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Oliven-Finca Treurer: Öl von Gottes Gnaden

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Llucmajor - Mallorca

Bald beginnt die Olivenernte – ein Besuch der Finca Treurer zwischen dem Klosterberg Randa und dem Kirchlein Castellitx

Das orangefarbene Quad rumpelt rauf und runter über den steinigen Boden der Finca Treurer. Es ist das ideale Gefährt für den Olivenplantagenbesitzer Joan ­Miralles (63) und seinen Mitarbeiter und Namensvetter Pere Miralles, der sich als Ölexperte um die Pflege von Boden und Olivenbäumen kümmert. Seit dem Winter 2009/2010 wird hier eines der ­feinsten Olivenöle der Insel hergestellt. Die diesjährige Ernte steht kurz bevor, da müssen die Bäume noch regelmäßiger überprüft werden. „Nach all der Hitze in den vergangenen Wochen sind die Regenfälle und die kühleren Temperaturen wichtig für die Schlussphase der Reifezeit“, meint der Chef.     


Miralles kaufte das insgesamt 20 Hektar große Grundstück zwischen dem Klosterberg Randa und der kleinen Kirche ­Castellitx im Jahr 2000. In dem Name der Finca klingt die katalanische Bezeichnung für Schatzmeister, tresorer, an. Und als Schatzmeister empfindet sich auch der umtriebige Mallorquiner Miralles, der damals noch Hotelbesitzer und -manager war und seinen Schatz unterhalb des Randa-Berges pflanzte. Er widmete sich parallel zu seiner Arbeit der Bereinigung des Geländes, der Freilegung von Wasserquellen und dem Umbau der vorhandenen alten Fincagebäude. Das dauerte ein paar Jahre. 2005 wurden die ersten Bäumchen gesetzt, aktuell sind es rund 3.000, verteilt auf 14 Hektar.


Mit großer Leidenschaft und Verve erklären er und Verkaufs­chefin Patricia Colmenares (53) den Besuchern der modern ausgestatteten Finca den Produktionsprozess und die Feinheiten rund um ihr Öl. Es gibt auch einen kleinen Film, der Olivenhain, Erntevorgang sowie Pressung zeigt. Und abenteuerlustige Besucher werden mit dem Quad über das Gelände chauffiert.


Das Treurer-Öl wird aus Arbequina-Oliven gemacht und ist als verge extra Qualitätsöl bei der Kontrollbehörde D.O. Oli de Mallorca registriert. Die Oliven werden relativ früh gegen Ende Oktober geerntet. Dies bringt zwar eine geringere Ölmenge, aber eine höhere Qualität.  


Schon der erste offizielle Jahrgang des fruchtig-pikanten Öls mit Noten von Mandeln und Fenchel begeisterte vor zwei Jahren die Feinschmecker. Treurer stieg auf Anhieb in die Spitzenliga von Aubocassa, Es Verger oder Solivellas-Öle auf. Darauf ist Miralles, der vor seinem Engagement auf der Finca keine Kenntnisse von Olivenpflanzungen hatte, zu Recht stolz. „Aber ich wusste immer genau, wie das Olivenöl werden sollte. Wir setzen auch alles daran, den Hain perfekt zu pflegen, damit die Grundbedingungen stimmen.“ Dazu gehören der richtige Dünger, die computer­gesteuerte Bewässerung und das Beschneiden der Bäume im Februar, damit sie nicht zu groß werden: „Dann würden sie zwar mehr Oliven tragen, aber diese werden weder besser, noch erleichtern große Bäume die Erntearbeit – ein wichtiger Aspekt“ so Miralles. „Bei uns berührt beim Ernten keine Olive den Boden. Unsere Maschinen funktionieren wie große umgedrehte Regenschirme mit mechanischen ‚Kämmen‘, die durch die Bäume greifen, so dass die Oliven in den Schirm fallen.“


Anschließend kommen die Oliven zur Presse der Kooperative von Sóller, eine von zwei offiziell von der D.O. zugelassenen Pressen der Insel (die andere ist Son Catiú bei Inca). „Zwischen Ernte und Pressung vergehen keine 12 Stunden. Diese Frische ist wichtig für eine hohe Qualität, da dadurch die Gefahr des Oxidierens verringert wird“, erzählt Miralles. Der dann noch trübe Saft kommt auf der Finca bei konstanter Temperatur – zwischen 18 und 22 Grad – in Tanks und wird direkt von den Inspektoren der Kontrollbehörde geprüft: In kleine Fläschchen abgefüllt, kommt das Olivenöl in ein Labor auf dem Festland, wo es organoleptisch analysiert wird – da spielt vor allem der Säuregrad eine Rolle (0 bis 1 Prozent sind ideal).


Das dann noch junge ‚Oli Novell‘ ist eine besondere Delikatesse, schmeckt frisch wie Öl-Saft und wird von Miralles an gute Kunden und Freunde verschenkt, denn der Verkauf ist vor dem Ergebnis der Analyse verboten. Die Trüb­stoffe setzen sich im weiteren Verlauf („das dauert circa fünf bis sechs Wochen“) im Tank am Boden ab, werden abgefüllt und „privat genutzt, denn Konsumenten wollen kein trübes Olivenöl, obgleich die Trübe keinerlei Einfluss auf den Geschmack hat.“


Kurz vor Weihnachten kommt schließlich das zertifizierte neue Treurer-Olivenöl auf den Markt – in diesem Jahr erstmals auch in den speziell für die Reise praktischen Metall-Behältern, damit im Gepäck nichts auslaufen kann.

 

Kaltgepresst

 

Finca Treurer, Besichtigung nach Vereinbarung.
Ctra. Llucmajor-Algaida
Km 5,7, Algaida. Tel.: 971-66 59 94, www.treurer.com
Der Preis: circa 13-15 Euro

 

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