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Schnorcheln auf Mallorca: Ein Meerpfau kommt selten allein

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Pollença - Mallorca

Der raue Norden Mallorcas versprüht seinen eigenen Charme. Cala Sant Vicenç, nordwestlich von ­Pollença, wird oft von Stürmen und für das Mittelmeer untypisch hohen Wellen heimgesucht

Von Johannes Krayer

Der raue Norden Mallorcas versprüht seinen eigenen Charme. Cala Sant Vicenç, nordwestlich von ­Pollença, wird oft von Stürmen und für das Mittelmeer untypisch hohen Wellen heimgesucht. Tatsächlich zeigt sich die Cala Molins an diesem Sonntagmorgen unwirtlich. Der Himmel hat eine eigenartig bleierne Farbe und verschwimmt am Horizont mit dem gleichfarbigen Meer. Es nieselt leicht und weht ganz ordentlich. Nicht der klassische Strandtag.

 

Umso besser, denn wir gehen heute ohnehin auf Tauchstation. Also den Schnorchel auf, das Mundstück rein und los. Kaum den Kopf unter Wasser, kommt schon ein Schwarm dunkel glänzender Mönchsfische daher geschwommen. Ihr schwarzer Körper ist mit mattgoldenen Rauten geschmückt. Die Fische scheinen neugierig zu sein. Angst kennen sie nicht. Je weiter man in Richtung der Felsen auf der rechten Seite der Bucht vorstößt, desto farbenfroher wird die Unterwasserwelt. Die Felsen sind über und über mit Seemoos und Anemonen bewachsen. Kleine, gelb-rötliche Moosballen wiegen langsam im Wasser hin und her. Der Fels ist zerlöchert, ein ideales Versteck für kleine Fische, aber auch  für Oktopusse. Von denen gibt es hier angeblich jede Menge, sagt Stephan Conradi von Atemrausch, der in der Bucht Schnorcheltouren anbietet. Nur heute scheinen sie sich sehr gut getarnt zu haben. Auch die lang gezogenen, dünnen Barrakudas bekommen wir nicht zu sehen.

 

Dafür schwänzelt plötzlich ein kleiner, aber sehr bunter Meerpfau heran. Der Name ist Programm. Der Fisch sieht aus wie angemalt. Über den rötlich glänzenden Körper ziehen sich grüne und blaue Linien in grellen Farben. Er nagt ein bisschen am Seemoos und gleitet elegant weiter. Da nähert sich eine Meeräsche, ein mächtiger, forellenähnlicher dunkler Fisch. Er scheint auf Streife zu sein. In jedes Eck schwimmt er kurz hinein, guckt sich um und dreht wieder ab.

 

Stundenlang könnte man das Treiben beobachten – und muss nicht einmal schwimmen. Die Felsen sind so nah an der Wasseroberfläche, dass man sich daran festhalten kann. Hier, im kühlen Wasser nahe der Steilküste, tummeln sich deutlich mehr Lebewesen als in wärmeren Bereichen der Bucht. Die beste Art, die Vielfalt zu erkunden, ist, sich von den Fischen leiten zu lassen. Hat man einmal einen im Auge, führt er einen meist zu seinen Kollegen.

 

Ein Schwarm von Zweibindenbrassen zieht vorbei. Sie haben einen schwarzen Punkt am Schwanz und einen Streifen hinter dem Kopf. Ein letzter Blick auf zwei bunte Meerpfauen, und es geht zurück ans Ufer. Dort taucht man in einer anderen Welt auf. Kinder toben im flachen Wasser, der Strand hat sich gefüllt. Welcher Reichtum an Flora und Fauna sich nur wenige Meter von ihnen entfernt an den Felsen findet, das ahnt hier kaum wer. 

 

Anfahrt: Über die Autobahn bis Sa Pobla, dann über Pollença nach Cala Sant Vicenç. Die beiden ersten Buchten Cala Barques und Cala Clara links liegenlassen und bis zur Cala Molins fahren.

 

 

Alternativen: Prinzipiell gilt beim Schnorcheln auf Mallorca: Je weiter man von den großen Touristenzentren und Sandstränden weg ist, desto besser sind die Schnorchelbedingungen. Gut geeignet sind unter anderem die Cala Estellencs, die Cala Santanyí, die Caló des Moro und die Cala Mondragó bei Santanyí sowie die Steilküste von Llucmajor.

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