Sightseeing

Besuch in Porreres: Kunst, Cava und ein Schotte

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Porreres - Mallorca

Nach der erfolgreichen Marktcheck-Serie nun der MZ-Dorfcheck: Was Mallorca abseits
touristischer Trampelpfade alles zu bieten hat. Den Anfang macht Porreres

Markttag:
Wer Dienstagvormittag nach Porreres fährt, ist in guter Begleitung: Das halbe Dorf ist auf den Beinen auf dem Weg zum Wochenmarkt. Neben Obst und Gemüse gibt es Haushaltswaren, Kleidung und Schuhe. Die Stände ziehen sich vom Hauptplatz vorbei an zahlreichen Bars durch die kleineren Gassen. Manche Einheimischen setzen sich auch auf eine der Bänke für Spaziergänger und zupfen Melodien auf der Gitarre. Auch die Marktleute sind freundlich und hilfsbereit, wenn es um die Zubereitung von weißen Rübchen geht.

Die Führung:
Um Punkt elf Uhr treffen wir uns mit Ritxart am Eingang der Pfarrkirche Nostra Senyora de la Consolació. Ritxart ist Schotte, lebt seit zwölf Jahren in Porreres und zeigt Besuchern das Gotteshaus aus dem 17. Jahrhundert von innen. Die Idee kam ihm vor drei Jahren: Von seiner Stammbar schräg gegenüber des Kirchenportals beobachtete er Touristen, die enttäuscht vor der abgesperrten Kirchentür standen. Nun kann man die romanisch-gotische Kirche dienstagvormittags besichtigen, Ritxarts einstündige Führung ist auf Englisch (Eintritt 3 Euro).

Jetzt aber was essen:
Das Schild „Menu del día: 9 Euro“ führt uns ins „Restaurante Es Centro“. Hier sitzt man zwischen roten Vorhängen in einem ehemaligen Theatersaal, der 1933 eröffnet wurde. Die offene Küche im Saal erinnert an eine Theaterkantine. Die Besitzer Jordi Rossellò und Toni Adrover, die „Es Centro“ vor drei Monaten neu eröffneten, möchten neben guter Hausmannskost bald auch Theatervorführungen und Konzerte anbieten. Die zwei Mallorquiner sind selbst Musiker und besitzen nun eine eigene Bühne für ihre Auftritte.

Das Museum:
Im „Museu i Fons Artístic de Porreres“ hängen zwei Originalwerke von Salvador Dalí (z. B. „Navidad 1.967“) und eines von Joan Miró. Auch die übrigen Werke mallorquinischer Künstler, die über zwei Etagen gezeigt werden, sind sehenswert, ebenso wie die wechselnden Ausstellungen. Gegründet wurde das Museum von dem Bäcker Joan Mesquida, der Eintritt ist frei (geöffnet Di, Fr, Sa, So 11-13 Uhr sowie Fr und Sa 18-20 Uhr).

Im Weinkeller:
Sein Namensvetter ist der Winzer Jaume Mesquida, der 1992 in Porreres den ersten Cava der Insel kelterte. Wir besuchen die Bodega am Dorfrand (Carrer de la Vileta 7, geöffnet Mo-Fr 9-19 Uhr), wo uns Jaume Mesquida persönlich begrüßt. Seit Kurzem ist er zurück im Geschäft, statt sich langsam zur Ruhe zu setzen, kümmert er sich nun wieder um das 67 Jahre alte Familienanwesen, zu dem 30 Hektar Weinberge gehören. Der Grund für seine Rückkehr: Seine Tochter hat sich mit einer eigenen Bodega selbstständig gemacht. Für den 62-Jährigen kein Grund zur Traurigkeit. Er möchte in den alten Gemäuern ein internationales Weinzentrum sowie eine Weinschule
eröffnen, neben mallorquinischen auch internationale Weine anbieten. Die unterirdischen Lagerräume für Trauben, Weinflaschen und alte Gerätschaften zur Weinherstellung kann man ebenfalls auf einem Rundgang mit Weinverköstigung besichtigen (Anmeldung: Tel.: 971-16 86 46).

Der Kreuzgang:
Zum krönenden Abschluss steigen wir aus der Tiefe des Weinkellers auf den Klosterberg Monti-sion, drei Kilometer außerhalb des Dorfes. Die Fahrt auf den 250 Meter hohen ­„Puig“ führt an Kreuzigungsstationen vorbei direkt vor die breite Freitreppe zum Kloster. Wer die wenigen Stufen erklimmt, steht in einem Kreuzgang in Form eines Fünfecks – der einzige auf Mallorca. Die Kapelle kann man täglich besichtigen, die Bar mit Ausblick auf Porreres ist nur am Wochenende geöffnet. Früher befand sich in Monti-sion eine Lateinschule, im 14. Jahrhundert wurde die Kapelle errichtet. Einziger Wermutstropfen: der nahe gelegene Steinbruch, dessen Lärm bis in den Kreuzgang schallt. Wer hier Picknicken möchte, findet zwei, drei Tische mit Bänken. Und am Sonntag bestimmt auch die Ruhe, die dieser magische Ort verdient hat.

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