vor zwölf Jahren geschlossen wurde, befinden sich heute moderne Wohnungen hinter historischen Fassaden. An vielen Stellen im Dorf hat sich in den vergangenen 100 Jahren jedoch kaum etwas verändert. Das zeigen Schwarz-Weiß-Fotos mit Stadtansichten vom Anfang des 19. Jahrhunderts, die an verschiedenen Punkten im Ort aufgestellt sind. Wer seinen Spontan-­Spaziergang mit dem Besuch der Sehenswürdigkeiten verbinden möchte, geht zuerst am Rathaus vorbei (C/. Concepció) und besorgt sich einen kostenlosen Stadtplan.


Auf zur Mädchenschule
Der Plan führt einen unter anderem zu einem alten Schulhaus, in dem früher die Mädchenschule von Binissalem untergebracht war. Heute residiert in dem modernen restaurierten Gebäude die Kontroll­behörde D.O. Binissalem. Sie wacht darüber, dass die einheimischen Trauben der Region zu besonderen und sonst nirgends zu findenden Tropfen heranreifen. 13 Weingüter sind derzeit dem Verband angeschlossen.
Im Büro in der obersten Etage kann man sich einen kostenlosen Weinrouten-Führer abholen.


Querdenker im Weingeschäft
Es gibt auch Winzer in Binissalem, die verschiedene Weinsorten anbauen und mit kleinen Mengen vom Festland experimentieren – wie die Bodega Oliver neben der Klosterkirche mit der auffällig gefliesten Kuppel. Die 300 Jahre alte Bodega ist laut den Besitzern und Brüdern Toni und Pedro eine der ältesten der Insel (C/. Canonge Barceló, 8, Mo-Fr 7-15 Uhr). Von hochpreisig bis einfach kann man den Rebensaft direkt zwischen den Holzfässern probieren. Auch die Kellerei von Andreu Villalonga bietet ihren Wein noch auf traditionelle Art an – ganz ohne Zwischenhandel. Allein wegen der sieben wuchtigen Holzfässer, mit weißer Kreide beschriftet, lohnt es sich, in der Kellerei Vins Ca‘n Novell vorbeizuschauen (C/. Bonaire, 17). Die 200 Jahre alten Fässer aus Steineiche und Olivenholz, die botes congrenyades, gibt es nur auf Mallorca. Abgezapft wir der Rote, Weiße, Rosé oder Sherry-Wein direkt vom Fass. Angeboten wird auch Olivenöl in Flaschen von einem Bauern aus Biniagual.


Café im Wohnhaus
Das Café und Restaurant Ca S‘Hereu ist im Erdgeschoss eines typischen Wohnhauses untergebracht (C/. Pere Estruch, 1). Hübsch renoviert, sitzt man an Marmortischen zwischen viel Naturstein und Holz. Gläser und Geschirr sind wie daheim im Wohnzimmer in einer Vitrine untergebracht, die kleine Hintertür führt in einen hübschen Patio. Es gibt kostenloses W-Lan, zum Frühstück Croissants gefüllt mit heller und dunkler Schokolade und mittags ein menú del dia (ab 9 Euro). Eine gute Tapas-Auswahl hat die Bar Americano mit Tischen auf dem Kirchplatz (Plaça de l‘Església 25).


Museum Villalonga
Das Wohnhaus des Schriftstellers Llorenç Villalonga aus dem 15. Jahrhundert wurde in ein Museum verwandelt (C/. de Bonaire, 25). Sehenswert ist das original erhaltene Arbeitszimmer mit Bibliothek. Im Raum davor steht ein kostbarer kleiner Hausaltar hinter Glas. Ziemlich ungepflegt, aber trotzdem schön ist der Kräuter­garten auf der Rückseite. Zwischen den Beeten führen Wege an Rosensträuchern, Zitronenbäumen, Oliven und Kiefern vorbei. In der ehemaligen Bodega im Hof ist eine Fotoausstellung über den Weinanbau Mallorcas untergebracht.

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