Sightseeing

Der Orangen-Lehrpfad

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Sóller - Mallorca

Sóller hat eine neue Attraktion: Die Ökoplantage EcoVinyassa öffnet ihre Tore. Zwischen rund 2.000 Zitrusbäumen erfahren Besucher alles über Anbau und Frucht

BARBARA POHLE

Die 40 Informationstafeln informieren in fünf Sprachen - sie helfen den Besuchern auf den verschlungenen ­Wegen der Ökoplantage EcoVinyassa zwischen Fornalutx und Biniaraix, ­Zitrussorten zu erkennen. Und nicht nur das. Der etwa eine Stunde dauernde Spaziergang ist ein Fest für die Sinne: Man kann die reifen Früchte bestaunen, riechen, berühren, schälen, kosten und dabei viel über die Geschichte des Orangentals Sóller erfahren.


Auf der 18.000 Quadratmeter großen Plantage wachsen links und rechts der Cases de Sa Vinyassa etwa 2.000 Zitrusbäume. An dem Projekt wurde lang getüftelt. Als den Besitzern Sebastiana Massanet (53) und Joan Puigsever (63) vor vier Jahren die Finca als Erbe zufiel, entwickelten sie gemeinsam mit Sóllers Orangenexperten die Idee, das Anwesen auf Ökoanbau umzustellen. Zwei Jahre, so will es das Gesetz, benötigen Bäume und Erde für die Umstellung auf ökologischen Anbau. Die sind längst um, die Besitzer haben das Öko-­Zertifikat in der Tasche, und die ­Tore zum Orangenhain sind jetzt für Besucher geöffnet.


Die Besichtigung beginnt bei den Cases de Sa Vinyassa. Linker Hand vom Haus wird das Gartentor geöffnet. Unter den dicht an dicht wachsenden Orangenbäumen kommt laut gackernd eine Hühnerschar angerannt. Auf dem Boden wächst kein einziger Grashalm. „Das Federvieh hält das Terrain sauber und düngt zugleich“, sagt Puigsever. Dieses Grundstück gehörte von jeher zum Anwesen, die Bäume wurden früher chemisch gedüngt, die Früchte behandelt. Seit vier Jahren gehört das der Vergangenheit an.


Doch manche der Bäume hier können noch Geschichten erzählen. Joan Puigsever verweist auf einen Orangenstamm mit gut zwanzig Zentimetern Durchmesser. „Vor etwa 80 Jahren wurde er von den Großeltern meiner Frau gepflanzt“, berichtet er und zeigt auf eine Linie im Holz, über der sich die Struktur erkennbar verändert. Auf die Unterlage eines Bitterorangenbaums, pfropfte man Ende der 40er Jahre Edelreis einer canoneta. So heißt Sóllers berühmteste Saftorange, sie reift spät im Jahr und kann bis zum Sommer geerntet werden. Zwanzig Jahre später bekam die Orange Konkurrenz aus dem Plá de Mallorca. Dort pflanzten die Landwirte die moderne Navelorange, die für ihre hohen Ernteerträge bekannt ist.


Die Sóller-Orange canoneta konnte da nicht mithalten. Hinzu kam, dass die Zitrusbäume in Orangen­tal auf kleinen, terrassierten Feldern wuchsen. Sie zu bestellen, war mühsam. Um der Konkurrenz in der Ebene standhalten zu können, veredelte Großvater Massanet damals seinen canoneta-Baum mit dem Newcomer Valenciana late. Auch dieser injerto lässt sich am Stamm erkennen.


Ganz in der Nähe trifft der Besucher auf einen Orangenbaum, dessen Ast wegen seiner schweren Last fast den Boden berührt. Seine Früchte sind leicht zu erkennen, es handelt sich um die birnenförmige pereta. Auch diese zuckersüße ­Sommerorange braucht noch Zeit, bis sie geerntet werden kann. „Durch die Gipfel der Serra de
Tramuntana gibt es im Winter nur wenig Sonnenstunden im Tal“, sagt Puigsever. Das führe dazu, dass Sóllers Ursorten spät reifen und ihre Süße im Frühling entwickeln.  


Doch auch die sollerics züchteten Orangen, die sie bereits im Winter ernten konnten. Eine von ihnen ist auf dem zweiten Grundstück rechts vom Haus zu besichtigen. Die cul d‘ou (Hinterteil des Eis) wird nur noch selten gepflanzt. Auf dem vor vier Jahren erworbenen Grundstück Can Porret gedeiht sie und bietet Ende März süßeste Früchte.


Seit Jahrzehnten waren die Bäume hier nicht mehr gepflegt worden. Der Garten war verwildert. Heute wachsen zwischen den Bäumen Pferdebohnen. Deren gemähtes Laub wird dazu verwendet, den Boden zu mulchen. In diesem Bereich des Orangenhains ensteht auch, in sechs verschiedenen Stadien, der für den ökologischen Anbau so wichtige Kompost. Auch das Schnittgut der Zitrusbäume wird verwertet, sie werden alle zwei Jahre gestutzt.


Nicht alle Zitrussorten waren von Anfang an auf der Finca ­Vinyassa vertreten. Um den Besuchern eine vollständige Sorten-Sammlung präsentieren zu können, pflanzte Puigsever die fehlenden neu dazu. Jetzt wachsen zwischen den alten Sorten Mandarinen-, Clementinen-, Blutorangen-, Limetten-, Zitronen- und Pampelmusenbäumchen. Auf den Infotafeln ist zu erfahren, wie es zu den Züchtungen kam.


Rundgänge Mo, Mi, Fr: 10-13 Uhr. Erwachsene 10 Euro (Kinder bis 14 gratis), mit Orangensaft und Snack sowie Orangen zum Mitnehmen. Anmeldung (nur für Gruppen notwendig): Tel.: 670-21 26 02, smassanetborras­@hotmail.com. Wegbeschreibung: Von der Plaça Constitució in Sóller die C/. Lluna und weiter in die C/. Alqueria fahren, dann links zur Ctra. Fornalutx. Nach der Cooperativa Agrícola rechts in den Camí Vinyassa abbiegen.

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