Sightseeing

Cabrera: Zum blauesten Blau

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Salines (Ses) - Mallorca

Mit dem Ausflugsboot von Colònia de Sant Jordi nach Cabrera und zurück 

ALEXANDRA WILMS. Beim Ablegen des Schiffchens in Colònia de Sant Jordi wirkt das Archipel von Cabrera wie ein einziger, großer Felshaufen. Erst nach etwa 40 Minuten Seefahrt kann man die einzelnen Inselchen unterscheiden, 18 Stück sind es insgesamt. Im Vergleich zur Hauptinsel Cabrera sind sie klein bis winzig. Das karge Aussehen verdankt Cabrera den namensgebenden wilden Ziegen (cabra), die hier bis in den 50er Jahren jeden grünen Sprössling abfraßen.  


Die Einfahrt in die Bucht der „Ziegeninsel“ ist erst aus der ­Nähe sichtbar – ins Auge springt vor allem die auf dem Felsen links thronende Burg. Die Festung wurde im 14. Jahrhundert erbaut, zum Schutz vor Piraten und Seeräubern. Warum Cabrera für sie der ideale Rückzugsort war, wird klar, sobald sich das Boot der Einfahrt nähert: Gut geschützt von hohen Felswänden öffnet sich eine weite Bucht. Ganz plötzlich lässt der Seegang nach. Trotz der Wellen draußen auf dem Meer ist die Wasseroberfläche in der Bucht glatt wie ein See. Das Bötchen nähert sich dem Hafen der Insel, der aus etwa 15 Gebäuden und einem ­Betonsteg besteht.


Mit Picknick-Korb und Strandsachen gehen wir an Land. Dort wartet schon ein Parkwächter, um den Besuchern Instruk­tionen für den Inselaufenthalt zu geben. Denn Cabrera steht seit 1991 unter Naturschutz, und die Regeln sind streng. Den Müll wieder mit ans Festland nehmen, immer auf den Pfaden bleiben, keine Pflanzen pflücken und nicht rauchen – die Brandgefahr ist extrem hoch.


Zudem erklärt der Wächter, dass wir heute nur auf die Burg hinaufsteigen dürfen. Es gibt zwar auch ein Museum, aber das ist geschlossen. „Wegen fehlender Genehmigungen“, wie der Wächter auf Nachfrage erklärt. Also hinauf zur Burg. In steilen Serpentinen schlängelt sich der staubige Pfad den Berg hinauf. Immer wieder flitzen kleine, fast schwarze Eidechsen über den Weg. Weniger aktive Exemplare sitzen am Wegesrand und sonnen sich. An die Kameras der zahlreichen Besucher sind die Reptilien gewöhnt, fast scheinen sie zu ­posieren.


Fast oben angelangt, kommt es zu einem kleinen Stau: Auf der engen Wendeltreppe passen keine zwei Personen aneinander vorbei. „Früher erzählten die Guides, dass Helmut Kohl mal zu Besuch kam – und hier wieder umkehren musste, weil er für die Treppe einfach zu umfangreich war“, erzählt ein erfahrener Insel-Besucher, während wir warten. Dann sind die letzten Ausflügler unten, und wir steigen hinauf. Die Aussicht auf das tiefblaue Wasser der Bucht ist traumhaft.


Plexiglas schützt eine in den Sandstein der Festung gekratzte Inschrift, die an die düstere Vergangenheit der Insel erinnert. „Fleury, Gefangener von 1809-1810“ steht dort zu lesen. Im spanischen Unabhängigkeitskrieg wurden 9.000 französische Soldanten als Kriegsgefangene auf die Insel gebracht. Die Versorgung war so schlecht, dass nur knapp 3.000 von ihnen überlebten. Ein ­Monolith in der Nähe des Museums ­erinnert an ihr Schicksal.


Nach dem Abstieg packen wir am kleinen Strand Sa Platjeta die Taucherbrillen aus und stürzen uns ins kristallklare Wasser. Es wimmelt es nur so von Fischen. Auch sie sind fast zutraulich, denn fischen dürfen auf Cabrera nur wenige kleine ­Fischerboote.


Nachdem wir uns wie die Eidechsen von der Sonne haben trocknen lassen, verspeisen wir an Picknicktischen hinter dem Strand unser Essen. Als Nachtisch gibt es einen café con ­hielo in der winzigen Hafenkantine. Unter dem kleinen Strohdach fühlt man sich fast ein bisschen wie in einem alten Western.
Doch statt der High-Noon-Melodie ertönt das Horn unseres Schiffes: Zeit für den Heimweg. Der beginnt mit einer weiteren Attraktion: Das Schiff fährt in die Cova Blava, die Blaue Grotte am nördlichsten Zipfel Cabreras. Jetzt am Nachmittag scheint die Sonne in die Höhle hinein und lässt das Wasser so blau erscheinen, dass es fast schon künstlich wirkt. Das letzte Bad im blauesten Blau ist der krönende Abschluss unseres ­Inselausflugs.

 

So kommt man hin

 

Nach Cabrera kommt man von Colònia de Sant Jordi (www.marcabrera.com, www.excursionsacabrera.com) und Portopetro (Transporte Gregal, Tel.: 971-65 70 12) aus. Die Unternehmen bieten verschiedene Bootsausflüge in das Meeresschutzgebiet, Kosten: 40 bis 48 Euro für Erwachsene und 25 bis 29 Euro für Kinder bis 11 Jahre.

Alternativen

Echseninsel Sa Dragonera

 

Sa Dragonera im Südwesten der Insel gelangte in den 70ern zu Berühmtheit: Hippies und Umweltschützer besetzten den Felsen im Meer damals, um eine Bebauung mit Wohnanlagen zu verhindern. Zum Glück. Heute ist die Insel fest in der Hand von Vögeln, Hasen und vor allem der nur hier anzutreffende Eidechsenart Podarcis lilfordi. Vom kleinen Hafen gehen vier verschiedene Wanderwege ab. Mehrere Anbieter fahren die unter Naturschutz stehende Insel an. Ab Sant Elm: La Margarita, Tel.: 639-61 75 45; ab Santa Ponça und Peguera: Bergatin, Tel.: 600-52 05 03 oder 627-96 62 64; ab Port d‘Andratx oder Sant Telm: www.watertaxi.es, Tel.: 667-59 26 57.

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