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El Corte Inglés: Früher oder später landen alle hier

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Palma de Mallorca - Mallorca

„El Corte Inglés“ ist Europas größte Kaufhauskette. In Palma gibt es gleich zwei davon
 

SIMONE WERNER. Vielleicht ist das Erfolgsrezept die Aufmerksamkeit, mit der man hier behandelt wird. „Siehst du, wie deine Wangen auf einmal viel mehr leuchten und du nicht mehr so blass wie vorher aussiehst?“, fragt ­Meritxell Ortiz, und legt der Reporterin zunächst einen dunkelblauen, dann einen rosafarbenen und weißen Umhang über. Die 32-Jährige Kundenberaterin ist gewissermaßen die Luxusausführung unter den rund 900 Verkäufern, die im Corte Inglés an den Avenidas in Palma  beschäftigt sind: Für 180 Euro gibt sie personalisierte Tipps zum perfekten Make-Up und Outfit – zum Beispiel für Hochzeiten.

 

Nicht ganz so exklusiv, aber ebenso zuvorkommend ist die Behandlung durch ihre „normalen“ Kollegen. Es ist die große Zahl an zumeist kompetenten Verkäufern, die Europas größte Kaufhauskette von ähnlichen Häusern etwa in Deutschland unterscheidet. Der nächste Mitarbeiter ist kaum je weiter als fünf Meter entfernt. Und der Kunde hat in der aus einer kleinen Schneiderei im Madrid des ausgehenden 19. Jahrhunderts hervorgegangenen Kette zumindest theoretisch immer recht. Ohne Angabe von Gründen kann praktisch alles wieder zurückgegeben werden, manchmal sogar, wenn die entsprechende Frist schon abgelaufen ist.

 

„Außer Autos, Wohnungen und rezeptpflichtige Medikamente kann man hier alles kaufen“, sagt Presse­chef Antonio Sánchez. Den großen Corte Inglés an der Avenida Alexandre Rosselló (24.000 Quadratmeter) gibt es seit 1995, den kleinen an der Avenida Jaime III schon länger – zuvor gehörte er dem bis dahin größten Konkurrenten, der Galerías-Preciados-Kette.

 

Das Quasi-Monopol ist ein weiterer Grund dafür, dass früher oder später alle im Corte Inglés landen. Rund 15.000 Menschen passieren im Schnitt an einem gewöhnlichen Arbeitstag die rotgekleideten Türsteher an den Avenidas. Samstags zwischen 18 und 20 Uhr ist es am vollsten, man kommt sich dann schnell vor wie im Schlussverkauf, und das, obwohl die Preise tendenziell höher liegen als anderswo. Und damit der Euro auch weiter rollt,  pumpt El Corte Inglés Jahr für Jahr spanienweit Millionen in die Werbung – nur der Telekommunikationsriese Telefónica gibt angeblich mehr Geld dafür aus.

 

Unter den Kunden sind auch viele Ausländer, die sich hier etwa in der Lebensmittelabteilung im Untergeschoss mit Spezialitäten eindecken oder in der Damen- oder ­Herrenabteilung neben den bekannten internationalen Marken auch spanische und sogar mallorquinische Mode (Amparo Sard) anprobieren können. Urlauber bekommen zehn Prozent Rabatt auf Mode, Accessoires, Kosmetik, Schuhe und Souvenirs (dazu muss beim Kundendienst eine sieben aufeinander folgende Tage gültige tarjeta de des­cuento beantragt werden). Und die Inselresidenten kommen ab und an in den Genuss von semanas alemanas mit deutschen Lebensmitteln.

 

Das A und O aber bleibt die Kundenbetreuung. Carmen Coll verkauft Männerkleidung für die französische Marke Façonnable. Kann eine Frau überhaupt kompetent in Sachen Krawatten beraten? Die 22-Jährige lacht: „Was glauben Sie mögen Männer lieber? Wenn ihnen ein Mann die Krawatte um den Hals legt oder eine Frau?“

 

Im Kaufrausch:

 

Der große El Corte Inglés befindet sich am Innenstadtring Avenidas in Palma (Alexandre Rosselló, 12-16), der kleine an der Einkaufsstraße Jaime III, 15. Öffnungszeiten: Mo-Sa: 9:30h-21:30h.

 

Alternativen:

 

Von ganz groß bis ganz klein
Wesentlich größere, aber auch weniger exklusive Konsumtempel in Palma sind die an der Umgehungsautobahn und den Ausfallstraßen gelegenen Carrefour und Al-Campo-Supermärkte. Outlet-Ware gibt es im Festival Park in Marratxí. Wer es überschaubarer mag, findet in Palmas Innenstadt viele kleinere Geschäfte.

 

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