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Lluc: Ab zum Kloster-Kneippen

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Inca - Mallorca

Wellness auf Katholisch: Übernachten in ehemaligen Ställen, Wandern in der Tramuntana, Sternegucken

SILKE DROLL. Seit wann gibt es im Santuari von Lluc auch Wellness? Eigentlich schon immer. Um genau zu sein, seit über 400 Jahren. So lange finden Pilger im Herzen des Tramuntana-Gebirges in den Klostermauern Unterschlupf.

 

Als im 16. Jahrhundert die „Els Porxets“ genannte Herberge entstand, hießen die Zimmer noch Schlafstätte. Schlafstätte 1 war der Pferdestall, Schlafstätte 2 der Heuschober. Und so weiter. Damals hatten die Menschen natürlich viel weniger Zeit für die Pflege von Körper und Geist. Auch geschah das unbewusst, weil es zum naturverbundenen Leben gehörte: Die Menschen waren viel an der frischen Luft, lebten nach den Jahreszeiten und abends kamen Lebensmittel auf den Tisch, die diesen Namen noch verdienten.

 

Heute haben wir einen Namen für dieses rundum gesunde Aktiv-Paket: Wellness oder ganzheitlicher Lebensstil. Und solch ein Wohlfühlprogramm für zwei Personen wird im Lluc der Jetztzeit bereits ab 34 Euro angeboten (Einzelzimmer 26,50 Euro).

 

Darin ist historisches Flair inbegriffen: Schon kurz nach der Eroberung Mallorcas durch König Jaume I. Anfang des 13. Jahrhunderts errichteten Templer für die Heilige Jungfrau einen Altar in den Bergen von Lluc. Die bescheidene Kapelle wurde rasch zur Pilgerstätte, im 17. Jahrhundert entstand die barocke Basilika und seither kamen eine moderne Pilgerherberge, das Gasthaus Sa Fonda, ein Museum und auch ein Zeltplatz dazu.

 

Anreisen sollte man unbedingt unter der Woche, am Wochenende rollen zu viele Reisebusse an. Da das Kloster-Restaurant Sa Fonda – eindeutig das gemütlichste unter den dreien vor Ort – Montagabend und Dienstag geschlossen hat, entscheiden wir uns, von Mittwoch bis Freitag ein Zimmer zu reservieren. Es gibt 120 Zimmer und Apartments im Santuario. Die Einzel- und Doppelzimmer befinden sich im Haupttrakt des Klostergebäudes, die Familien-Wohnungen mit Küche in den ehemaligen Ställen an der Längsseite des Innenhofs unter einer Art Kreuzgang. Wer nicht gerade eine der sechs Suiten im Hauptgebäude bucht, darf nicht mit allzu viel Schöner-Wohnen-Atmosphäre rechnen. „Wir sind kein Hotel, sondern eine Herberge“, sagt Herbergsleiter Sebastià Sureda. Das antike Ehebett in der hübsch eingerichteten Suite ist zwar 100 Jahre alt und ein Meisterwerk der Schreinerkunst – bequem ist es deswegen noch lange nicht, weiß der Mallorquiner. Und: „Jeder Gast bezieht bei uns sein Bett selbst.“

 

Überhaupt hat Wellness in Lluc nichts mit Rund-um-die-Uhr-Streicheleinheiten zu tun, wie man das aus Hotel-Spas mit Dauer-Entspannungsprogramm und Vanilleduft zu Meditationsmusik kennt. Hier sind simple Freuden angesagt. Mit etwas Glück kann man durch sein Herbergsfenster den Sonnenaufgang sehen. Zum Frühstück trifft man sich auf der Terrasse vom Café Sa Plaça mit Kaffee, frischen Croissants sowie  Brot, Käse und Schinken. Und begrüßt die schwarze Klosterkatze, die immer in der Nähe des Haupteingangs herumschleicht. In der Bäckerei im Hof (geöffnet 8 - 14 Uhr) kann man sich anschließend mit Wanderproviant eindecken. Wer am ersten Tag entspannt spazieren möchte, bewegt sich rund ums Kloster: Es lohnt sich zum Beispiel, an einer antiken Sonnenuhr vorbei über Treppen zum großen Kreuz hochzusteigen. Oder auf ebenen Wegen zuerst den Botanischen Garten zu besuchen (sonntags geschlossen) und an einem kleinen Bach entlang die  nähere Umgebung zu erkunden.

 

Wer höher hinaus will, kann sich eine mehrstündige Bergwandertour vornehmen. Etwa auf dem Weg der Schneesammler zum Bergrücken s’Mola (beschrieben in der MZ-Wanderung vom 30.04.2009) oder auf den Puig Tomir (MZ-Wanderkarte Nr. 11). Wenn man müde und hungrig zum Kloster zurückkommt, muss man sich bis zum Abendessen noch gedulden. Bis die Küche im Restaurant Sa Fonda um 19 Uhr öffnet, besucht man das Klostermuseum (geöffnet werktags 10 bis 17 Uhr, samstags 10 bis 14 Uhr) und die Basilika und lauscht den berühmten Chorknaben, die zweimal täglich singen, um 11.15 Uhr und 16.40 Uhr. Oder man nimmt ein heißes Bad, ruht sich im Zimmer aus (Zentralheizung!) oder trinkt einen Wein im Restaurant und studiert schon mal die Karte. Die verspricht heiße Suppen mit Nudeln und Gemüse, deftige Fleischgerichte, Paella und was die hiesige Küche sonst noch zu bieten hat.

 

Auf dem Weg zum Zimmer sollte man einen Abstecher zum Klosterhof machen. Die schwarze Katze ist zwar nirgendwo zu sehen, doch hoch über dem Kopf funkeln zahllose Sterne an einem sehr schwarzen Himmel.

 

Anfahrt: Von Palma Ma-13 bis Inca, dort Ma-2130 und Ma-10 zum Kloster Lluc (Beschilderung). Oder man nimmt den öffentlichen Bus L 330 oder L 332 von Inca nach Lluc. Zimmer-Reservierung unter Tel.: 971-87 15 25.

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