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Naturpark Albufera: Das Plätschern, das Quaken, das Rascheln

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Alcúdia - Mallorca

Wer Vögel und anderes Klein-Getier oder auch nur die Stille mag, ist im Naturpark S‘Albufera richtig.

INGO THOR. Es ist die Stille, die hier besonders ins Ohr fällt. Inmitten von zahllosen schmalen und breiteren Kanälen mit trübem und fischreichem Wasser und drei bis vier Meter hohen Schilfstauden. Sie kann eine kleine Ewigkeit andauern, unterbrochen nur ab und zu mal von einem Quaken, einem Plätschern, einem Rascheln und einem Flattern.

 

Dabei ist die laute, stinkende und schnelllebige Sphäre des real existierenden Diesseits gar nicht so weit entfernt vom Naturpark S‘Albufera im Norden von Mallorca gelegen. Hinten in Port d‘Alcúdia und an der Playa de Muro – man kann sie genau erkennen – stehen Hotelburgen, in denen in der Hochsaison die Post abgeht. Und außerdem in Sichtweite, am Fuß der Serra de Tramuntana, erhebt sich wie ein auf die Erde gebeamtes klingonisches Raumschiff das unendlich hässliche Kohlekraftwerk Es Murterar, von dem sich – wenn der Wind aus dem Norden weht – manchmal leise stampfende Geräusche in das die Sinne betörende Rascheln des Schilfs mischen.

 

Aber wenn man hier im Naturpark an einem der reichlich vorhandenen Teiche sitzt, sind Urlauber-Eldorado und Kraftwerk ganz weit weg. Man muss schon dafür geboren sein, um in diesem topfebenen und lieblichen Areal, ohne psychischen Schaden zu nehmen, in der Lage zu sein, stundenlang auf das etwaige Erscheinen irgendeiner speziellen Vogel-Spezies zu warten, die möglicherweise niemals auftaucht. Wer sich zu dieser ganz bestimmten Art Mensch zählt, kann im Naturpark durchaus Momente der Glückseligkeit erleben. Zum Beispiel dann, wenn eine mit einem blauen Schnabel versehene Ente, die auf Lateinisch Oxyura leucocephala heißt, auftaucht. Oder wenn ein Porphyrio porphyrio abhebt oder landet, ein nett anzusehender Wasservogel mit einem blutroten Schnabel.

 

Für Vogelnarren mit der notwendigen Engelsgeduld wurden in dem Areal zahlreiche Beobachtungsplätze hergerichtet – Türme, kleine Holzpodeste oder Hügel. Dort sitzen sie dann, schauen durch spezielle Fernrohre oder/und warten, bis die Zeit vergeht, vorzugsweise in der trockenen Jahreszeit, wenn sich nicht bei warmen bis heißen Temperaturen fette Mücken en masse auf jedem niederlassen, der sich hier ohne Insektenschutz bewegt.

 

Es ist aktenkundig, dass im Naturpark Albufera 303 Vogelarten beobachtet wurden, von denen 64 regelmäßig brüten. Auch vom Aussterben bedrohte Arten konnten hier wieder angesiedelt werden. 10.000 Exemplare überwintern hier jedes Jahr, sie kommen aus dem erstarrten Norden Europas.

 

Auch jenseits der Vogelwelt wird hier einiges für die Augen geboten: 22 Säugetierarten zum Beispiel, darunter Fledermäuse, Mäuse, Hasen und Ratten. Und Insekten: Libellen, Käfer, auch 450 Arten von Nacht-Schmetterlingen. Hinzu kommen ungiftige Schlangen und Schildkröten. Pilz-Fans werden im Albufera-Park ebenfalls nicht enttäuscht: 205 Arten sind hier zu finden, 1992 wurde hier sogar eine neue entdeckt: die Psathyrella halophila.

 

Der Naturpark S‘Albufera ist nicht nur ein idealer Ort für Tierbeobachter, sondern auch für Wanderer: Eine ganze Reihe von Wegen ist ausgeschildert, darunter einer, der Camí des Polls heißt und ein anderer, der als Camí des Puntes bekannt ist. Auf dass man sich nicht verlaufe, bekommt man im lauschigen und mit bequemen Sitzbänken versehenen Besucherzentrum Sa Roca eine Landkarte in die Hand gedrückt.

 

Man kann auf diesem 1.646 Hektar großen Areal, das 1988 zum Naturpark erklärt wurde, gut und gern einen ganzen Tag mit Herumspazieren verbringen und sich fühlen, als wäre man am Ende der Welt. Die Stille, die hör- und spürbar ist, packt einen, und es kommt das Gefühl auf, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein – auch wenn gerade mal kein Riesenreiher elegant vor einem im Teich landet. 

 

Anfahrt:

 

Autobahn Palma-Alcúdia bis zu ihrem Ende bei Sa Pobla fahren. Dann auf der Landstraße C-713 Port d‘Alcúdia passieren. In die C-712 Richtung Artà einbiegen, der Park-Eingang liegt an einem Kanal.

 

Albufera-Park:

 

Fakten, Fakten, Fakten
Öffnungszeiten: Vom 1.10. bis zum 31.3. von 9 bis 17 Uhr. Vom 1.4. bis zum 30.9. von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist kostenfrei, im Besucherzentrum muss man sich allerdings registrieren. Untersagt sind Mountainbikes, Haustiere wie bei- spielsweise Hunde und das Pflücken von Pflanzen. Wer den Park besucht, sollte sich möglichst ruhig verhalten, um die Tiere nicht zu stören, und nicht auf den Hochständen es- sen. Dafür gibt es Tische im Besucherzentrum.

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