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Nächster Halt: „Pulpo con patatas“

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Palma de Mallorca - Mallorca

Auf ein Häppchen und ein Weinchen in die Gässchen – die „Ruta Martiana“ belebt Palmas Altstadt

JOHANNES KRAYER. Im Herbst 2009 eher aus der Not geboren, ist sie heute eine der Hauptattraktionen in Palmas Nachtleben: Die sogenannte „Ruta Martiana“ im lange seinem Schicksal überlassenen Viertel Sa Gerreria hat der Altstadt von Palma neues Leben eingehaucht. Ein pintxo oder eine tapa plus ein Getränk, meist ein kleines Bier oder zwei Schlucke Rotwein, für 2 Euro. Das zieht, gerade in Krisen-Zeiten wie diesen. Gültig ist das Angebot am Dienstag und Mittwoch, jeweils abends ab etwa 20 Uhr.


Bevor es hier vor zweieinhalb Jahren mit den kleinen Köstlichkeiten losging, war das ehemalige Rotlichtquartier mit dem neuen Gerichtsgebäude in der Straße Travessa d‘en Ballester nachts eher ausgestorben. Die zündende Idee hatte Nacho Summers, der Inhaber der Kult-Bar Molta Barra. Der Globetrotter baute sich nach seiner Rückkehr von verschiedenen Auslandsabenteuern auf der Insel eine Existenz als Barkeeper auf. Eigentlich wollte er ein Restaurant eröffnen, hatte aber weder einen Koch noch das nötige Startkapital zur Hand. So wurden es „nur“ kleine Häppchen.


Um die streiten sich aber jetzt dienstags und mittwochs so viele, vor allem junge und studierte Menschen, dass innerhalb kurzer Zeit knapp zwei Dutzend weitere Bars in den verwinkelten Straßen und Gässchen auf den pintxo-Zug aufgesprungen sind. Mit zu den beliebtesten und schönsten Lokalen gehören nach wie vor das „Molta Barra“ (Carrer Pes de la farina, 12) und das „Ca la Seu“ (Carrer Cordería, 17). Hier sollte man aber vor 22 Uhr aufschlagen, sonst besteht die Gefahr, den Abend in einer Menschentraube an der Bar zu verbringen, die Bestellung kann zu einer echten Herausforderung werden. Und noch voller wird es wenn Top-Fußball-Spiele übertragen werden und, wie kürzlich,


Real Madrid oder der FC Barcelona aufeinandertreffen. Den lautstarken Jubel (oder das Entsetzen) der Fußballfans gibt‘s dann als Zugabe auf die Ohren.


Wer es etwas ruhiger mag, kann zwei Ecken weiterziehen zum „Cero‘58“ (Plaça Quartera,7), einer modern und funktional eingerichteten Bar mit großer Auswahl. Lecker hier: das Häppchen mit Tintenfisch, Kartoffeln und Alioli sowie der Erdbeer-Mojito für 3 Euro. Beschaulich geht es auch an der Plaça d‘en Coll zu. Dort gibt es gleich mehrere Bars, die auch Terrassenplätze anbieten. Im neuen „Gaudi“ auf der Plaça Quartera kann man ebenso auf der Terrasse sitzen. Ab 23 Uhr teilen die Kellner freundlich, aber bestimmt mit, dass nun drinnen weitergegessen werden müsse. Der Schlaf der Nachbarn soll schließlich nicht nachhaltig gestört werden.


Zuvor hatten sich die Anwohner massiv über das nächtliche Treiben beschwert. Seit März dieses Jahres darf die Polizei in dem Viertel nun größere Menschenansammlungen auf den Straßen unterbinden und Platzverweise aussprechen. ­Die Beamten ziehen tatsächlich ihre Runden, stehen aber auch mal selbst gemütlich mit den Nachtschwärmern zusammen. Das Ambiente ist entspannt und friedlich. Die einzige Gefahr besteht darin, richtig hungrig die Tour zu starten und sich durch die Bars zu essen. Dann kann es trotz des Angebots ein teurer Abend werden.

 

Hier geht's lang:

 

Sa Gerreria liegt zwischen den Kirchplätzen Santa Eulàlia und Sant Francesc sowie der Einkaufsstraße Sindicat und dem Innenstadtring Avenidas. Autofahrer sollten an den Avenidas  oder unter der Plaça Major parken. 

 

Alternativen:

 

Eine Route macht Schule

Weil das „Ruta Martiana“-Konzept gerade in Krisenzeiten so gut funktioniert, ist es vielfach kopiert worden. Weitere Tapas-Routen gibt es in Palma am Dienstag in den Stadtteilen Es Fortí (vor allem Carrer Indústria), am Mittwoch in Portitxol und Molinar, am Donnerstag in Porto Pi und am Freitag in Coll d‘en Rabassa (aktuelle Infos unter rutadelatapamallorca.com). Auch Manacor sowie weitere Inselorte locken mit Häppchen.

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