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Restaurant El Cruce: Wo der Mallorquiner seine Schnecke schlürft

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Vilafranca de Bonany - Mallorca

Deftig, deftig: Im „El Cruce“ kommt die Hausmannskost der Insel besonders schnell, reichhaltig und preiswert auf den Teller

JOHANNES KRAYER. Keramikschüsseln randvoll mit Schnecken, ganze Töpfe arròs brut und Schnitzel, die über den Teller hinausragen. Dass hier viel und zünftig gegessen wird, ist schon beim Betreten des Restaurants „El Cruce“ offensichtlich. Mallorquinischer könnte es kaum sein. Es gibt nur Gerichte von der Insel, Großmutters Rezepte sozusagen. Das zieht: Auch an einem normalen Donnerstag, auch in der Krise sind die Tische fast alle belegt, es wird viel mallorquí palavert, castellano hört man weniger. Das Gasthaus bei Vilafranca de Bonany ist verkehrstechnisch derart günstig an einem Kreisel der Autobahn gelegen, dass der Chef Guillermo Garí schon vor Gericht aussagen musste, dass er für diesen Standort keine Schmiergeldzahlungen geleistet hat.

 

Seine Eltern hatten einen kleinen Stand mit Obst aus der Region an der Kreuzung aufgebaut, und weil so viele Menschen täglich dort vorbeischauten, hatte die findige Mutter die Idee, an dieser Stelle ein kleines Lokal zu eröffnen. Dort bot sie dann täglich wechselnde Gerichte an. Das war vor 40 Jahren. Der heute 54-jährige Guillermo Garí hat das Restaurant nach und nach übernommen und ausgebaut.

 

Inzwischen ist das „El Cruce“ in andere Dimensionen vorgedrungen. 650 Personen können hier gleichzeitig essen, der Parkplatz ist so groß wie der eines Einkaufszentrums. Bevor wir die Bestellung aufgeben, bittet er um einen Blick in die Kochtöpfe. Guillermo Garí führt durch einen kleinen Raum, in dem Dutzende Hähnchen und Fleischspieße auf offenem Feuer gegrillt werden. Im nächsten Raum köcheln – in Töpfen so groß wie Busreifen – Unmengen an Bohnen, Schnecken und die Brotsuppe sopas mallorquinas. Insgesamt 40 Angestellte hat „El Cruce“ – und sie kommen alle aus der Gegend.

 

Garí empfiehlt uns Schnecken, eine Portion arròs brut und das Spanferkel (lechona). Innerhalb von fünf Minuten steht das Essen auf dem Tisch. Der schnelle Service ist einer der Vorteile von „El Cruce“, sagen die Tischnachbarn. Wichtiger aber noch sind wohl die Preise: eine große Portion arròs brut für 2 Euro, die Portion Schnecken oder Lammkoteletts 3,50 Euro, Schnitzel für 3,10 Euro. Das teuerste Gericht ist gebratener Tintenfisch für 6,50 Euro. „Wenn ich am Tag pro Gast einen Euro verdiene, bin ich zufrieden“, sagt Garí. Rund 10.000 Esser würden pro Woche verköstigt. Das Essen ist solide, aber natürlich nicht außergewöhnlich. Das gibt Garí gerne zu: „Unser Anspruch ist, mallorquinisch zu kochen. Das ist eher Hausmannskost, wir wollen keine Experiment.“ Zum Nachtisch gibt es noch Mandelkuchen mit Eis. Das Abendessen können wir uns dann sparen.

 

El Cruce:

 

Das Restaurant liegt an der Ma-15 zwischen Palma und Manacor am Kreisverkehr an Ausfahrt nach Felanitx. Geöffnet ist jeden Tag von 6 Uhr bis 22 Uhr, freitags und samstags meist bis 1 Uhr.

 

Alternativen:

 

Dorfbars und Markthallen
Wer typisch mallorquinisch essen gehen möchte, wird in beinahe jedem Dorf fündig. Die Speisekarte ähnelt sich in den meisten Gasthäusern, fast überall wird mittags ein preisgünstiges menú del día angeboten, fast überall gibt es frito mallorquín. Eine an- dere Möglichkeit, in mallor- quinische Essgewohnheiten einzutauchen, ist der Besuch eines sogenannten restaurante buffet, wo man sich für einen Festpreis unbegrenzt am Buf- fet bedienen kann. Authen- tisch geht es auch an den klei- nen Bars in den Markthallen in Palma, Inca oder Manacor zu. Insbesondere die Bar Can Joan Frau im Mercat de Santa Cata- lina im gleichnamigen Viertel in Palma genießt Kultstatus.

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