Sightseeing

Dorfcheck Petra: Von Muße und Maß

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Petra - Mallorca

Von Petra aus wurde Kalifornien missioniert, heute führt der Ort ein leises Dasein

JUTTA CHRISTOPH

 

Der Markttag
Petra ist ein stilles Dorf. Auch an Markttagen herrscht nicht allzu viel Trubel. Jeden Mittwoch findet auf der Carrer del Caparrot de Ca‘n Oms, hinter der Pfarrkirche Sant Pere, ein kleiner Gemüsemarkt statt. Die Bauern aus der Umgebung bieten hier die Schätze ihrer Felder und Gärten an. Zurzeit sind das vor allem Rote Beete, weiße Rübchen, Kohl und Orangen. Petra liegt mittendrin in der fruchtbaren Ebene Mallorcas: Im „Es Pla“ hat neben Acker- auch der Weinbau eine lange Tradition.


Die überdimensionale Kirche
Vom Markt aus sieht man den Turm der imposanten Pfarrkirche über den Dächern der Wohnhäuser aufragen. Sant Pere, gebaut von 1582 bis 1730, scheint für die Größe des Dorfes ein wenig überproportioniert. „Zu Beerdigungen wird die Kirche aber immer noch voll“, erzählt Francisca. Sie gehört zu einer Gruppe von Freiwilligen, die jeden Tag die Kirchen­tore für Touristen öffnen (Mo bis Sa 10.30 bis 12.30 Uhr), das Gottes­haus pflegen und bei Festen assistieren. „Hochzeiten gibt es hier kaum noch, das ist schade“, findet Francisca. „Die Leute heiraten nicht mehr oder suchen sich einen spektakuläreren Ort.“ Sehenswert ist die große Fenster­rosette auf der Rückseite der Kirche sowie die offenen Arkaden des Seitenschiffs.


Braune Kutten, goldene Putten
Im Kloster Sant Bernardí, wo ­Petras bekanntester Missionar Juníper Serra vor knapp drei Jahrhunderten zur Schule ging, bevor er sich aufmachte, 1776 das heutige San Francisco zu gründen, leben heute die einzigen Franziskaner-Minoriten Mallorcas. Der Eingang an der Fußgängergasse Fra Juníper Serra ist verschlossen, doch es gibt eine Klingel und nach ein paar Minuten öffnet Bruder Juan in brauner Kutte. Das Kloster ist in die Jahre gekommen, in der Vorhalle blättert die Farbe von den bemalten Decken. Juan führt Besucher durch zwei Museums­räume, die etwas von Juníper Serras Missionarsleben in Mexiko und Kalifornien erzählen. Zwischendrin entdeckt man echte Schätze wie ein dickes dreihundert Jahre altes Gesangbuch und ein Wasserbecken von 1727. Juan lebt seit 15 Jahren im Kloster, er stammt wie die zwei anderen Brüder Antonio und Guillermo aus Valencia. Früher gab‘s im Kloster auch eine Druckerei, Juan zeigt uns die alte Druckmaschine, auf der früher die Lokalblätter der umliegenden Dörfer gedruckt wurden. Letzte Station der Besichtigung ist die Kirche mit dem Denkmal Juníper Serras. Er steht auf einer Art Sockel, der von vier Indianern getragen wird. Schöner zu betrachten ist die Seitenkapelle rechts vor dem großen Kirchen­eingang. Sie stellt die Geburt ­Jesus nach, mit Krippenfiguren aus dem 17. Jahrhundert und zwei Engels­figuren von 1590.


Preisgekrönter Rebensaft
Die bekannteste Weinkellerei Petras ist die Bodega Miquel Oliver mit 12 Hektar Weinfeldern. Sie befinden sich seit vier Generationen in Familienbesitz. Die Olivers benutzen in ihren Weinfeldern kein Unkrautvertilgungsmittel und führen den Laub- und Rebschnitt mechanisch und händisch durch. Eine aufwendige Arbeit, die jedoch die Umwelt bewahrt und die Qualität der Weine verbessert, glaubt Pilar Oliver, die Urenkelin des Bodega-Gründers. Dass ihre Weine bereits einige Preise gewonnen haben, liegt aber auch am guten Boden: Der ist rund um Petra kieshaltig, sandig und aufgrund des Eisenoxyds rot gefärbt. So leitet sich der Name des charaktervollen Rotweins „Ses Ferritges“ von ferro, Eisen ab. (C/ Font, 26, Tel.: 971-56 11 17, geöffnet Mo- Fr 10-14, 15.30-18.30 Uhr).


Das kleinste Hotel der Insel
Nur drei Zimmer hat das Sa Placa Petit Hotel, das am hübschen Dorfplatz Ramon Llull steht. „Die Zimmer sind geräumig und groß“, erzählt Hoteldirektor Walter Iturbide, und kosten mit Frühstück je 100 Euro. Das Hotel-Restaurant bleibt dagegen über den Winter geschlossen, einzige Ausnahme ist der Freitagabend. Dann kommen bis Weihnachten tapas auf den Tisch im Rahmen der ruta de tapas in Petra. Darunter sind auch ungewöhnliche Kreationen wie japanische Tapas, die Walter Iturbide selbst zubereitet. Tagsüber ist auf der begrünten Plaça Ramon Llull immer etwas los – sie dürfte der einzige Ort in Petra sein, von dem man das behaupten kann. Es gibt drei Cafés und eine gut besuchte Apotheke.


Hausmannskost im Weinkeller
Mallorquinische Küche ohne große Überraschungen erwartet Gäste im Es Celler – und das seit über 20 Jahren. Noch älter sind freilich die 13 Stufen, die in das urige Kellerlokal führen, in dem sich früher mal eine Bodega aus dem 18. Jahrhundert befand. Fünf alte Holzfässer sind noch erhalten und ragen aus den Wänden, die vielen Holztische verteilen sich im Saal unter den hohen Gewölbedecken. Um zwölf Uhr mittags beginnt Magdalena den Holzofen zu befeuern, ihre Familie betreibt das Lokal seit 18 Jahren. Serviert werden typische mallorquinische Gerichte wie arròs brut (5,85 Euro), sepia a la plancha (9 Euro) und gefüllte Auberginen (8,20 Euro).


Kloster mit Ausblick
Wenige Kilometer außerhalb von Petra liegt auf einem 300 Meter hohen Aussichtshügel das Kloster Santuari de la Mare de Déu de Bonany. Über die asphaltierte Straße erreicht man die 1602 errichtete Kapelle in fünf Minuten. Rund ums Kloster, zu dem auch eine Herberge mit fünf Zimmern gehört (Übernachtung gegen eine Spende), findet man zahlreiche Picknickplätze, die sonntags von Wanderern und Ausflüglern genutzt werden. Ein Lokal sucht man hier oben vergeblich, Proviant fürs Picknick muss jeder selbst mitbringen.

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