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Wer jubelt hier eigentlich für wen?

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Palma de Mallorca - Mallorca (deutschsprachig)

Auf Mallorca kann man auch Weltklasse-Kicker sehen, etwa wenn Ronaldo & Co gegen den Inselclub antreten

THOMAS FITZNER. Es fehlt eine Stunde zum Spiel, man steht im Stau und hätte es ahnen sollen: Manchmal sind nicht nur die üblichen Unverzagten unterwegs, um das Iberostar Estadio (früher Son Moix) schütter anzufüllen. Nein, wenn der FC Barcelona oder Real Madrid antritt, macht sich die halbe Insel auf den Weg, verstopft die Ringautobahn Via Cintura und verparkt die rund um das Stadion liegenden Gewerbegebiete derart kreativ, dass es für die Parksünder in ganz Spanien nicht genügend Abschleppwagen gäbe.


Sobald die bange Frage geklärt ist, ob man es denn überhaupt noch rechtzeitig in das 23.000 Personen fassende Stadion schafft, ergibt sich schon der nächste Zweifel: Was kann ein kleiner Club von einer kleinen Insel gegen Turbo-Teams ausrichten, die zu den weltweit besten gehören?


An diesem Samstagnachmittag stehen einander auf dem Rasen zwei Mannschaften gegenüber, eine, deren A-Elf in Ablösesummen gerechnet auf dem Markt mit knapp 35 Millionen Euro bewertet wird, und eine andere, die rund 400 Millionen wert ist. Was soll man anderes erwarten als ein furchtbares, schreckliches Gemetzel? Und wer soll da jubeln? Die paar Dutzend eingeflogenen Madrid-Fans?


Das Stadion füllt sich beinahe, knapp 20.000 Menschen freuen sich offensichtlich auf das ungleiche Duell. Nicht ganz ohne Hoffnung, denn die Inselmannschaft hat nach einem vergeigten Saisonauftakt den Turbo eingeschaltet und erst vor wenigen Tagen einen Rivalen im Abstiegskampf gnadenlos planiert und blamiert (6:1 gegen Real Sociedad), was alle überrascht hat, vermutlich auch sie selbst. Jedenfalls sind sie hoffnungsfroh, und mit ihnen die Hardcore-Fans in der Nordwestkurve. Zum Auftakt decken sie ihre ganze Tribüne mit einer Mega-Fahne ab, die das Symbol des Inselvereins zeigt: einen Teufel.


Und so spielen sie dann auch, die underdogs, deren „Billigster“ auf dem Markt für eine Million zu haben wäre, gegen Leute wie Ronaldo, für die ein Verein 90 Millionen hinblättern müsste.


Als ausgerechnet die Billigen das erste Tor schießen, explodiert das Stadion. Doch die Überraschung wartet beim Gegentreffer der Madrilenen: Wieder scheint es, als juble das gesamt Stadion. Was ist hier los? Wer jubelt hier eigentlich für wen?


Bitter für Real Mallorca: Madrid hat hier fast so viele Fans wie der Inselclub (Rafa Nadal ist der wohl bekannteste). Und alle sitzen gemischt. Mal jubelt der eine, mal der andere, viele fuchteln wild oder schreien böse, aber höchstens gegen den Schiedsrichter. Am Ende gewinnen die Teuren. Aber irgendwie war es ein toller Abend für alle. Und auch die falsch geparkten Autos stehen immer noch dort, wo wir sie gelassen haben.

 

Anfahrt:

 

Das Iberostar Estadio liegt an der Ringautobahn Via Cintura. Mögliche Abfahrten: La Vileta und Establiments, jeweils stadtauswärts. Bei gewöhnlichen Spielen bietet der Stadion-Parkplatz bis zuletzt genügend Parkfläche. Bei Spitzenspielen mindestens 90 Minuten vorher anfahren.

 

Der Inselkick:

 

Seit 15 Jahren in den ersten Liga
Die spanische Spitzenliga (Primera División) wird unter 20 Vereinen ausgetragen. Die Spielzeit beginnt Ende August/Anfang September und endet im Juni, mit Weih- nachtspause. Real Mallorca spielt seit 1997 ununterbrochen in der ersten Liga, ge- legentlich im Spitzenfeld (1998 Supercopa, Finalsieg gegen Barcelona). 19 Spiele finden im Iberostar Estadio in Palma statt. Information: www.rcdmallorca.es (aktu- elle Info auch auf Deutsch). Zur Orientierung empfehlen wir den Sportteil der Mallor- ca Zeitung, die auch einen deutschsprachigen Fanclub gegründet hat.

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