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Palma-Aquarium: Seeigel rasieren sich nie

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Palma de Mallorca - Mallorca

Hier hat noch jeder gestaunt: ein Besuch im Palma Aquarium

SIMONE WERNER. Der Hai steuert auf die Hand der Taucherin zu. Im letzten Moment schwimmt er nach links weg, ohne das hingehaltene Stück Krake mit seinen messerscharfen Zähnen an sich zu reißen. Es ist 13 Uhr und Raubtierfütterung im Haifischbecken im Palma Aquarium. „Haie schauen sich ihre Beute genau an und riechen lange an ihr, bevor sie zuschnappen“, erklärt Ocean-Guide Yuri Golovchenko den Besuchern.

 

Yuri ist einer von 80 Angestellten des 2007 eröffneten Aquariums. Daneben arbeiten hier sieben Biologen, zwei Gärtner und zwölf Taucher in der täglich geöffneten Anlage. Von dem geschäftigen Treiben hinter den Kulissen bekommen die rund 400.000 Menschen, die sich pro Jahr auf den 900 Meter langen Rundgang begeben, kaum etwas mit.

 

In der Nebensaison kommen viele Schulklassen. Eine große Attraktion für die kleinen Besucher befindet sich gleich am Anfang des Rundgangs: das „Toca-Toca-Becken“ (Anfassbecken). Es wird von den Guides besonders gut überwacht. Neben Seegurken und Rochen finden sich dort auch Seeigel. „Seeigel rasieren sich nie“, warnt Yuri die Kinder. „Schaut mal, auch Sponge-Bobs bester Freund Patrick Star ist da“, sagt er und deutet auf einen rosafarbenen Seestern.

 

Ab und an laufen an den Besuchern Taucher vorbei. Darunter auch die 25-jährige Meeresbiologie­studentin Carolina Vidal. Fünf Tage pro Woche ist sie für die Fütterung  der Tiere und Reinigung der 55 ­Becken zuständig. Bis auf Piranhas und kleine Fische füttert sie alle per Hand. Gerade hat Carolina die Steine und die Scheiben eines Korallen-­Beckens gesäubert. Dabei musste sie sich ziemlich verbiegen, um die empfindlichen Nesseltiere nicht zu verletzen. Auf seine lebenden Korallen-Bestände ist das Aquarium besonders stolz. „Wir haben dafür die weltweit besten Spezialisten“, prahlt Yuri. In einer für die Besucher nicht zugänglichen Station ziehen sie Korallen auf, die einmal im Mittelmeer ausgesetzt werden sollen.

 

Nach dem in „Mittelmeer“ und „­tropische Meere“ unterteilten Aquarien-Bereich geht es in einen mediterranen Garten mit weiteren Becken. Es ist 14 Uhr. Schildkröte Valentina, die aus dem israelischen Hauptaquarium der Firma (Coral World) geliefert wurde, wird gerade gefüttert.

 

Nach Passieren des Kinderspielplatzes und Restaurants heißt es im Dachterrassengarten welcome to the jungle. Durch einen kleinen Regenwald – das feuchte Klima ist deutlich zu spüren – arbeitet man sich an rauschenden Wasserfällen, Piranha-Becken und einbetonierten Jaguar-Tapsen zu einer Ausstellung vor, in der es um die Rettung des bedrohten Roten Thun geht.

 

Wenige Meter später kann der Besucher dann schließlich das Haifischbecken „Big Blue“ bestaunen, das alleine 3,5 Millionen von insgesamt 5,5 Millionen Liter Wasser fasst, und in dem schon Filmszenen gedreht und Ehen geschlossen wurden. Hier versucht Yuri, das Bild von den Haien als Menschenfressern zu berichtigen. Er erklärt dann, dass es allenfalls mal vorkommen kann, dass die Raubfische an der Wasseroberfläche so von den Sonnenstrahlen geblendet werden, dass sie die Umrisse eines Tauchers oder Surfers für die einer Meeresschildkröte halten. „In Wahrheit ist das Menschenfleisch für Haie aber nicht schmackhaft“, sagt Yuri, „weil es zu wenig Fett enthält.“

 

Mutige, die einen Tauchschein haben, können mit den hier recht friedlichen, weil stets gut versorgten Raub­fischen tauchen. Und Kinder können einmal im Monat im Rahmen der Aktion „Gute Nacht, Hai“ sogar vor den Becken übernachten.

 

Anfahrt:

 

Das Palma Aquarium liegt in der Carrer Manuela de los Herreros i Sorà, 21 (Autobahn Palma-Llucmajor, Ausfahrt 10; Buslinien 15, 23 und 25). Winter-Öffnungszeiten: November bis März: 10.00 - 16.30 Uhr, letzter Einlass: 15.00 Uhr. Eintritt: Nicht-Residenten: Erwachsene: 20,50 Euro, Kinder (4-12 Jahre): 16 Euro; Residenten: Erwachsene: 16,50 Euro, Kinder 13,50 Euro. Kinder bis 3 Jahre sind jeweils frei.

 

Alternativen:

 

Für Tierliebhaber
Delfine, Seehunde und Papagei- en können im Marineland bei Portals Nous bestaunt werden. An der Küstenstraße zwischen Porto Cristo und Cala Millor gibt es einen Safari-Zoo mit Nashörnern, Zebras, Pavianen und Giraffen. Ebenfalls emp- fehlenswert: der Natura-Parc bei Santa Eugènia mit seinen Lemuren-Gehegen.

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