Sightseeing

March-Hügel: Der Garten, der ein Wald sein wollte

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Capdepera - Mallorca

La Torre Cega, ehemaliger Sommersitz der Familie March: Hier blüht auch die Fantasie

THOMAS FITZNER. Die ursprüngliche Idee war eine verwegene: Der mediterrane Kiefernwald, der die Hügelkuppe über dem Hafen von ­Cala Ratjada bedeckte, sollte dem geplanten Garten nicht weichen, sondern sein schützendes, schatten­spendendes Dach bilden. So schön das Konzept klingt, so schwierig ist seine gartenbautechnische Umsetzung.


Doch hinter dem Gedanken stand eine Familie, die sich bis heute auf den besseren Plätzen der weltweiten ­Vermögensstatistik behauptet: Es war der mallorquinische Unternehmer Joan March, der 1915 den Hügel erwarb, auf dem ein fensterloser Turm ­(torre cega) über die Küste wachte. Mit den Jahren, in denen er sich zum reichsten Mann Spaniens emporarbeitete, floss reichlich Geld in die Ausgestaltung des Anwesens. Die Familie zog sich dorthin zur Sommerfrische zurück. Zuerst spuckte der damals prominenteste Inselarchitekt, ­Guillem ­Reynés, in die Hände, etwa 40 Jahre später wurde dann der weltberühmte Landschaftsarchitekt Russell Page mit der Neugestaltung des Gartens betraut.


Eine Prachttreppe verbindet den Eingang unten an der Joan March-Straße, ganz in der Nähe des Hafens, mit der Terrasse vor der Villa, die den Turm ablöste. Und rundherum wuchs im Schatten der Kiefern eine erstaunliche Anlage heran, mit Lilienteichen und lauschigen Lauben.


Bartolomé March (1917-1998), der kunstsinnige Sohn des Magnaten, ist dafür bekannt, dass er die Gärten mit einer exquisiten Skulpturensammlung ausstattete. Weniger herumgesprochen hat sich, dass er hier auch seiner ­Heimatverbundenheit Ausdruck verlieh: In einem geschützten Winkel ließ er ein riesiges Beet mit allem anpflanzen, was auf der Insel an Aroma- und Heilkräutern gedeiht, quasi eine lebende Enzyklopädie der Inselbotanik.


Im Jahr 2001 fuhr ein Tornado quer durch die Anlage und spielte mit 600 ausgewachsenen Kiefern Mikado. Die liebevoll und aufwendig durchgeführte Restaurierung dauerte zehn Jahre. Den Garten, der ein Wald sein wollte, gibt es in dieser Form nur noch zum Teil. Doch die alte Pracht ist bis heute zu spüren.

 

Anfahrt und Besuch

 

Von Capdepera kommend auf der Hauptstraße durch Cala Ratjada fahren, am Hafen vorbei und dann in die letzte Gasse rechts vor dem Parkareal. Die Besuchszeiten wechseln nach Saison, Anmeldung mindestens zwei Tage im Voraus. Information: Tel. 971-55 64 79

 

Alfàbia, Sóller, La Granja, Alcúdia

 

Es gibt auf der Insel noch mehrere andere Gärten, deren Besuch lohnt. Am bekanntesten sind wohl die Jardins de Alfàbia an der Straße Palma-Sóller kurz vor der Tunneleinfahrt. Ihre Geschichte geht bis in arabische Zeiten zurück, seither wurde die Gestaltung von unterschiedlichen Stilrichtungen beeinflusst, unter anderem vom traditionellen englischen Gartendesign. Schattig und schön. www.jardinesdealfabia.com.


In Sóller lockt ein ebenso schnuckeliger wie pädagogisch gestalteter Botanischer Garten. Die Anlage befindet sich direkt an der Straße Palma-Sóller-Port de Sóller rechterhand. www.­jardibotanicdesoller.org.


La Granja in Esporles ist als Touristenfalle verschrien, aber sowohl das Museum als auch der Spaziergang durch die in den Wald und eine kleine Schlucht übergehende Gartenanlage verdienen sich Bestnoten. Einziges Aber: Der Eintritt ist nicht ganz billig (12,50 für Erwachsene). www.lagranja.net


Der spektakulärste Rosengarten der Insel befindet sich im Landgut Sa Bassa Blanca in Alcúdia, dem Sitz der Stiftung Jakober. Besuch jeweils zur Blütezeit im Frühjahr. www.­fundacionjakober.org.

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