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Kastell von Capdepera: Ein feste Burg ist dieser Ort

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Capdepera - Mallorca

Zacken, Schießscharten, hohe Mauern: Ein Besuch in der Playmobil-Burg von Capdepera

INGO THOR. Bittet man ein Kind, eine Burg zu malen, dann wird dieses höchstwahrscheinlich ein Gebäude zu Papier bringen, das genauso wie die Festung von Capdepera aussieht. Ganz viele Zacken auf der Mauer, Schießscharten noch und nöcher – das auf einem Hügel thronende Gemäuer ganz im Nordosten der Insel ist ein Hingucker, der von dem hinlänglich bekannten Playmobil-Schloss kaum zu unterscheiden ist und den man schon aus großer Entfernung ausmacht.

 

Zur Schonung des Nervenkostüms und des Autos empfiehlt  es sich, tunlichst nicht durch die extrem engen und steilen Gassen hochzufahren, sondern unten im Dorf einen Parkplatz zu suchen. Wer in den zwar nicht gewaltigen, aber dennoch ansehnlichen Komplex eintritt, dem fällt zunächst die gähnend hohe Mauer samt viereckigen Wehrtürmen auf, die an die Türme des Schachspiels erinnern. Auf dem nicht gerade weitläufigen Areal selbst befinden sich neben Sitzbänken einige gut erhaltene Gebäude, darunter ein runder Turm, der bis zum 19. Jahrhundert als Wachgeviert benutzt wurde und doppelt so hoch wie heute war. In einem weiteren Gebäude, dem Haus des Statthalters, wurde ein Museum eingerichtet.

 

Ebenfalls auf dem Gelände steht ein Kirchlein, um das sich eine Geschichte rankt, die alten Frauen in Capdepera noch heute die Tränen in die Augen treibt: Am 18. Dezember 1569 schickten sich die Mauren mal wieder an, ­Mallorca von den Christen zurückzuerobern. Die Nachricht machte in dem eingemauerten Areal, wo damals die Menschen dichtgedrängt lebten, schnell die Runde. Voller Angst holten sie eine Figur der Schutzheiligen „Virgen de la Esperanza“ aus der Kirche und trugen sie über das Gelände. Da bildete sich laut der Legende ganz rasch ein dichter Nebel, die Moslems sahen die Burg nicht mehr und bliesen den Angriff  ab. Seitdem wird diesem Wunder alljährlich in Capdepera mit einer Prozession gedacht.

 

Weniger wundersam war ein Vorkommnis, das sich ebenfalls auf diesem Areal zugetragen hatte – wenn auch ein paar Jahrhunderte vorher, als dort noch gar keine Burg stand. König Jaume I, der Mallorca 1229 von den Mauren befreit hatte, nutzte die Hügel von Capdepera, um Menorca zu erobern. Im Jahr 1231 ließ er dort wiederholt nachts etwa 300 Feuer anzünden. Die menorquinischen Mauren glaubten irrtümlich, dass ein riesiges Heer sie vernichten wolle und unterwarfen sich freiwillig. Seitdem gilt Jaume I als eines der ausgekochtesten Schlitzohren, das je auf den Balearen aktiv gewesen ist. In dem Gebiet, wo dann wenig später mit dem Bau der Burg begonnen wurde, unterzeichneten der besagte König und die Mauren den ältesten erhaltenen Friedensvertrag auf Erden.

 

Dass sich die Welt durchaus zeitweise um Capdepera drehte, überrascht angesichts der Einfachheit der Anlage. Wer sie durchschreitet, wird vom Atem der Geschichte ausdrücklich nicht umgeweht. Dennoch kommt das Gefühl auf, etwas Sinnvolles zu tun. Das liegt zum einen an den spektakulären Aussichten aufs Meer, nach Menorca und in die Mallorca profunda hinein (das weite Innere der Insel) . Zum anderen ist da ja diese perfekte Burg-Mauer, die so gähnend hoch ist und die man oben abschreiten kann.

 

Wer kleine Kinder dabei hat, sollte übrigens davon absehen, da der sehr schmale Weg in drei bis vier Metern Höhe nicht durch ein Geländer gesichert ist.

 

Besuchszeiten:

 

Öffnungszeiten bis Mitte März: 9 bis 17 Uhr. Von März bis Mitte Oktober: 9 bis 20 Uhr.  Eintritt: 3 Euro. Am dritten  Mai-Wochenende: Mittelaltermarkt. Termine für Führungen/Falken-flug: Tel.: 971-81 94 67.

 

Alternativen:

 

Weitere Burgen auf Mallorca
1. Festung von Artà. Im Nordosten gelegen, gar nicht weit entfernt von Capdepera. 2. Bellver in Palma. Pflicht-Ausflugsziel für jeden, der die Stadt besucht. 3. Burg von Alaró. Nur etwa 30 km von Palma entfernt, spektakulär auf einem Berg thronend. 4. Castell del Rei. Schwer zugängliche Anlage bei Pollença. 4. Burg von Santueri. Bei Felanitx im Osten, wird für die Öffnung vorbereitet.

 

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