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Fundació Miró: Die Kreativ-Fabrik des Maler-Stars

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Palma de Mallorca - Mallorca

Warum nicht mal Gemälde gucken? In der „Fundació Miró“ ist außerdem das Atelier des Meisters erhalten

INGO THOR. Wer sich für Spanien interessiert, kennt die Kunst von Joan Miró bereits. Denn allein das seit Jahrzehnten unveränderte Logo der Fremdenverkehrsbehörde des Landes, das die in so vielen Werken des katalanischen Maler-Stars auftauchenden typischen Linien und Farben aufweist, ist überall auf der Welt zu sehen. Auch das im Straßenbild so präsente Logo der Sparkasse La Caixa – ein blauer Seestern mit einem gelben und roten Punkt – ist nichts anderes als ein Motiv aus einem Miró-Gemälde.


Selbst an und in zahlreichen Gebäuden im Ausland – am Unesco-Haus in Paris etwa oder an einem Museum in Ludwigshafen – wurden bunte Mosaike und Keramiken des 1983 auf Mallorca verschiedenen Miró angebracht. Ein Miró-Teppich hing sogar in den Zwillingstürmen in New York, das Werk wurde bei den Anschlägen am 11. September 2001 zerstört.


Und so muss es geradezu als Pflichtaufgabe für Inselgäste bezeichnet werden, die „Stiftung Pilar i Joan Miró a Mallorca“ in Palmas Vorort Cala Major zu besuchen. Sich anzuschauen, was dieser arbeitsame Mann – etwa 2.000 Ölgemälde, 500 Skulpturen  und 400 Keramiken produzierte er in seinem Leben – geschaffen hat. Und vor allem wie, denn in diesem Museum ist Mirós Atelier noch unverändert erhalten.


Wer den Weg zu der Einrichtung findet, die unweit der markant hässlichen Pullman-Hochhäuser liegt (Carrer Saridakis, 29), sieht sich in einem grauen und schmucklosen, aber gerade deswegen beeindruckenden bunkerartigen Bau zunächst einmal mit Werken des Künstlers konfrontiert, meist recht farbenfrohe Gemälde mit Sternen, angedeuteten Figuren, Augen und Köpfen, die manch einen durchaus ein wenig ermüden mögen, aber dennoch – weil irgendwie geheimnisvoll – faszinieren. Auch ebenso geheimnisvolle Skulpturen wurden hier und dort platziert.


Die Werke allein sind nicht alles, was man sich auf dem Areal zu Gemüte führen kann. Wenige Schritte vom Ausstellungs-Bunker entfernt steht das funktionelle und luftig-helle Atelier, das der aus privaten Gründen eng mit Mallorca verbundene Künstler – seine Mutter und seine Ehefrau kamen von der Insel – intensiv genutzt hatte. Seinerzeit hatte Miró nach einem großen Raum verlangt, um parallel an verschiedenen Gemälden arbeiten zu können, und ein befreundeter Architekt – der bekannte Josep Lluís Sert – baute ihm das passgenau und sehr modern. Damals, 1956, als Miró sich definitiv auf der Insel niederließ.


Wer noch einige Schritte weitergeht, nähert sich „Son Boter“, dem zweiten Atelier des Künstlers, dessen Wände er mit Hingabe bemalt hatte. Der Bauboom auf Mallorca im Zuge der teils rücksichtslosen touristischen Erschließung hatte Miró nachhaltig verstört: „Die Idee, dass eines Tages ein Vorschlaghammer die Wände von ‚Son Boter‘ niederreißen und die Bilder dort für immer verloren gehen könnten, verfolgt mich Tag und Nacht“, klagte er einmal. Das war auch der Grund, warum Miró seine Stiftung ins Leben rief: zum Schutz jenes Gebäude-Ensembles.


Wie sehr waren ihm Profitgier und Kommerzialisierung zuwider, auch im Kunstbetrieb! Am Ende seiner Tage begann er sogar damit, einige seiner Werke medienwirksam zu zerstören. Genutzt hat es nichts, seine Gemälde werden für Millionen versteigert. Der große Salvador Dalí sagte einmal über ihn, er sei „zu grandios für die dumme Welt unserer Künstler und Intellektuellen“.


Miró ist auch fast 30 Jahre nach seinem Tod eine Art Weltmarke, an der alle verdienen wollen. Auch das Museum, das seinen Namen und den seiner Ehefrau trägt. Und so wird dort für den kleinen Geldbeutel auch Nippes satt feilgeboten – von Miró-Bechern bis zu Miró-Puzzles.


Es ist nicht anzunehmen, dass Miró darüber gejubelt hätte.
 
Öffnungszeiten: Di bis Sa 10 bis 18 Uhr; sonn- und feiertags: 10 bis 15 Uhr; Mo geschlossen. Eintritt: 6 Euro, samstags gratis.

 

Anfahrt:

 

Man fahre von Palma aus Richtung Westen zum Marivent-Palast. Dort biege man nach rechts ab, auf die Saridakis-Straße. Wer mit dem Bus der Linie 3 kommt, steige am Palast aus.

 

Alternativen:

 

Ein-Maler-Museen auf der Insel
Im Bilderbuchdorf Valldemossa befindet sich ein mehrstöckiges Haus, das dem ka- talanischen Maler Josep Coll i Bartolet (1912-2007) gewidmet ist (C/. Blanquerna, 4). Im nordostmallorquinischen Dorf Pollença steht das „Museu Dionìs Bennassàr“ (C/. Roca), das Werke des volkstümlichen Malers (1904-1967) zeigt und in welchem derselbe einst auch wohnte. Des Weiteren ist in Palma das Museum zum Wirken des Künstlers Joaquín Torrents Lladó (1946-1993) zu finden (C/. Portella, 9).

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