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Son Peretó: Frühchristliche Spurensuche

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Manacor - Mallorca

Die Ausgrabungsstätte feiert 100-Jähriges. Anhand von Infotafeln bekommen Besucher das Gelände erklärt

JUTTA CHRISTOPH. Wer die Ausgrabungsstätte Son Peretó aus dem fünften Jahrhundert nach Christus betritt, ist zunächst enttäuscht. Es gibt jede Menge Steinhaufen, Mäuerchen, viele Gräben und runde Löcher, die an einen Brunnen erinnern. All dies verlassen auf einer kleinen Anhöhe fünf Kilometer außerhalb von Manacor, kein Baum spendet Schatten. Doch nun ist man schon mal hier und hat den gefährlichen Abzweig zum Besuchergelände, der ohne Vorwarnung in einer Kurve auftaucht, geschafft.


Eine große Schautafel in vier Sprachen (Katalanisch, Spanisch, Deutsch, Englisch) gibt einen ersten Überblick. Vor hundert Jahren stieß in Son Peretó ein Landwirt beim Pflügen seines Ackers auf Reste von Mosaiken. Als der Pfarrer und Hobby-Archäologe ­Joan Aguiló davon erfuhr, erwarb er das Gelände und führte drei Jahre lang Ausgrabungen durch. Zum Vorschein kamen Reste einer 21 Meter langen und 14 Meter breiten frühchristlichen Basilika, zwei Taufbecken, mehrere Räume, eine kleine Totenstadt und weitere Mosaike.


Spätestens jetzt hebt man den Blick und sieht sich die Steinmauern ein wenig genauer an. Die Gräben sind also in Wirklichkeit Gräber, und die runden ­Löcher entpuppen sich als Vorrats­speicher. Die Überreste der ­Basilika sind eher dürftig. Doch mit Hilfe einer rekonstruierten Zeichnung auf der Infotafel und ein bisschen Fantasie kann man sich vorstellen, wie das ­Gotteshaus mit dem halbrunden Altarraum ausgesehen haben muss. Die prachtvollen Mosaike mit figurativen und geometrischen Motiven in Weiß, Rot, Schwarz schmückten den Fußboden des Altarraums und der Seitenschiffe. Sie sind im Historischen Museum Manacor ausgestellt, zusammen mit anderen Fundstücken, wie Objekten aus Keramik, Glas und Metall sowie Skeletten.


Der Altar wurde früher von vier Stützpfeilern gehalten, die in eine rechteckige Basis aus Sandstein eingelassen waren, in denen sich auch die Reliquien befanden. Sieht man sich die Mauern der Basilika noch ein bisschen genauer an, entdeckt man schließlich knapp über dem Boden verlaufend eine Reihe von Ziegelsteinen. Sie markieren eine Trennungslinie: Steine, die darunter liegen, gehören zu den ursprünglichen Umfassungsmauern. Alles, was über der Linie liegt, wurde von Archäologen nachträglich ergänzt.


Gegraben wird in Son Peretó seit hundert Jahren, wenngleich die Arbeiten nur langsam vorangingen. Nach Joan Aguiló setzte erst 1967 der Katalane Pere de ­Palol die Ausgrabungen in der inzwischen etwas verwaisten Anlage fort. 1981 interessierten sich endlich auch Historiker und Archäologen des Museums Mallorca und der Universitäten Palma und Barcelona für das Gelände. Ein Jahr später vermachte es eine Nichte von Joan Aguiló der Stadt Manacor. 2004 wurden alle Fundstücke ins Historische Museum der Stadt gebracht. Im Juni diesen Jahres stellte die Stadtverwaltung von Manacor noch einmal 12.000 Euro für die Restaurierung von Son ­Peretó zur Verfügung. „So konnte ein Team aus Archäologen, Restauratoren und Anthropologen drei Wochen auf dem Terrain arbeiten“, erzählt Magdalena Salas, die Leiterin des Historischen
Museums Manacor.


Jetzt ist es wieder still auf dem Gelände. Nur die Geräusche der Schnellstraße sind zu hören – so fällt es einem nicht gerade leicht, sich 1.500 Jahre zurückzuversetzen. Ziemlich gut erhalten sind ein großes und ein kleines Taufbecken zu Füßen der Basilika – eine kleine Attraktion in Son Peretó. In dem größeren und älteren konnten die Täuflinge komplett untertauchen. In dem kleineren wurde lediglich der Kopf des Gläubigen mit Wasser überschüttet.


Nebenan befinden sich verschiedene Zimmer, die eine doppelte Funktion hatten. Sie dienten zugleich als Begräbnisanstalt sowie Wohn- und Vorratsraum. Dass die Menschen in der späten Antike am selben Ort bestattet wurden, an dem sie vormals schliefen, erscheint uns heute ein wenig gruselig. Die Gräber in Form einer Badewanne, darunter auch solche für Säuglinge, werden in drei verschiedenen Stadien gezeigt. Zuerst haute man ein Grab in den Felsen, in dieses wurde der Leichnam flach auf den Rücken gelegt. Anschließend wurde es mit Stein­platten abgedeckt und mit Kalkmörtel verputzt.


Auch der Bereich 6 des Ausstellungsgeländes ist ein Beispiel für die Mehrfachnutzung der Zimmer. In dem rund zehn Quadratmeter großen Raum befand sich ein Kindergrab, eine Feuerstelle und ein unterirdischer Silo, sie gehen auf das 6. und 7. Jahrhundert zurück. Der Bereich 7, ebenfalls aus dem 7. Jahrhundert, wurde als Schmiede genutzt, man fand Feuer­stelle und Wasserspeicher sowie insgesamt drei Kilogramm Eisenbruchstücke und einen Topf mit Resten von Tintenfisch.


Archäologen vermuten, dass Son Peretó im 7. oder 8. Jahrhundert einem Brand zum Opfer fiel. Er könnte ein Hinweis auf die ersten gewalttätigen Überfälle der Muslime auf den Balearen sein. Ganz genau weiß man das nicht.

 

Infos

 

Son Peretó, Ctra. Palma – Manacor, km 53,3. Besichtigung kostenlos. Im Historischen Museum Manacor gibt es eine ak­tuelle Ausstellung zur Basilika und ihrem historischen Kontext. Kostenlose Führungen (Katalanisch, Spanisch): 22.9. und 10.11, 18.30 Uhr. Ctra. Cales de Mallorca, km 1,5., Manacor. Telefon: 971-84 30 65.
 

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