Sightseeing

Rein in die kühlen Patios

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Palma de Mallorca - Mallorca

Einmal in den schattigen Innenhöfen Palmas den Atem der Geschichte verspüren

INGO THOR. Was ist das doch für ein verworrenes Labyrinth, dieses Palma de Mallorca! Im von Römern, Arabern, Katalanen und auch Italienern gestalteten größten ­zusammenhängenden Altstadtkern Europas, der nie durch Kriege zerstört wurde, wabert der Geist von Hunderten von Jahren umher. Schon 123 vor Christus hatten Krieger und Händler aus der Ewigen Stadt hier eine Siedlung aus dem Boden gestampft. Und wenn man sich die Autos wegdenkt und plötzlich ein Renaissance-Fürst mit stechendem Blick auf einem schwarzen Rappen durch die Gassen geritten käme, man würde sich in Sekundenschnelle in eine ganz andere Zeit zurückversetzt fühlen.


Ja, die Gassen! Es reiht sich eine an die andere. Manche haben Kurven, andere nicht, manche Treppen, andere nicht, und es kann durchaus passieren, dass Urlauber ohne Stadtplan nach zehn oder 15 Minuten wieder an dem Ort herauskommen, von dem sie sich eigentlich hatten entfernen wollen. Es heißt, dass sich in dem schluchtenähnlichen Gewirr voller Kirchen und Kirchlein zuweilen selbst Leute verlaufen, die bereits länger hier leben.


Angesichts der Faszina­tion dieser ganz eigenen urbanen ­Atmosphäre verwundert es nicht, dass Palma Touristen anzieht wie das Licht die Motten. Und so will man bei Privatunternehmen wie „Mallorca Rutes“ der großen Nachfrage gerade in der warmen Hochsaison mit kreativen Angeboten entgegenkommen.


So wie beispielsweise mit sogenannten „Patio-Touren“, die seit Anfang Juni angeboten werden. Man besichtigt mehrere besonders schöne der sehr zahlreichen Innenhöfe aller möglicher Stilrichtungen im alten Zentrum – kleinere, große, lichtdurchflutete und eher dunkle mit kleineren Pflanzen, riesigen Palmen oder gar keinen Gewächsen. Mal konzentriert man sich auf Patios im Gassengewirr rund um die Kathedrale, ein anderes Mal bewegt man sich in einen anderen Teil des alten Zentrums.


Wer mitgeht, darf unter anderem den moderigen Renaissance-Patio von Ca‘n Oleza auf sich wirken lassen, der 1973 zum historisch-künstlerischen Monument erklärt wurde. Oder den Ca‘n-Oms-Innenhof in dem Haus des 1980 verblichenen Schriftsellers Llorenç Villalonga mit seinen Gotik-Portalen und den barocken Balustraden.


In all diesen Höfen bekommt man immer wieder die gleichen Elemente zu Gesicht: abgeflachte Bögen, Kassettendecken, eine repräsentative Treppe, einen Brunnen und einen angeschrägten Fußboden, auf dem einst das Regenwasser in eine Zisterne floss. Inmitten von Pflanzen wurden hier und dort Eisenringe für die Pferde an den Wänden angebracht. Über den Türen sind oft in Stein gehauene Szenen zu sehen: Hält etwa eine Frau ihren Zeigefinger auf ihren Mund, so heißt dies: Bist du verheiratet, hast du zu schweigen.


Anders als heute waren die ­Patios von Palma früher allgemein zugänglich. In diese halböffentlichen kühlen Räume trieb es die Menschen in der Sommerhitze und auch sonst, es wurde wohl Wein in rauen Mengen getrunken und Domino gespielt, es wurden Geschäfte gemacht, Freunde trafen sich. Dieses Leben ist zwar größtenteils aus den Gevierten gewichen, doch der Atem der ­Geschichte weht einem hier trotzdem noch entgegen.

 

Termine, Uhrzeiten

 

Patio-Führungen in deutscher und englischer Sprache finden jeweils freitags um 10.30 Uhr statt. Samstags wird Interessierten das Gleiche auf Spanisch und Katalanisch erklärt. Treffpunkt: der „Tipika“-Laden auf der Plaça de Sta. Eulàlia. Preis: 10 Euro. Tel.: 971-728-983

 

Alternativen

Alte Häuser jenseits von Palma

Altstadtkerne können auch jenseits von Palma im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Da wäre zum Beispiel das malerische Alcúdia: Am 5. und 19. Juli können sich Interessierte um 21 Uhr an der „Porta San Sebastiá“ einfinden. Sie bekommen sogar Schauspieler zu Gesicht, die historische Szenen darstellen. Auch im August sind  dort Führungen geplant.


Wer das pittoresk-stimmige  Innenleben von außen eher unscheinbar aussehender alter Dorfhäuser erahnen will, kann zum Beispiel Mitte September in das mit einer ansehnlichen Bausubstanz versehene ­Binissalem am Fuße der Serra de Tramuntana fahren. Dann nämlich, zum Weinlesefest, lassen die Bürger Interessierte in die Häuser reinschauen – einfach so.

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