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Dorfcheck: Alles ruhig in Port d'Andratx

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Andratx - Mallorca

Es muss nicht immer Highlife in Tüten sein: ein winterlicher Bummel durch den Nobelhafen

Ein Fischer geht nie ganz in Rente
In Port d‘Andratx ist eigentlich immer etwas los, auch im Winter. Das gilt zumindest für die Fischer. Sie holen jeden Tag gegen 17 Uhr den Fang ein und verkaufen ihn in der Fischhalle am Hafen. Von Montag bis Freitag. Anfang des Jahres läuft das Geschäft noch ruhig. „Garnelen dürfen erst ab April wieder offiziell gefischt werden“, sagt Toni, der unter den Arkaden der Fischhalle Netze repariert. „Das sind die Netze meines Sohnes, ich bin fast sechzig Jahre zur See gefahren, irgendwann muss Schluss sein“, so der Katalane aus Tarragona, der mit neun Jahren seinen ersten Fischkutter bestieg.
Als er mit 13 Jahren zum ersten Mal nach Mallorca kam, verliebte er sich sofort in die Insel – und ein paar Jahre später in seine Frau, eine Mallorquinerin. „Früher war alles anders in Port d‘Andratx, die Türen standen immer offen“, erzählt Toni. Auch der Fischfang war besser. 20 bis 30 Kilogramm Garnelen pro Tag waren keine Seltenheit. Heute müssen sich die Fischer mit einem Bruchteil davon begnügen. Ganz ohne Meer kann aber auch Toni nicht. Im Hafen hat er sein kleines Fischerboot liegen, den Tintenfisch für die Fischbouillon seiner Frau fängt er immer noch selbst.

 

Ganz schön steife Brise
In den Wintermonaten kann es ziemlich windig sein im Hafen von Andratx. Dann braucht man eine dicke Jacke mit großer Kapuze, um es mit dem Wetter aufzunehmen. Der Spaziergang über die Mole und entlang der See­promenade weckt Erinnerungen an Urlaube an der Nordsee. Auf dem Meer tanzen die Wellen wie verrückt, die Gischt spritzt ab und zu gefährlich nah Richtung Füße. Wer stürmische Zeiten und frische Luft abkann, der wandert am Meer entlang Richtung Studio Weil. Für den Rückweg kann man sich ja schon mal ein Lieblingscafé zum Aufwärmen aussuchen, eine Hand voll sind jetzt noch geöffnet. Die Boutiquen haben mit wenigen Ausnahmen alle auf.


Überraschungsbesuch bei Weil
Wir haben Glück und treffen die Künstlerin Barbara Weil zufällig in ihrem Studio an, der spektakuläre Bau von Architekt Daniel Libeskind im Camino Son Carlos 20 ist schon von Weitem sichtbar. Ohne Voranmeldung (unter Tel.: 971-67 16 47, Eintritt 10 Euro) läuft in den Winter­monaten normalerweise nichts. Doch die US-amerikanische Künstlerin, die seit vielen Jahren auf Mallorca lebt, lädt uns auf einen Blick in ihr Atelier ein: Malerei, Zeichnungen und Skulpturen sind hier zu sehen, ­darunter auch ihre Fiberglas-Skulpturen mit Autolack, die sie bereits seit 1979 begleiten. Aktuell arbeitet sie an einer Serie, die sie „My Circus“ nennt. Zum Abschluss verschenkt Miss Weil noch schnell gute Wünsche fürs neue Jahr: einen Farbdruck von einem im November entstandenen Bild mit einer persönlichen Widmung von ihr.


Kriegt es noch wer gebacken?
Auf dem Rückweg ins Dorfzentrum kommen wir an der deutschen Bäckerei Pan Paradiso vorbei (C/. Zorilla, Lokal 1). „Heute Morgen bin ich nur mit der Hälfte der bestellten Ware beliefert worden“, begrüßt uns Annett Minkwitz. In der Sommersaison hätte sie das sicherlich nicht so entspannt gesehen. Aber im Winter funktioniert
eben nicht immer alles so, wie es sollte. Jetzt gibt es weniger Andrang aufs Backwerk, die Stimmung ist dafür gelassener, die Gäste sind geselliger. „Und man hat Zeit, in die Sauna zu gehen und die Seele baumeln zu lassen“, sagt die junge Verkäuferin. In der Auslage liegt heute ein Roggenvollkornbrot aus flüssigem Sauerteig, der in einer Holzform gebacken wird (750g 4,85 Euro). Und das Kaffee-und-Kuchen-Angebot für 4 Euro gilt natürlich auch im Winter.


Abtauchen und Teetrinken
Zur Nordsee-Atmosphäre auf der Promenade passt das Café von Uli Schwartau. Mit den geweißelten Holzmöbeln erinnert es an eine Strandhütte, die Wind und Wetter trotzt. Mit einer warmen Tasse Tee oder Kaffee in der Hand macht der Blick nach draußen aufs ungestüme Meer gleich doppelt so viel Spaß. Vor dem Café, das zum Unternehmen Cool Divers gehört, steht Ulis kanariengelbes Tauchgefährt, mit dem er bis Oktober Gästen die Unterwasserwelt vor der Küste von Port d‘Andratx zeigt. Das Besondere der von Batterien betriebenen Wassermopeds der Marke Bond: Geatmet wird auch unter Wasser ganz normal wie über Wasser, ohne Atemmaske. „Das funktioniert, weil der Kopf in einem überdimensionierten Helm sitzt, in den durch Luftdruck kein Wasser von unten eindringt“, erklärt Kompagnon Frank Althaus. Bequem im Sitzen auf Fisch-Safari gehen kann man, ohne zu erfrieren, wieder ab Ostern (drei Stunden 89 Euro/Person, www.cooldivers.net).

Teppich auf dem Teller
Manuel Mayo vom Restaurant La Gallega (C/. d‘Isaac Peral, 52) ist ein Gastgeber, wie er im Buche steht. Vom Tresen aus behält er die 15 rustikalen Holztische in seinem Fisch-Bistro dezent im Blick, neuen Gästen kommt er mit einem Lächeln und ausgestreckten Händen entgegen. Die Fisch- und Meeres­spezialitäten werden in einer offenen Küche zubereitet. Auf der Karte stehen gegrillte Herzmuscheln, gegrillte Teppichmuscheln, Schwimmkrebs, Entenmuscheln (Portion ab 7,80 Euro) und natürlich der berühmte pulpo a la gallega. Manuel Mayo präsentiert dem Gast auf einem Tablett ein besonders stolzes Exemplar des zehnarmigen Meerestiers. „Auch die Muscheln kommen aus dem Atlantik aus Nordspanien“, so der Spanier aus Galicien, der seit
40 Jahren auf der Insel lebt und sich als Mallorquiner bezeichnet. Die Garnelen, Kaisergranaten und Langusten kauft er wenn immer möglich in der Fischhalle. Womit der Kreis (hier) wieder geschlossen ist.

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