Sightseeing

Radfahren in der Tramuntana: Zwischen Himmel und Erde

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Sóller - Mallorca

900 Höhenmeter verteilt auf 14 Kilometer: Wer auf dem Rad hinauf zum Stausee Cúber möchte, muss leidensfähig sein

JOHANNES KRAYER. Trügerisch gleichmäßig plätschern die Wellen an die Kaimauern in Port de Sóller. Die Sonne scheint, Frühlingsluft hat die ersten Touristen angelockt. Statt eines gemütlichen Spaziergangs an der Strandpromenade soll es heute jedoch eine Radtour mit dem Rennrad in die Serra de Tramuntana sein.


Andy Mitter, der Radverleiher von Tramuntana Tours in Port de Sóller, fragt, wo es hingehe. Hoch zum Stausee Cúber, sind ja nur 22 Kilometer. „Tapfer, tapfer“, sagt er und mustert die Reporter skeptisch. Dann verkündet Andy Mitter, dass 900 Höhenmeter überwunden werden müssen. Das sitzt. Aber es gibt kein Zurück mehr.


Bis zum Schild, das eine fast 14 Kilometer lange Steigung anzeigt, geht es noch recht flott. Zehn Minuten sind da vorbei. Dann beginnt die Tramuntana-Straße Ma-10, sich in endlosen Serpentinen den Berg hinaufzuwinden. Sechs Prozent Steigung, dann ein kurzes Stück noch mehr, dann wieder sechs Prozent. Die Sonne ist schon jetzt, Anfang März, ziemlich intensiv. Der erste Schweiß fließt.


An der Abfahrt nach Fornalutx wird zum ersten Mal am Horizont der Gipfel des 1.091 Meter hohen Puig de l‘Ofre sichtbar. Ihn zieren noch letzte Schneereste. Auf Steinterrassen stehen in dieser Gegend viele knorrige Olivenbäume. Dazwischen suchen die dank ihres umgehängten Glöckchens stetig bimmelnden Schafe nach Essbarem. Sie haben keine Ahnung, was die Horden von Radfahrern durchmachen, die hier Woche für Woche hochstrampeln.


Steigung, Kurve mit Steigung, Gerade mit Steigung. Aus den Augenwinkeln heraus nehmen wir Gipfelformationen in allen Ausprägungen wahr, mal flacher, mal steiler, Schnee­haufen an der Seite, grüne Kiefernwälder und die immer näher rückenden Wolken. Ein Gefühl zwischen Himmel und Erde stellt sich ein. An manchen Stellen fällt direkt neben der Straße der Berg steil ab, es eröffnet sich der Ausblick auf das Tal. Dann führt die Straße wieder so nah unterhalb der Gipfel vorbei, dass man glaubt, die Berge kippten vornüber und verschlängen die Radfahrer. Das Rennradportal www.quaeldich.de spricht von einer der längsten durchgängigen Auffahrten der Insel.


Ein junger Mann aus Deutschland überholt und ruft: „Immer weiter!“ Na gut. Dann der Túnel de Monnàber. 400 Meter in der völligen Dunkelheit. Das ist gefährlich, die Autos hupen. Hinter dem Tunnel ist der Aufstieg nach knappen zweieinviertel Stunden endlich beendet. Das militärische Sperrgebiet der Luftwaffe taucht rechter Hand auf, links ist die weiße Radarstation auf dem Puig Major zu sehen, die die US-Amerikaner dort 1958 für militärische Zwecke errichteten. Nur noch 560 Höhenmeter wären es auf den höchsten Gipfel Mallorcas. Hoch kommt man aber nur einmal im Jahr, beim Radrennen Mallorca 312. Zwei Kurven weiter liegt der Stausee Cúber. Blau schimmert das Wasser, es ist still. Am liebsten möchte man da jetzt kopfüber reinspringen.


Die Abfahrt entschädigt für vieles und dauert nur knappe 40 Minuten. So lange hat ­klettermaxl79 bei www.quaeldich.de auch gebraucht – allerdings für den Aufstieg.
38 Minuten und 45 Sekunden hat er auf der Seite eingetragen.


Spielverderber.

 

Anfahrt

Tramuntana Tours hat einen Verleih in Sóller (Carrer de sa Lluna, 72) und einen in Port de Sóller (Passeig de Través, 12). Von Palma aus die Ma-11 neh- men und das Auto in Sóller oder in Port de Sóller lassen.

 

Alternativen

Quäl Dich weiter

Es gibt auf Mallorca noch andere Möglichkeiten, seine körperlichen Grenzen im Rad- sport auszutesten. Ebenfalls anspruchsvoll ist die Strecke von Caimari zum Kloster Lluc. Noch mehr Steigung auf we- nigen Kilometern gibt es am Coll de Sóller. Und wer Meerblick möchte, der fährt am besten nach Sa Calobra hinunter – und dann wieder rauf.

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