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Am schönen Po der Welt

In Binibona betreuen pfiffige Hoteliers begüterte Fans des Landurlaubs. Rundgang durch einen Weiler, der ganz und gar auf Idylle setzt
23-04-2012 15:54
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Hotelier Juan Vicens (2.v.u.), sein Bruder Sebastián und ihre Partnerinnen Foto: Bendgens

Hotelier Juan Vicens (2.v.u.), sein Bruder Sebastián und ihre Partnerinnen Foto: Bendgens

Zuerst denkt man sich, dass es in Binibona nur schwer auszuhalten ist: Kein Laden ist zu sehen, keine Kneipe, keine Schule, keine Post.Es gibt nicht einmal einen Platz, auf dem zahnlose Greise mit Schiebermützen sitzen und die Stunden verstreichen lassen. Nur das Pfeifen des Windes und das Läuten der Glocken zahlloser grasender Schafe im Umkreis der insgesamt 16 Häuser ist zu hören.

Eigentlich gäbe es nicht den geringsten Grund, Geld für das Benzin seines Autos auszugeben und sich in Binibona am Fuß der Serra de Tramuntana zu verlieren, wenn es hier nicht auf engstem Raum eine Reihe von Mini-Hotels für betuchte und wählerische Individual-Urlauber gäbe und wenn es hier nicht schlicht und einfach so schön wäre. Und wenn in diesem winzigen Weiler nicht Juan Vicens leben würde, der zusammen mit seinem Bruder Sebastián gleich zwei dieser mit Jacuzzis, Pools und Tennisplätzen versehenen feinen Herbergen betreibt und allerhand aus der Vergangenheit des Fleckens zu berichten weiß.

„In den 30er-Jahren wohnten hier noch etwa 300 Menschen", äußert der Ur-Mallorquiner, dessen Vorfahren noch im Schweiße ihres Angesichts der Erde Oliven und Mandeln abtrotzten und der sich seit Jahren redlich und mit anschwellendem Erfolg bemüht, Gäste in seine Hotels „Albellons" und „Binibona Parc Natural" zu locken. „Später, nach dem Bürgerkrieg, starb der Ort völlig aus, weil die Leute woanders Arbeit suchten. Jetzt wohnen hier wieder Menschen, genau 23, hauptsächlich Ausländer, von denen nur einige ganzjährig anwesend sind."

Es sei schon kompliziert, die sechs Dorf-Kinder zur Schule nach Caimari oder Selva oder Inca zu bringen, klagt Vicens. Sämtliche Busse seien zu breit für die extrem schmale, aber immerhin geteerte Zufahrtstraße. Aber es sei nunmal so idyllisch hier, und er sei von hier, und das mache ihn glücklich.

Juan Vicens, sein Bruder und die Partnerinnen der beiden verkörpern das Binibona-Volk nahezu vollständig. Hinzu kommen unter den paar anderen Bewohnern noch die weiteren Hotel-Eigner, darunter das Ehepaar Adrian und Susy Bertorelli, das ein Sieben-Zimmer-Haus mit dem mehr als kuriosen Namen „Can Furios" („wütender Hund") am Laufen hält. Während bei den Vicens-Brüdern hauptsächlich Deutsche einkehren, schauen im „Can Furios" vor allem Briten vorbei. „Unsere Gäste wandern gern, sie lieben auch das Radfahren", sagt Susy Bertorelli. Für Wein-Fans organisiere man als besonderes Bonbon erbauliche Exkursionen zu den Bodegas.

Die Vicens-Brüder bieten ebenfalls Touren und Verwöhn-Kleinigkeiten wie geröstete Mandeln aus eigener Produktion an, um die ruhe- und komfortsuchenden Urlauber bei Laune zu halten. Besonders gern wandern die Gäste zum berühmten Kloster Lluc, das zwei- bis zweieinhalb Stunden entfernt verschlafen in einem Talkessel liegt. Der ganze Stolz der Vicens-Brüder ist der Pool in dem am Bergrand befindlichen „Albellons"-Hotel mit einem fast wie gemalten Fernblick auf gleich drei Dörfer - Campanet, Búger und, so die Sicht klar ist, Muro. Auf das Meer muss hier im übrigen niemand verzichten, den nächsten Strand erreicht man nach etwa 25 Kilometern.

Was haben er, Juan Vicens, und seine Familie nicht für Geld in die Herbergen gesteckt! Für Steinfußböden, teures Gestühl und teure Geländer, Heizungen für die Zimmer, geschmackvolle Holzmöbel, die jede Zahnarztgattin zum Schwärmen bringen. Nach schweren Aufbaujahren – 1995 wurde das „Albellons"-Hotel eröffnet, 2001 das „Binibona" – strömen sie jetzt nach Binibona, die gut situierten Individualisten, die die Nase voll haben von 500-Betten-Hotels mit den immer wieder gleichen nervigen Animateuren und dem sonstigen Nullachtfünfzehn-Brimborium. Es schmerzt sie nicht, um die 200 Euro pro Nacht für ein geräumiges Zimmer auf den Tisch zu blättern. Die Preise variieren je nach Größe. Dafür lesen ihnen die Vicens-Brüder und ihre Mitarbeiter nach eigenen Angaben ohne Zeitverzug jeden Wunsch von den Augen ab.

Dass hier an diesem schönen Hintern der Welt nie irgendetwas zumindest leicht Abseitiges passiert sei, weist Juan Vicens weit von sich. „Ganz früher gab es hier mal eine Taverne, deren Besitzer nur eine Likörmarke führte. Er bot den Inhalt jahrelang mal als Cognac, mal als Whisky und mal als etwas anderes Alkoholisches an." Darüber lache man in Binibona am Kaminfeuer zu vorgerückter Stunde noch heute.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 9. Februar (Nummer 614) lesen Sie außerdem:
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