Sightseeing

Dorfcheck Valldemossa: Einfach schön

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Valldemossa - Mallorca

Valldemossa ist auch ohne den Rummel um Chopin einen Besuch wert – vor allem wenn man die „magische Linie“ überquert

JUTTA CHRISTOPH

Das Marktgeschehen
Im Winter geht es auf dem Wochenmarkt gemächlich zu. Auch wer erst mittags kommt, kriegt noch die besten Stücke ab. Etwa am Stand der Biofarm Sa Casa Pagesa. Maria empfiehlt kleine Salatköpfe, Brokkoli­röschen und Rote Beete. Auch die Blätter der roten Rüben kann man essen – sie schmecken besonders gut im Omelett, verrät Maria. Frische runde Brotlaibe aus dem Holzbackofen gibt‘s bei Lorena. Die Bäckerei Pan Lozano ist für ihr trigo gallego bekannt, denn galicischer Weizen hat einen eigenen Geschmack. Am besten probiert man gleich mehrere Sorten: Weizen, Roggen, Rosinen, Mais, Nüsse, Vollkorn. Lorena schneidet tortenstückgroße Scheiben von jedem Laib runter und wiegt sie einzeln ab (ab 4,50 Euro/kg).


Valldemossas Künstlerfamilie
Das bunte Schild an der Gartenpforte der Plaça Cartoixa macht neugierig: Catalina Sureda, escultora. Wenn die Tür verschlossen ist, ruft man die Telefonnummer auf dem Schild an. Zuerst kommt die Katze, dann eilt Catalina mit einem Schlüssel ans Törchen. Sie stammt aus einer Künstlerfamilie aus Valldemossa, ihre Großmutter, Pilar Montaner, war Malerin, ein Onkel Maler und Dichter. Und ihr Vater Pedro, ebenfalls Maler, spielt eine Hauptrolle in Albert Vigoleis Thelens Werk „Die Insel des zweiten Gesichts“. Doch warum über die Familie sprechen, wenn Catalina vor einem steht. Die Künstlerin führt Besucher durch den Garten ins Atelier, in dem Skulpturen sitzen, liegen, stehen. Catalina arbeitet mit Bronze, feuerfestem Werkstoff, Zement und Quarz.


Malerischer Klostergarten
Zwischen Hecken, Pinien und ­Zypressen taucht die Melone von Antonio Bibiloni auf. Der Mallorquiner stellt im Garten der Kartause Aquarelle auf Leinwand aus. Cositas, wie er es nennt, denn große Sachen würden sich nicht verkaufen. Die hübschen Ansichten von Dörfern, Menschen und Mallorcas Natur sind quadratisch breit gerahmt (15 Euro), die Fahrradszenen auf langen Holzlatten sind Antonios eigene Erfindung. Gemalt hat er schon immer, davon leben konnte er nie. Bis zur Rente arbeitete er bei Telefónica, heute führt er ein geruhsames Dorfleben mit Freiluft-Atelier. Sein Haus kann er vom Park aus sehen.


Kaffee und Schokolade
Die schönste Sonnenterrasse hat das Cappuccino für seine Gäste reserviert. Besitzer Juan Picornell richtet seine Kaffeehauskette mit Antiquitäten, echter Kunst und Designer-Möbeln ein. Die Innenräume in Valldemossa hat zum Beispiel die kalifornische Künstlerin Maria Trimbell gestaltet, die blau-weißen Wandfresken schenken dem Café eine warme Magie. Vorbild für diese Malerei waren die typischen mallorquinischen Zungenstoffe. Picornell legt großen Wert auf traditionelle Formen und Materialien, die er, wenn möglich, modern interpretiert. Um die Authentizität der historischen Gebäude zu wahren, verzichtet er aber auch gerne mal auf technische Neuerungen: „Als die Häuser in Valldemossa vor mehr als hundert Jahren gebaut wurden, gab es noch keine Klimalit-Fenster. Deshalb gibt es sie im Café auch heute nicht.“ Im Winter wärmt stattdessen ein antiker Kamin die Gäste.


Sonnige Grenzstation
Im Es Petit Hotel befinden wir uns knapp hinter der magischen Linie, erklärt Margarita Morell. Die magische Linie trennt die Haupttouristenmeile vom übrigen Dorf. Zusammen mit Mann Gonzalo hat Margarita das über hundert Jahre alte Familienheim von Grund auf renoviert und zum Hotel mit acht Doppelzimmern umgebaut. Die zwei schönsten haben eine eigene Terrasse Richtung Süden, perfekt für ein Wochenende zum Ausspannen. Zwei Liegestühle laden zum Schlummern, Träumen und Lesen ein, der Blick in die Landschaft bis zur Bucht von Palma ist einfach perfekt. „Im Sommer ist es tagsüber auf der Terrasse zu heiß“, erklärt Margarita. Doch im Winter mag man hier gar nicht mehr weg (Übernachtung ab 102 Euro inkl. Frühstück, Tel. 971-61 24 79).


Hier geht’s zur Inselheiligen Valldemossa ist Geburtsort von Catalina Tomàs, die einzige Heilige Mallorcas. Überall im Dorf gibt es bunte Kacheln an den Häusern, die Legenden aus ihrem Leben erzählen. Falls man den Weg zum Geburtshaus, das heute eine Kapelle ist, nicht findet, hilft einem Namensvetter Tomàs gerne weiter. Der Mallorquiner sitzt an sonnigen Tagen mit der Zeitung vor dem Hauseingang und beobachtet die Menschen, die an ihm vorbei spazieren. Ein Lächeln bekommt jeder geschenkt, ein nettes Wort nur der, der Spanisch spricht. „Hier den Berg runter und an der Kirche linker Hand in die Gasse einbiegen“, so Tomàs. Dann sieht man auf der linken Seite den Eingang zum Haus von Catalina.


Tafeln mit Bergblick
Das Restaurant Ca’n Marió im ersten Stock des gleichnamigen Hostals (C/. Uetam, 8, Tel.: 971-61 21 22) ist berühmt für seine Hausmannskost. Hier werden Küchenklassiker wie escaldums und tumbet mallorqui von Maria Antonia Morey serviert. Die Köchin führt das Familienhaus zusammen mit ihrem Bruder Miguel. Als das ­Hostal 1891 eröffnete wurde, bot es viele Jahre nur ein einfaches Essen für Übernachtungsgäste. Heute sind auch Gäste von außerhalb willkommen, sie müssen sich durch eine gewächshausartige Eingangshalle kämpfen, um die Treppen in den ersten Stock zu erklimmen. Wer den Weg am Bügelzimmer und der Küche vorbei gefunden hat, steht endlich in dem sonnengefluteten Esszimmer. Leider kann man sonntags ohne Reservierung gleich wieder kehrtmachen.
 

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