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Talaoits: Mallorca-Immobilien anno dazumal

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Montuïri - Mallorca

Auf der Insel gibt es über 400 frühzeitliche Talayots. Das beeindruckendste Steinungetüm steht bei Montuïri

JOHANNES KRAYER. Sie sehen aus, als hätte Obelix sie höchstpersönlich aufgestellt: die in Mallorcas Frühgeschichte errichteten Talayots. Majestätisch ragen die riesigen runden Steiniglus in die Höhe. Eines der beeindruckendsten dieser Bauwerke steht in der Ausgrabungsstätte Son Fornés mitten im Inselinneren, wenige Kilometer außerhalb von Montuïri auf einer Anhöhe. 17 Meter Durchmesser hat der Talayot (das Wort kommt vom katalanischen talaia, was so viel wie Wachturm bedeutet; ursprünglich ist es vom arabischen atalaji abgeleitet). Wahrscheinlich wurden die Talayots vorrangig als Wachtürme genutzt. Von oben ließ sich gut die Gegend überblicken. Im Inneren haben die Menschen der Talayot-Zeit wohl gearbeitet, Versammlungen abgehalten oder sich zu rituellen Feiern getroffen.

 

Vier Meter hoch sind in Son Fornés die gewaltigen Steinwände, die sich aus klobigem Felsgestein zusammensetzen. Wer es nicht am Rücken hat, der kann durch einen etwa gut ein Meter hohen und knapp drei Meter langen Gang ins Innere des Talayots vordringen. Sich einmal den Kopf im engen Steinkorridor zu stoßen, ist Teil des Erlebnisses. Im Innenraum sieht man sich einer Säule gegenüber, die durch ihre breiten Steinquader Respekt einflößt. Die vier einzelnen Quader sind halb so groß wie ein Kleinwagen. Scheinbar schwerelos liegen sie aufeinander. So, wie sie vor Tausenden von Jahren in harter Arbeit aufeinandergestapelt worden waren.

 

Rund 25 Personen waren zum Bau nötig. Sie dürften wochenlang geschuftet haben. Das Innere dieses Talayots dürfte seinerzeit als Opferstätte oder auch Schlachthof gedient haben. Es wurden Knochen von Schweinen, Rindern und Lämmern gefunden. Direkt neben dem Eingang gibt es ein weiteres Loch in der Wand. Hier könnte eine Vorratskammer für das Fleisch gewesen sein. In einem abgetrennten Halbrund, so die Archäologen, seien die Fleischstücke dann wohl zerteilt und an die Familien verteilt worden, die in dem Dorf lebten.

 

Etwa 300 bis 400 Menschen bewohnten zwischen 1000 und 500 vor Christus die Siedlung Son Fornés. Bisher sind sieben Häuser, drei Talayots und ein Raum, der religiösen Riten diente, ausgegraben. Eine Forschungsgruppe um Direktorin Cristina Rihuete von der Autonomen Universität Barcelona betreut das Projekt. Einer der Archäologen, Albert Forés, sitzt auf einer Mauer eines ehemaligen Wohnhauses in der Talayot-Siedlung und ruht sich aus: „Wir haben hier noch eine Menge Arbeit. Bisher sind gerade mal 15 Prozent des Dorfes freigelegt“, erzählt er.

 

Unterstützung bei der Restaurierung kommt vom mallorquinischen Inselrat. Zwei Arbeiter des Consell sind für Son Fornés abgestellt. Gemeinsam haben sie es geschafft, dass der Besucher einen sehr plastischen Eindruck davon bekommt, wie ein Wohnhaus damals ausgesehen hat. Alle hatten einen quadratischen Grundriss. Das Wohnzimmer nahm ziemlich genau die Hälfte der Fläche ein, die andere Hälfte war unterteilt in Küche und Lager-/Rückzugsraum. 35 bis 45 Quadratmeter waren die Häuser groß, und das für meist sieben bis zehn Personen. Nicht gerade luxuriös. „Doch“, widerspricht Forés. „Immerhin waren es Steinhäuser mit Küche. Und noch heute haben in Spanien viele Einwanderer in etwa die gleiche Wohnfläche für ihre Familien zur Verfügung.“ Geschlafen wurde in den Häusern auf dem Boden. Dort, wo jetzt Besucher entlangspazieren. Archäologie zum Anfassen, während nebenan weitergebuddelt wird.

 

Empfehlenswert ist auch das dazugehörige Museum in Montuïri. In einer alten Mühle untergebracht, ist es multimedial gestaltet. Die Erklärungen sind auch auf Deutsch.. An einem Monitor kann der Besucher beispielsweise eine virtuelle Tour durch einen Talayot unternehmen. Hier lernt man auch, dass die Menschen schon damals gerne und ausgiebig gefeiert haben. Vor allem, als der Wein den Weg auf die Insel fand. Wobei es viele Fundstücke aus Son Fornés gibt, die es noch nicht in die Ausstellung geschafft haben, erzählt Wissenschaftler Jordi Hernández. „Wir haben zu wenig Platz.“ Schon die Menschen der Talayot-Zeit hatten eben ihren Spaß an Nippes.

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