Sightseeing

Dorfcheck Arenal: Schön schräg statt aalglatt

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Llucmajor - Mallorca

Arenal ist wie eine Großstadt in Miniatur: international, verbaut, ein bisschen morbide und voller Überlebenskünstler

JUTTA CHRISTOPH

Guter Einstieg: der Wochenmarkt
Donnerstagvormittag findet vor dem Rathaus an der Carrer Berga der Markt statt. Statt Obst und Gemüse gibt‘s eine Riesenauswahl an Kleidung, Schuhen und Klimbim. Die Kunden sind international und strömen aus allen Richtungen auf den Platz mit den großen Palmen. Die Stimmung ist entspannt, hier unterhält sich jeder mit jedem, auch die Standbesitzer scheinen mehr zum Vergnügen hier zu stehen. Susi redet ohne Pause, bei ihr gehört das aber zum Geschäft. Sie bringt eine Erfindung ihres Großvaters an die Hausfrau: eine Art Metallspirale (4 Euro), mit der man Kartoffeln oder Auberginen aushöhlt, um sie anschließend zu befüllen. Ach ja, wer Gemüse kaufen möchte, ist im Eckladen „La s‘hort de s‘Arenal“ bei Maria richtig. Sie führt lokale Ware aus der Umgebung.


Überreste vom alten Bahnhof
Früher konnte man von Palma über s‘Arenal nach Llucmajor mit dem Zug fahren, die alte Schienen­trasse ist noch immer zu erkennen und dient den Bewohnern von s‘Arenal jetzt als Naherholungsgebiet. Wer sich für original Fotos aus dieser Zeit interessiert, ist in der Bar La Estación (C/. Berga, 27) richtig. Das Lokal hat Besuchern neben einer lebhaften Wandkultur (Heiligen­bildchen neben Spazierstöcken neben Stierköpfen) auch eine gute tapas-Auswahl zu bieten. Natürlich kann man sich auch einfach für einen Kaffee auf die Terrasse setzen und auf den ehemaligen Bahnhofsplatz schauen, den jetzt die Rückwand eines Einkaufszentrums „ziert“.


Verschrobene Kirchenarchitektur
Direkt um die Ecke liegt die Kirche Mare de Déu de la Lactància. Das Gotteshaus von 1896 wurde vor 30 Jahren mit einem Neubau verschmolzen, der hier gnadenlos deplatziert wirkt. Über die große Treppe gelangt man zu einer weiteren architektonischen Sensation: einer Art bewohnte Grotte mit grünem Vorgarten – in der der Pfarrer logiert, wie Juan Pedro erzählt. Er gießt die Palmen und Gummibäume
im Kirchgarten und arbeitet ehrenamtlich für den Priester.


Faszinierendes Patchwork-Pflaster
Nun führt der Weg nach unten, Richtung Meer. Wer die Augen aufhält, kann manch skurrile Seite in s‘Arenal entdecken: schrullige cafeterías, über deren Eingang Schilder mit Sammelwert hängen. Alte Fischerhäuschen mit grünen Holzfensterläden, die sich zwischen mit Resopalplatten verkleidete Wohnfassaden ducken. Hinterhöfe, in denen Antennen, Schüsseln und Klimaanlagen uralte Palmen umzingeln. An der Promenade gibt es dann nur eine Blickrichtung – die aufs Meer. In den milden Frühlingstagen besetzen Rentner reihenweise die Bänke und sonnen sich.


Pfeifen und schleifen
Luis steht mit seinem Moped vor dem Restaurant „Varaderobeach“ und guckt konzentriert auf die Klinge vor sich. Der Scherenschleifer hat das mobile Gewerbe von seinem Vater übernommen, nachdem er vor vier Jahren arbeitslos wurde. Nun verdient er sich mit seinen Stammkunden aus Restaurants etwas dazu, ein Fleischmesser kriegt er für 2,50 Euro wieder scharf. Luis trifft man nie am selben Tag am selben Ort an. Vielmehr fährt er kreuz und quer durch die Straßen, macht mit einem Pfeifton auf sich aufmerksam und hält an, wo man ihn braucht.


Junger Club-Direktor
Im Club Nautic s‘Arenal herrscht Hochbetrieb kurz vor der Regatta Trofeo Princesa Sofia, die in der ersten Aprilwoche stattfindet. Für Club-Direktor Ferran Muñiesa gibt‘s jetzt viel zu organisieren, der Mallorquiner ist 30 Jahre jung und seit dreieinhalb Jahre im Amt. Service und modernste Hafentechnologie werden groß geschrieben, doch das Wichtigste sei das Persönliche. Im Club hilft man sich gegenseitig wie in einer Familie.


Tafeln mit Panoramablick
Für den Blick übers Ganze eignet sich bestens die Restaurant-Terrasse vom „Las Sirenas“ (C/. Roses). Hier servieren Aurelio Vieites und Manuel Barceló die besten Paellas von Arenal. Zu den Spezialitäten gehört auch eine große Auswahl hausgemachter Desserts, die eine drei­stöckige Vitrine einnehmen. Sonntags sollte man auf jeden Fall einen Tisch reservieren: Tel.: 971-44 00 39.

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