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Ses Fonts Ufanes: Das Sprudel-Wunder

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Campanet - Mallorca

Plötzlich steht der Wald unter Wasser. Doch das Staunen in Ses Fonts Ufanes währt nur kurze Zeit

THOMAS FITZNER. Man muss sich höllisch beeilen. Wenn in der Tramuntana starker, richtig starker Regen fällt, dann dauert es nur etwa acht Stunden, bis in einem Waldstück bei Campanet ein auf Mallorca einzigartiges Naturschauspiel zu beobachten ist: Das Wasser quillt an zahllosen Stellen gleichzeitig aus dem Boden und verwandelt den Eichenwald in eine Art Natur-Venedig.

 

Und wenn es nicht unablässig weiterschüttet, ist der schöne Spuk nach zwei, drei Tagen wieder vorbei. Deshalb geht die Nachricht „Han brotado las Fonts Ufanes!“ als Eilmeldung durch die mallorquinische Medienlandschaft. Passieren tut das nämlich nur selten, in trockenen Jahren vielleicht dreimal, in besonders regenreichen sprudelt es im Wunderwald doppelt so oft.

 

Die „Unzuverlässigkeit“ dieser Quelle war aus Sicht der Naturschützer deren Rettung. Weil die Bewohner in diesem idyllischen Winkel der Insel nicht auf die Fonts Ufanes zählen konnten, ließen sie die Quelle in Ruhe. Seit 2001 ist die 50 Hektar große Finca ein Naturschutzgebiet mit sämtlichen Schutzsiegeln, die die Inselbehörden in ihren Schubladen fanden.

 

Auch ein kleines Besucherzentrum im Knusperhäuschen-Stil stellte die Regierung in den Wald, hübsche Wege mäandern durch das Gelände, und der Fußweg von der Einsiedelei Sant Miquel zum Sprudel-Wäldchen wird von einem imposanten Landgut gesäumt.

 

Bevor die Regierung den Naturpark organisierte und die Besucherscharen noch ungeregelt in die Fonts Ufanes einfielen, latschten dem Besitzer mehrmals täglich Touristen bis ins Wohnzimmer, weil sie glaubten, die possessió gehöre als ethnologisches Schaustück zum Erlebnispaket Fonts Ufanes. Dafür entdeckt man mitten im Quellgebiet einen großen Steinhaufen, der einmal ein Gebäude gewesen sein soll – vor mehr als 2.000 Jahren, als man noch mit groben Felsbrocken baute.

 

Schuld am Phänomen der Multi-Quelle ist eine Laune der Geologie: Eine riesige Wasserader, die von Regenfällen in den nahen Bergen genährt wird, steigt in dem Waldstück bei Campanet an die Oberfläche und ist so fusselig strukturiert, dass das Wasser großflächig zwischen den Steinen hervorsprudelt. Dazu kommt, dass die Bodenschichten über dieser Ader eine sehr geringe Speicherfähigkeit aufweisen und die Wassermengen ohne große Verzögerung weitergeben. Daher der plötzliche Beginn und der abrupte Stopp.

 

Geologen haben ermittelt, dass sich die Quellen aus dem Regenwasser eines Brockens Erdkruste nähren, der um die 45 Quadratkilometer Fläche umfasst und 200 bis 600 Meter tief ist. Das erklärt die Wassermassen, die schlagartig den Wald überschwemmen: Im „Normalbetrieb“ sind es um die 40 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, doch man hat schon Spitzenwerte von 100 Kubikmeter pro Sekunde gemessen.

 

Ein freundlicher Mitarbeiter des Naturparks erzählt, wie es 2008 mal einen ganzen Monat lang gesprudelt hat, und weist den Weg zu einem versteckten Quellgelände. Dort sprudelt es nicht, sondern es blubbert: Zwischen den Bäumen haben sich Teiche gebildet, die von unten Nahrung erhalten.

 

Nicht immer hat der Waldspaziergang den erhofften Zen-Charakter: Fällt das Phänomen auf ein Wochenende, überrennen bis zu 1.000 Besucher dieses kleine Paradies und schon die Parkplatzsuche wird zum Albtraum.

 

Aber auch an einem Wochentag kann es passieren, dass sich in die friedliche Kontemplation des Naturschauspiels unvermutet ein rosarotes Mikrofon des Regionalsenders IB3 ins Blickfeld schiebt und eine Reporterin, die sich samt Kameramann leise von hinten angeschlichen hat, quiekt: „Hallo, wie findest du die Fonts Ufanes?“ Na, schön halt.


 

Anfahrt:

 

Autobahn Palma-Inca-Sa Pobla, die erste Abfahrt „Sa Pobla“ nehmen und der Beschilderung „Ufanes“ oder „Fonts Ufanes“ folgen. Bei der weißen Landkirche parken. Zugänglich: 10 - 17 Uhr.

 

Alternativen:

 

Feuchte Vergnügen
Wer sich auch bei Trockenheit nach einem frischen, plätschernden Ambiente sehnt, ist mit dem Gutshof-Museum La Granja in Esporles hervorragend bedient. Gelegen in einem ebenso winzigen wie malerischen Tal mit Mikroklima lockt dort nicht nur ei- ne faszinierende multithematische Ausstellung, sondern auch ein schattiges Gelände mit einer Quelle und Wasseranlagen, die selbst im August fröhlich gluckern und rau- schen. Geöffnet an allen Tagen des Jahres. Schon die Araber haben das Landgut Alfàbia (an der Straße Palma-Sóller) mit einem zauberhaften Garten ver- sehen. Dort wurde sogar ein Laubengang mit Wasserspielen ausgestattet, die an das Salzburger Hellbrunn erinnern. Sehenswert ist auch das Hauptgebäude. Geschlossen im Dezember und sonntags.

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