Sightseeing

Dorfcheck Portocolom: Picknick mit Meerblick

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Manacor - Mallorca

Flanieren in Mallorcas größtem Naturhafen: In Portocolom erleben Besucher zu dieser Jahreszeit die Atmosphäre eines Fischerdorfs ohne Fremde

JUTTA CHRISTOPH

Besinnliches Marktgeschehen
Fast hat man ein wenig Mitleid mit den paar Händlern, die auch im Winter jeden Dienstagvormittag ihren Stand in der Carrer Marina aufbauen. Vielleicht kommen sie wegen der friedlichen Stimmung. Denn statt Marktgeschrei hört man zum Obst- und Gemüseeinkauf die Vögel zwitschern. Und auch die Einheimischen diskutieren ungewöhnlich leise über die Preise von Nagellack und Co. Ein wenig Betrieb herrscht am Sockenstand von Miguel. Ob aus Schurwolle, zum Wandern oder mit Hello-Kitty-Aufdruck – in der kalten Jahreszeit geht eigentlich alles weg, so der Mallorquiner (je Paar 2 Euro).


Wo morgens der Bär steppt
Im Winter ticken die Uhren langsamer in dem Ort, der von sich behauptet, Geburtsstätte von Christoph Kolumbus zu sein. Wer um halb zehn seine Runde über den Markt gedreht hat, muss danach noch mindestens eineinhalb Stunden überbrücken, bis das Dorfleben beginnt.


Wie die Einheimischen geht man den Tag daher am besten gemächlich in der Bar Mestral an. Schon deshalb, weil die Terrasse mit Meerblick genau in der Sonne liegt. Sitzen, einen warmen Muffin genießen und beobachten: Zwei Nordic Walker laufen mit ihren Stöcken am Ufer entlang, ein Motorboot treibt lautlos Richtung Anlegestelle. Welch Glück, auch im Winter in Portocolom zu leben! „Ja, jetzt ist es ruhig hier, dafür kommt aber auch weniger Geld rein“, sagt Toni vom Mestral. Zum Frühstück trifft sich das halbe Dorf in dem Lokal der Familie López. Mittags gibt’s hier für 9,50 Euro ein menú del día.


Le Boulevard de Portocolom
So berühmt wie ihre Schwester in Nizza oder Cannes ist sie nicht, in Größe und Länge kann die knapp drei Kilometer lange See­promenade im Osten Mallorcas aber locker mithalten. Wer von einem zum anderen Ende von Mallorcas größtem Naturhafen spaziert, walkt oder joggt, erlebt das alte und neue Portocolom. Der Altstadtbereich am Hafen wird links und rechts von zwei Urbanisationen eingeschlossen: Im Südwesten steigen im Sommer Touristen rund um die Badebucht Cala Marcal ab, und gegenüber, auf der nordöstlichen Landzunge, residieren Einheimische in einem Villenviertel, das in der Punta de Ses Crestes mit Leuchtturm ausläuft.

Entworfen wurde der rot-weiß gestreifte Turm 1863 vom Architekten Emili Pou. Zunächst wies eine Öllampe als fixes Leuchtfeuer Seemännern den Weg, seit 1965 gibt eine elektrische Beleuchtung alle zehn Sekunden Signalblitze ab. Die Zufahrt zum Far de sa Punta versperrt ein großes Tor. Wer das Gelände besichtigen möchte, kann aber einen Termin mit dem Leuchtturmwärter vereinbaren (Tel.: 971-28 84 87).


Kostenloser Wellness-Tag
Der geht so: Aus dem Fenster gucken, bei Sonnenschein losfahren, das Auto am Kirchplatz von Portocolom parken. Von hier läuft man durch den ältesten Teil der Stadt die wenigen Meter zum Wasser. Viele Bootsanleger bleiben im Winter leer und sind der perfekte Picknickplatz. Wer sich erst mal bewegen möchte, spaziert links um die Bucht herum zum Leuchtturm oder rechts entlang Richtung Hafen. Am Ufer laden alle paar Meter Holz­bänke zum Seele-baumeln-lassen ein. Zu hören ist das leise Knarzen der Bootsmasten, was die Dorfruhe erst richtig betont.

 

Für einen kleinen Plausch bleibt man bei Joaquim stehen. Er repariert am großen Anleger Fischernetze. Jeden Tag acht Stunden lang. „Wenn es kalt ist, ziehe ich mich wärmer an“, so der Mallorquiner. Und noch eine Lebenserfahrung: „Man kann alles lernen mit ein bisschen Willen.“ Angst, arbeitslos zu werden, hat der Anfangfünfziger nicht.


Wein- und Öllager

In der Bodega von Javier Gracia (C/. Capità Barce, 2) liegen gute Tropfen im Regal, und die Wände zieren Werke einheimischer Künstler, darunter großformatige bearbeitete Fotos und Ölbilder. „Ich bin experimentierfreudig“, sagt der ehemalige Pilot, der den Laden im August eröffnete, und spielt damit auf sein Flaschenangebot an. Darunter Rot- und Weißweine von Mallorca und dem Festland, Champagner, Liköre sowie Öle und Essige. Interessant ist zum Beispiel feiner Chardonnay-Branntwein (500 ml 17,90 Euro), rotes Traubenkernöl aus Frankreich (500 ml 9,50 Euro) und geräuchertes Olivenöl. Javier möchte mit dem Vorurteil aufräumen, dass gute Weine teuer sein müssen. Sein Traum-Duo des guten Geschmacks: Tempranillo-Reben aus dem kleinen Eichenfass Barrique. In der Flasche abgefüllt gibt’s den Wein von Rafael Salgado für 6,90 Euro.

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