Sightseeing

Dorfcheck Muro: Bitte wachküssen!

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Muro - Mallorca

In Muro ist der Lack an vielen Stellen ab. Dabei hat das Dorf im Norden viel zu bieten: prächtige Herrenhäuser, einen hübschen Kreuzgang und kommunikative Bewohner

JUTTA CHRISTOPH

Kaffeeklatsch mit Ensaimada
Die Plaça San Martí ist zwar nicht der größte, aber sicherlich der quirligste Platz in Muro, daher startet man am besten von hier die Dorfbesichtigung. In der Eckbar Ca‘n Palau ist es drinnen so duster wie anno dazumal. Auf schwarz-weiß-Fotos, die neben dem Eingang hängen, erkennt man, wie die plaça vor 100 Jahren aussah: staubig, weil noch ohne Asphalt. Die Fassaden der Häuser haben sich seitdem allerdings kaum verändert. Am Café-Stammtisch in der Ecke sitzt heute ein Männergrüppchen und hält ein Kaffekränzchen ab – mit einer großen Ensaimada. Sie bestellen bei Catalina Milch­kaffee. Die Barbesitzerin betreibt das Café seit 25 Jahren und bekommt natürlich auch ein Stück vom ­Geburtstagskuchen ab.


Marschverpflegung
Die Hartkekse von Gori eignen sich bestens als Wegzehrung. Frisch aus dem Ofen bekommt man das salzige oder süße Gebäck auf der selben plaça drei Häuser weiter oben. Die Keksfabrik von Gregorio Noceras geht auf seinen Urgroßvater zurück, der 1890 eine Bäckerei in Muro eröffnete. Heute hat sich der Familienbetrieb auf die lang haltbaren und sättigenden runden Kekse aus Mehl, Wasser, Salz und Olivenöl spezialisiert. Geschmackvollere Varianten enthalten Kräuter wie Rosmarin. Die Fabrikation in Muro ist noch echte Handarbeit. In jedem mallorquinischen Haushalt steht eine Tüte Gori im Schrank, glaubt Gregorio. Kinder nehmen die Kekse mit in die Schule und Bauern noch immer mit aufs Feld, als Ersatz für frisches Brot und als Snack
zwischendurch.


Schöne Aussichten
Von der Promenade Sa Riba an der alten Stadtmauer hat man einen weiten Blick über Felder, Olivenhaine und gelb blühende Wiesen. Steinbänke laden zum Verweilen ein, und spätestens jetzt merkt man, dass Muro auf einem 100 Meter hohen Hügel liegt. Der Blick reicht bis zum Meer, man sieht auch Port de Pollença. „Die alte Stadtmauer schützte die Dorfbewohner vor Angreifern aus dem Norden“, erzählt Maria Antònia, die hier Blätter fegt. Sie weiß auch, dass das große Haus am Ende der Mauer einst dem Großgrundbesitzer Don Juan Massanet gehörte. Er besaß so viel Land, dass er von hier bis Palma reiten konnte, ohne sein Grundstück zu verlassen. Wer heute auf ­Massanets Spuren wandeln möchte, fährt über den „Cami viejo de Muro“ nach Palma.


Auf die Details kommt es an
Viele Straßen im Zentrum sind Fußgängerzone, kein Auto stört so das Bild der hübschen Sandsteinfassaden. Wer genauer hinguckt, erkennt neben renovierungs­bedürftigen Mauern manch architektonisches oder dekoratives Schmuckstück – wie hundert Jahre alte Holztüren mit Emaille-Klingeln, von Säulen gerahmte Fenster und Marien-Schreine über der Haustür. Die Fenster waren früher nicht nur Öffnungen zum Lüften, sie zeigten auch den Stand der Bewohner an: Ritter, Militär, Handwerker … Oder sie waren mit Motiven der damaligen Zeit dekoriert, heute noch gut zu erkennen in der Carrer de les Posades.

Unbedingt ansehen sollte man sich auch die Brücke aus Römer­zeiten. Gleich daneben liegt das Gebäude So‘n Font aus dem 14. Jahrhundert, das vor 25 Jahren zum Altersheim umfunktioniert wurde. Wer sich für alte Möbel und ebensolche Arbeitsgeräte für Stall und Feld interessiert, schaut im Museum für Völkerkunde vorbei (C/. Major, 15, Di-Sa 10-15 Uhr, Do 17-20 Uhr, Eintritt frei). Das typisch mallorquinische Wohnhaus von 1670 mit Wohn-, Schlafzimmer und einem Weinkeller besitzt auch einen alten Apothekerraum.


Besuch beim lieben Gott
Nicht zu übersehen ist die Pfarrkirche aus dem 16. Jahrhundert gleich gegenüber vom Rathaus. Wer zur Messe kommt (werktags 18.30 Uhr und sonntagvormittags), kann die 14 Seiten­kapellen und den gotischen Hauptaltar bewundern. Jederzeit zu besichtigen ist dagegen die Capelleta de la Sang (C/. Gonzáles). In dem Tempel im romanischen Stil wurde früher Essen an die Armen verteilt, die Kapelle wurde auch als Schule, Sitzungsort und ­Archiv für die Dokumente des Ortes genutzt.


Etwas außerhalb des Zentrums liegt Muros Minoritenkloster. Im 16. Jahrhundert stand hier nur eine Kapelle, die von den Pauliner­mönchen zu einer Klosterkirche umgebaut wurde. Schon die Mönche betrieben dort eine Schule, bevor sie aus Muro vertrieben wurden. Heute ist in einem Teil des Klosters ebenfalls ein colegio untergebracht. Durch seinen Eingang gelangt man in den viereckigen Kreuzgang im Renaissancestil.

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