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Puerto Portals: Wo das Geld nicht stinkt

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Calvià - Mallorca

Neid und Missgunst sind hier Fremdworte: In Portals wird Reichtum noch offen gezeigt – und begeistert bewundert

ALEXANDRA WILMS. Wer glaubt, dass sich im Yachthafen von Puerto Portals alles um die blitzenden Luxusyachten dreht, irrt gewaltig. Auch die vielen Bars, Clubs und Restaurants sind im täglichen Theater der Schönen und Reichen nur Kulisse. Der Hauptschauplatz des Hafens, immer im Fokus der Aufmerksamkeit, ist ein lächerlicher, gerade mal sechs Meter breiter Streifen grauer Asphalt. Wer hier auftritt, der wird zum Star.


Das Wunderbare an dem kleinen Sträßchen zwischen Hafenmole und Restaurantmeile: Man wird nicht nur gesehen, man kann auch allen sein neuestes Spielzeug zeigen. Genau hier liegt das Geheimnis des Erfolges von Puerto Portals, denn bei einem Restaurantbesuch in Düsseldorf müssen die Porsches, Ferraris oder Maybachs auf einem dunklen Parkplatz warten, und der stolze Besitzer ist nach dem Verlassen seines Transportmittels wieder nur einer unter vielen.


In Portals dagegen wird beim Anblick eines Ferrari Testarossas auch schon mal applaudiert. Und wenn der Besitzer nach zwei Runden um den Hafen aussteigt und sich bescheiden lächelnd in eine Bar begibt, weiß jeder der Gäste, von der Gruppe deutscher Anwälte auf Incentive-Reise bis zur russischen Millionärstochter: Dieser Mann hat Geld!


Das Verblüffendste an Puerto Portals ist, dass es keine Missgunst und keinen Neid gibt. Geld stinkt hier nicht, es wird beinahe entwaffnend offen verehrt. Das Eignerpärchen, das sich auf dem Glattledersofa hinter dem Steuerstand einer italienischen Luxusyacht räkelt, wärmt sich in der wohlwollenden Aufmerksamkeit des vorbei­flanierenden Fußvolkes mindestens ebenso wie in den Strahlen der ersten Frühlingssonne.


Wer wissen will, wie viel so ein Bötchen kostet, kann sich im Schaufenster des Yachtbrokers 20 Meter weiter schlaumachen. Eine 33 Meter lange Navetta ist schon ab 9 Millionen zu haben. Die Rentnergruppe aus Berlin drückt sich die Nase an der Scheibe platt, zählt zweimal die Nullen und ist begeistert.


Doch auch die Reichen sind nur reich, weil sie sparen können: In der benachbarten Modeboutique macht der Dialog zweier Damen reiferen Alters deutlich, dass die Krise auch in ihren Kreisen zu spüren ist: „Guck ma, die Jeans ist doch toll, für 450 Euro.“ „Du, lass ma, bei uns kriegste die 140 Euro billiger.“ Auch das Mittagsmenü im ehemaligen Sternetempel Tristán erscheint nahezu erschwinglich, und selbst das Flanigans, eines der Stammlokale der spanischen Königsfamilie, ist gar nicht so teuer, wie man denken könnte.


Aber wo ist der König heute? Wo sind die ganzen Berühmten, derentwegen jeden Tag hunderte von Schaulustigen hierherkommen? Mit den richtigen Promis ist das so eine Sache. Sie tauchen im Hafen von Portals, der übrigens dem deutschen Unternehmerpaar Graf gehört, zwar immer mal wieder auf – Antonio Banderas, Hugh Grant, Bill Gates und Bernie Ecclestone flanierten hier schon auf den Stegen –, aber immer, wenn man mal einen zu Gesicht bekommen will, ist gerade keiner da. Vielleicht benehmen sie sich aber auch einfach unauffälliger als die Schickeria aus Bochum und Wanne-Eickel.


So lässt man sich schließlich im Café Cappuccino nieder und spitzt die Ohren. Am Tisch links erklärt der junge Mann mit dem lässig über die Schultern geschlungenen grauen Kaschmirpulli seiner Gesprächspartnerin, dass er diesen Film ja damals in Aspen gesehen habe. Vergessen Sie namedropping, wer wirklich dazugehört, macht placedropping. Am Tisch rechts begrüßen sich entzückt zwei Bussi-Bussi-Blondinen. Gesprächsthema hier: Die gerade aus den USA eingetroffene Handtasche passt durch einen wahnsinnigen Zufall genau zur Farbe der brandneuen Kunstnägel ihrer Besitzerin. Das Leben kann so schön sein!

 

Hingefahren:

 

Aus Palma kommend die Autobahnausfahrt 10 Richtung Costa d‘en Blanes/Portals Nous nehmen. Von dort der Beschilderung zum Hafen folgen. Am besten durchfahren und an der Steigung Richtung Ausfahrt parken.

 

Alternativen:

 

Reich und schön auf dem Dorfe
Port d‘Andratx wäre auch gerne so schick wie Portals. Ist es aber nicht. Obwohl der mittlerweile inhaftierte Ex-Bürgermeister alles daransetzte, die Hügel rund um die Naturbucht zuzubetonieren, hat sich der Fischerort trotz der vielen Deutschen, die sich dort niedergelassen haben, seinen Dorfcharakter erhalten. Unter denjenigen, die hier ihre Villen haben, finden sich so prominente Namen wie Sabine Christiansen, Carsten Maschmeyer, Paul Achleitner, Florian Silbereisen, Helene Fischer oder Jürgen von der Lippe.

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