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Sternwarte Costitx: ET hinterm Tisch, der Jupiter so fahl

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Costitx - Mallorca

Sie wollen sich auf der Insel kosmische Gefühle gönnen? Die Sternwarte Costitx ist Mallorcas Fenster zum Weltraum

INGO THOR. Das Planeten-Erlebnis könnte überwältigender sein. Irgendwie sieht der Jupiter, auf den die unter putzigen blütenweißen Iglus befindlichen Teleskope der Sternwarte Costitx heute gerichtet sind, ganz anders als gemeinhin bekannt aus. Lediglich blass und hutzelig, der rote Fleck ist nur zu erahnen, so zeigt sich der Himmelskörper vor dem Auge des unwissenden Betrachters, der neben dem hochkomplizierten Gerät erst einmal mit warmen Worten darauf hingewiesen werden muss, wo genau er durchzuschauen hat. Aber was soll‘s, wenigstens ist der Jupiter hier echt und nicht eine schnöde Zeichnung wie in einem x-beliebigen Schulbuch.    


Zu einer Enttäuschung macht der nur als fahles Objekt zu erahnende Planet den Besuch der Sternwarte südwestlich des zentralmallorquinischen Dorfs Costitx keineswegs. Es lohnt sich durchaus, die sehr schmale, zwischen Begrenzungsmauern gepresste Straße den Hügel hochzufahren, in der Hoffnung, dass niemand entgegenkommt.


Denn hier sieht es zunächst einmal schön futuristisch aus: Da ist diese Iglu-Landschaft, die wie eine Erdbewohner-Kolonie irgendwo auf einem anderen Planeten anmutet. Fast unmerklich nimmt hier die Frage von einem Besitz, ob die Aliens nicht doch ganz ganz nah sein könnten. Einen Steinwurf weiter steht seit etwa drei Jahren massig und deswegen beeindruckend die in Originalgröße nachgebaute Mondlandefähre der Apollo-11-Mission. „Wir haben sie in mühevoller Arbeit selbst errichtet“, sagt Teresa Sánchez von der Sternwarte, die die Orbit-Interessierten hier jeweils freitags und samstags ab 19 Uhr auf Mallorquinisch oder Spanisch mehr als zwei Stunden lang mit mädchenhaft hoher Stimme in die Geheimnisse des Kosmos einweiht.


„Wir“ – damit meint sie die Wissenschaftler, die im für Besucher nicht zugänglichen Spezialtrakt tätig sind und die in den vergangenen Jahren bereits fünf neue Kometen entdeckt haben, den letzten namens „C/2012 B3“ erst am vergangenen 29. Januar vom Observatorium La Sagra bei Granada aus, das zur Sternwarte Costitx gehört und von dieser aus gesteuert werden kann.


Für Augen und Ohren wird hier noch einiges mehr geboten: Da sei zunächst einmal eine Meteoritensammlung im Eingangsbereich des Hauptgebäudes unweit einer lebensgroßen ET-Puppe genannt, die zum Gaudium der Besucherschaft hinter einer Art Schreibtisch platziert wurde. Hier kann beäugt und zum Teil angefasst werden, was in den vergangenen Jahren irgendwo vom Himmel auf die Erde stürzte. Größere und kleine Steine, die ein Sammler den Verantwortlichen der Sternwarte gutherzigerweise vor einigen Jahren zur Verfügung gestellt hatte und aus allen möglichen Weltgegenden stammen – Argentinien, Algerien, Marokko und so weiter.


Zudem sind da noch die vielen lehrreichen Erklärungen über die Sternbilder, die die rührigen Mitarbeiter des Observatoriums den Interessierten mitgeben. „Da ist der große Wagen, weiter hinten das Sternbild Taurus“, rattert Besucherführerin Teresa die Weltall-Info herunter und lässt den Laserpointer wandern. Und dann sind da noch der Polarstern, die Venus und und und.


Als Abrundung des ultimativen Kosmos-Events auf Mallorca muss noch das Planetarium genannt werden, ein Kuppelbau, in welchem man sich auf bequemen Sesseln, die fatal an Zahnarztstühle erinnern, fast liegend 45 Minuten lang in einer Art Light-and-Sound-Show alles Wissenswerte über die Entstehung der Erde zu Gemüte führen kann. Ein paar apokalyptische Sequenzen mit im Blitztempo durch das Firmament bretterndem Himmelsgestein sorgen für ein Kribbeln unter der Bauchdecke. „Gehen Sie bitte nach dem Film nicht zu nah am Vorführgerät vorbei, Sie könnten sich verbrennen“, hat Teresa Sánchez den Besuchern vor Beginn des Streifens noch in die Ohren gehaucht, bevor sie auf leisen Sohlen im Off verschwand.


Und sieht der Projektionsapparat in der Mitte des Kuppelbaus nicht auch wie ein kleines Raumschiff aus?

 

Anfahrt:

 

Autobahn Palma-Alcúdia bis Inca. An der zweiten Ausfahrt rechts Richtung Sineu. An einer Abzweigung rechts nach Costitx abbiegen, durch das Dorf, danach zweimal links abbiegen (ausgeschildert).

 

Alternativen:

 

Sternegucken ohne Sternwarte
Was gibt es doch für poetische Bezeichnungen für Naturphänomene! „Tränen des Laurentius“ heißt etwa eines, das alljährlich Mitte August mit freiem Auge beobachtet werden kann. Etwa 100 Sternschnuppen sausen in der Nacht vom 11. auf den 12. August stündlich durchs Firmament. Das Ganze dauert bis etwa zum 24. August, mit abnehmender Intensität. Die Erde rast an diesen Tagen mit Schmackes durch den Meteorstrom der sogenannten Perseiden. Zum Sternegucken ohne Sternwarte ist neben den Bergen das Inselinnere zu empfehlen, weil die Lichtverschmutzung dort am geringsten ist.

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