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Mercat de l'Olivar: Besuch in Palmas größter Markthalle

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Palma de Mallorca - Mallorca

Seit 1951 eine Institution im steten Wandel: der Mercat de l‘Olivar in Palma. Da ist gut, dass der Wachmann den Überblick behält

HOLGER WEBER. Bei Wachmann Lorenzo ist man in guten Händen. Keine Sorge: Es ist keinesfalls so, dass im Mercat de l‘Olivar in Palma ein Sicherheitsrisiko bestünde (wenngleich auch hier die Faustregel gilt, zu belebter Zeit die Hand auf dem Portemonnaie zu haben). Doch Lorenzo, der seit nunmehr elf Jahren Tag für Tag durch die Gänge von Palmas größter Markthalle streift, weiß einfach alles, was sich in diesen Gemäuern in Palmas Stadtzentrum abspielt. Also, sollten Sie einen hochgewachsenen, sympathischen jungen Mann mit kurzen Haaren, beigefarbenem Hemd und brauner Hose sehen (kleines Bild): Sprechen Sie ihn ruhig an. Auf Lorenzo ist Verlass.


Fischhalle
Die Führung mit Lorenzo beginnt morgens um kurz nach neun in der Fischhalle. Das hat einen guten Grund: An keinem anderen Ort der Insel bekommt der Besucher ein solch reichhaltiges Angebot an Fisch und Meeresfrüchten geboten wie im Mercat, wenn die Auslagen noch nahezu voll sind. Im Unterschied zu früher – die Markthalle wurde 1951 eröffnet – stammen nicht alle dort auf Eis gebetteten Tiere aus balearischen Gewässern – doch fast alle Händler führen heimische Fische, die auch als solche gekennzeichnet sind. Die Fischhalle entwickelt sich immer mehr zu einem riesigen Feinkosthandel mit Delikatessen aus aller Welt. 2011 hat ein Stand eröffnet, an dem man frische Austern mit einem kalten Weißwein herunterspülen kann. Es gibt Zutaten für die asiatische Küche und mittlerweile auch schon zwei Sushi-Stände, der eine von ihnen von einem Deutschen betrieben.

 

Zwei Stände weiter bleiben wir stehen, um uns am Stand von „Pescado Beatriz“ die furchteinflößenden Köpfe des Seeteufels anzusehen oder auch einmal einen Schwertfisch aus der Nähe zu betrachten. „Kleine Fische haben am Stand von Beatriz nichts zu suchen“, meint Lorenzo. Der Einkauf in der Fischhalle endet oftmals an der traditionsreichen „Bar Peix“. Glücklich konnte sich einst schätzen, wer hier direkt einen Platz an der Theke ergatterte. Seit der Erweiterung der Bar gibt es aber auch Sitzplätze.


Obst und Gemüse
Den letzten großen Umbau erlebte die Markthalle vor zehn Jahren. Damals hatte der Wachmann gerade seinen Dienst begonnen. Seitdem gibt es in den Hallen mehr Licht, insgesamt sei der Markt hygienischer und aufgeräumter geworden, meint Lorenzo. Traditionalisten hingegen vermissen das Flair von einst. Aufgeräumt wirkt auch der Gemüsestand von Miquel Gelabert, der bereits in der dritten und wohl letzten Generation Obst und Gemüse verkauft. Seine Tochter, sagt er mit leicht traurigem Unterton, wolle das Geschäft nicht mehr fortführen. Miquel Gelaberts gleichnamiger Großvater gehörte der Gründergeneration an, die nur das verkaufte, was die mallorquinischen Felder gerade hergaben. Mittlerweile gibt es ganzjährig ein großes Angebot. Nur beste Qualität, betont Miquel, der nach eigenen Angaben auch noch pepinos (Gurken) verkaufte, als sie wegen der EHEC-Panik andernorts auf dem Müllberg landeten.


Fleisch und Wurstwaren
Bei den Metzgern der Markthalle zeichnet sich deutlich ein Trend zur Spezialisierung ab. Beim Geflügelhändler „Pollería Los maños“ verweist Verkäufer Emilio stolz darauf, dass sein Onkel der Erste war, der in den 60er Jahren auf die Idee kam, die Hühnchen nicht mehr nur ganz, sondern küchenfertig in Einzelteilen zerlegt zu verkaufen. Die Kunden hätten Schlange gestanden, ergänzt Lorenzo die Geschichte. Bei Sebastían Rojas im „s‘a Agla“ gibt es vor allem Schinken, den der Jungunternehmer selbst in der Extremadura aussucht und dann per Hand schneidet. Und auch ein ganz der inseltypischen Paprikawurst gewidmeter Sobrassada-Stand hat mittlerweile eröffnet.


Bars
In der Gemüse- und Fleischhalle findet sich an allen vier Ecken je eine Bar, die seit Generationen von jeweils den gleichen Familien betrieben wird, erklärt Lorenzo beim café con leche in der „Bar Petit“. Marktverkäufer und Kunden lassen sich hier gleichermaßen frisch zubereitete Tapas schmecken.

 

Die Fakten

 

Der Mercat de l‘Olivar liegt an der gleichnamigen Plaça. Offiziell Mo - Sa von 9.00 bis 13.00 Uhr geöffnet, es gibt aber einige Stände, die bis 16.00 Uhr verkaufen. Im Markt befindet sich auch ein Restaurant sowie ein Supermarkt im zweiten Stock.

 

Alternativen

 

Santa Catalina und Pere Garau
In Palma gibt es zwei weitere bekannte Markthallen in den Stadtvierteln Santa Catalina (Plaça de Navegació, s/n) und Pere Garau (Plaça de Pere Garau, s/n). Insbesondere der Letztgenannte ist von den Preisen her günstiger. Zudem gibt es in fast allen Orten der Insel auch Wochenmärkte

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