Sightseeing

Dorf-Check: Auf einen Mini-Urlaub ins goldene Tal

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Sóller - Mallorca

Die perfekte Auszeit vom Alltag: Sóller punktet mit französischem Flair, Einkaufsgenuss und netten Bewohnern
 

Schönheit mit Bergblick
Wegen Sóller müsste man diese Serie eigentlich von „Dorf-“ in „Städtchen“-Check umbenennen. Im Zentrum gibt es noch die kleinen Geschäfte für den täglichen Bedarf, oft in prachtvollen Lokalen mit liebevoll dekorierten Eingängen. Und rund um die Plaça reihen sich zahlreiche Cafés, in denen der halbe Ort sitzt, vom Säugling bis zur Großmutter. Den Vormittag auf diesem quirligen Platz zu vertrödeln, mit Kaffee, frisch gepresstem Orangensaft, Zeitungen und französischem Croissant – schon das ist Urlaub pur. Selbst im November klettert das Thermometer mittags noch auf 22 Grad. Das lässt sich leicht überprüfen, da eines an der Eckbar hängt.



Wochenmarkt und Markthalle
Frisches Obst und Gemüse, Blumen sowie Fisch bekommt man täglich in der Markthalle an der Plaça Mercat (geöffnet bis 13 Uhr). Orangen machten Sóller reich. Schon im 18. Jahrhundert transportierten Segelschiffe die Ernte von hier zu den südfranzösischen Häfen Toulon und Marseille, von dort ging‘s dann weiter nach Nordeuropa. In den Hausgärten von Sóller gedeihen aber auch tropische Früchte. Man muss nur mal über Zäune und durch Tore gucken, um Kakis, Avocados und Granatäpfel zu entdecken. Nicht von ungefähr tauften die Araber den Ort suliar, goldenes Tal. Samstags ist Markttag, dann sind ein Dutzend Stände auf der Plaça Mercat und hoch zur Plaça de la Constitució aufgebaut. Angeboten werden Honig, Brot, Seife, Kleidung, Schuhe und Spielzeug.

Der Traum von England
An der Plaça de la Constitució haben auch Carlos, Juan und Damian ihren Stand aufgebaut. Die Jungs zwischen 13 und 15 Jahren verkaufen selbst gemachten Kuchen, ­Pizzas und Trödel, Ihre Schule Sagrats Cors Sóller organisiert nämlich jedes Jahr einen Schüleraustausch nach London und dafür wird noch Geld gebraucht. In London wohnen die Schüler bei Familien, gehen ins Museum und lernen Englisch. Bis es so weit ist, wechseln sie sich am Verkaufsstand in Sóller ab.


Zentrum des Jugendstils
Die Pfarrkirche Sant Bartomeu aus dem 13. Jahrhundert nennen die ­Einheimischen
­„Kathedrale der Tramuntana“. Joan Rubió, ein ­Schüler Gaudís, schenkte ihr die modernistische Westfassade vor rund 100 Jahren. Er gestaltete auch die prunkvolle Banc de Sóller nebenan. Sie wurde mit dem Geld der Auswanderer gebaut, die in Frankreich und Amerika ihr Glück gemacht hatten und Anfang des 20. Jahrhunderts nach Mallorca zurückkehrten. Noch mehr Jugendstil-Objekte entdeckt man auf einem Spaziergang über den Friedhof am Südrand des Ortes. Kunst-Interessierten sei auch ein Abstecher zu dem Jugendstilmuseum Can Prunera ­(C/. Luna 86) ans Herz gelegt. Ganz in der Nähe befindet sich auch die Galerie „espai d‘art b2“.



„Bunyols“ für Verliebte
Falls Sie den in Fett ausgebackenen bunyols bisher nicht viel abgewinnen konnten – in der Pastisseria Frau (C/. Lluna, 9) werden sie das Gebäck lieben lernen. Antonio Frau, Bäckersohn in dritter Generation, setzt vorsichtig kleine Teigbällchen ins heiße Fett. „Im Zeitalter von Facebook und Co fehlt es an Romantik“, sagt der smarte Mallorquiner. Er hält an den Traditionen fest und stellt sich zum Fest der Jungfrauen (festa de les verges) jeden 20. Oktober abends unter das Fenster seiner Angebeteten. Wird er eingelassen und bekommt bunyols serviert, läuft alles bestens. Bunyols zu backen sei eigentlich etwas typisch Weibliches, sagt Antonio. Beim Anblick des feschen Mallorquiners wünscht man sich, dass die Backtradition öfter auf den Mann übergeht.



Alte Gefäße für gute Tropfen
Die Bodega Can Mora des Vi (C/. Lluna, 49) wurde renoviert, Eigentümerin Florentina Mora verkauft nun ausgewählte Weine in der Flasche, die Weinfässer sind nur noch Dekoration. Zu den Spezialitäten gehört der Hauslikör Florentina nach alter Familienrezeptur mit 24 Gewürzen und Kräutern. Ein hübsches Geschenk sind typische Tonkrüge für Wasser und Wein, die ein mallorquinischer Künstler herstellt. Zur Bodega gehört ein kleines Restaurant mit Garten. Das menú del día gibt’s für 12,25 Euro.

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