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Rundgang: Montuiri in drei Stunden

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Montuïri - Mallorca

Das Dorf im Inselinneren hat es geschafft: Sein kulturelles Erbe wird jetzt auf einem dreisprachigen Rundgang vermarktet

JUTTA CHRISTOPH. Geträumt hatten sie schon länger davon, nun begrüßt Paula Amengual die ersten Besucher auf der Führung durch das „ursprüngliche und prähistorische Mallorca“ – wie der neue Rundgang durch Montuïri offiziell heißt. In drei Stunden kann man das kulturelle Erbe der Dorfschönheit am Rande der Schnellstraße nach Manacor nun entdecken. Es ist eine Tour, die erstmals alle Sehenswürdigkeiten miteinander verbindet: die Talayot-Fundstätte Son Fornés, das dazugehörige archäologische Museum, eine 160 Jahre alte restaurierte Mühle sowie ein mallorquinisches Privathaus aus derselben Zeit.


Auch Montuïri gehört jetzt also zu den Dörfern Mallorcas, die ihren Kulturschatz touristisch vermarkten und so versuchen, Geld in die leeren Gemeindekassen zu spülen. Wirklich neu an der Führung ist zwar nur der Besuch bei Mateu Sampol und seiner Frau Jeronima, die den Gästen ihr typisch mallorquinisches Privathaus zeigen. Aber man erfährt so einiges, was einem bei einem Rundgang alleine wohl entgehen würde.


Wir stehen im Talayot 1 auf der Ausgrabungsstätte Son Fornés. Paula Amengual erklärt, dass die Kammer in der fünf Meter dicken Innenwand von den Bewohnern wohl als Kühlschrank genutzt wurde – was immerhin mehr als 2.500 Jahre her sein muss. Dass dieses Loch noch heute vor der mallorquinischen Hitze schützt, haben Paula Amengual und Kollegen selbst erlebt. „Während wir auf der Ausgrabungsstätte gearbeitet und geschwitzt haben, blieben die Getränke in der Kammer den ganzen Tag kühl“, so die Didaktik-Beauftragte der Gemeinde.


Die jüngsten Ausgrabungen fanden im Juli 2011 statt, damals entdeckte man eine Kapelle und einen großen Brunnen. Dieser Talayot ist mit 17 Metern Durchmesser und dreieinhalb Metern Höhe der größte, der bisher auf Mallorca gefunden wurde. Paula Amengual demonstriert anhand eines Bilderbuchs, wie die Bewohner um 850 – 550 v. Chr. das rund 2.000 Tonnen schwere Bauwerk errichteten.


Der von der Gemeinde gecharterte Bus bringt die Besucher dann von Son Fornés zur Carrer Major in Montuïri. Wir machen einen kleinen Spaziergang über die Dorfstraße, vorbei an Bars, Zeitungsladen und der Pfarrkirche Sant Bartomeu aus dem 14. Jahrhundert. Es ist kaum ein Mensch zu sehen, das verschlafene Nest erwacht an Werktagen eigentlich nur am Montagvormittag zu Leben, wenn der Wochenmarkt auf der Plaça Major stattfindet.


Dafür erwarten uns bereits Mateu Sampol und seiner Frau Jeronima zu einem kleinen Imbiss. Das Paar hat in dem früheren Lager der Bodega Salzgebäck, Oliven und Wasser auf den Tisch gestellt, die Besucher dürfen sich ungezwungen in dem über 160 Jahre alten Haus umsehen. Von dem hübschen Patio gelangt man auf die Dachterrasse mit Panoramablick über die Ebene. Besonders gut erhalten ist heute noch die verwinkelte Küche mit Kamin, Waschbecken und alten Krügen. Mateu Sampol erzählt, dass das Haus im Laufe der Zeit oft umgebaut wurde. Auch in Wohn-, Ess- und Schlafzimmer dürfen wir einen Blick werfen. Alles ist penibel aufgeräumt, sodass man sich fragt, ob die Sampols hier wirklich wohnen.


Definitiv leer steht hingegen die Mühle von Joan Mesquida. Sie steht auf einer Anhöhe in Montuïris historischem Mühlenviertel Es Molinar. Die sieben Meter langen originalgetreu restaurierten Segelflügel sind weithin sichtbar. Der 64-jährige Spross einer Müllerfamilie, der die Ruine im Jahr 2000 erwarb, begrüßt uns herzlich und führt uns in das liebevoll restaurierte Bauwerk.


Wir laufen geduckt über die enge Wendeltreppe nach oben. Die steilen Stufen erklomm früher der ­Müller mit einem 60-Kilo-Sack auf dem Rücken. Weil der Sack auf der rechten Schulter lag, führt die Treppe links herum. Durch drei kleine Fenster wurde die Windrichtung bestimmt und nach ihr die Windflügel ausgerichtet.


Joan Mesquida ist sichtlich stolz, dass es nun einen organisierten Rundgang in Montuïri gibt, der auch an seiner Mühle vorbeiführt. Die Restaurierung habe ihn immerhin rund 24.000 Euro gekostet. Abgesehen von zwei in öffentlicher Hand befindlichen ist Mesquidas Mühle bisher die einzige von insgesamt 19 im Dorf, die restauriert wurde. Doch wer weiß: Wenn der neue Rundgang Erfolg zeigt, eifern vielleicht schon bald andere Mühlenbesitzer dem Vorbild nach.

 

Fotogalerie: Rundgang durch Montuiri

 

Infos

Die Führungen durch Montuïri auf Spanisch, Deutsch und Englisch finden jeden Mo und Fr von 10 - 13 Uhr statt. Nur mit Reservierung unter Tel.: 971-64 41 69. Preis: 12 Euro, Kinder: 5 Euro. Internet: www.sonfornes.mallorca.museum

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