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Felsenburgen auf Mallorca: Balkone mit begrenztem Zutritt

Die Felsenburgen der Insel haben sich bis heute als schwer einnehmbar erwiesen – die drei Festungen in luftiger Höhe trotzten den militärischen Eroberern genauso wie den touristischen Besuchern. Jetzt bröckelt der Widerstand
01-12-2011 00:00
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Dass die Felsenburg von Felanitx tatsächlich aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht ist, hat Biel Tauler bei einem Ortstermin feststellen können. „Die Fortschritte sind beeindruckend", so der Bürgermeister von Felanitx über die Bauarbeiten, die die Besitzerfamilie in Angriff genommen hat. Sie will das Santueri bis Jahresende so weit restaurieren, dass es wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. „Wir haben zudem ein Projekt für die Anlage von Wanderwegen auf dem Tisch", so Tauler.

Das Santueri von Felanitx ist eine von drei Felsenburgen auf Mallorca, die sich bislang in vieler Hinsicht als uneinnehmbar erwiesen haben. Brauchten schon die wechselnden Eroberer im Laufe der Jahrhunderte mehrere Anläufe, um das Castell d'Alaró, das Castell del Rei in der Gemeinde Pollença und das Kastell bei Felanitx einzunehmen, stehen Urlauber zum Teil bis heute vor verschlossenen Türen. Dabei sind die Felsenburgen denkmalgeschützt und müssen zumindest an bestimmten Tagen der Öffentlichkeit zugänglich sein. So will es das balearische Gesetz über Kulturerbe von 1998.

Gemeinsam sind den castillos roqueros auf Mallorca die historischen Ursprünge, eine wechselvolle und legendenumrankte Geschichte sowie der atemberaubende Ausblick, der sich heutigen Besuchern bietet. Alle drei Felsenburgen haben zudem mit dem Zahn der Zeit zu kämpfen. „Keine von ihnen ist in gutem Zustand", sagt Xavier Terrasa von der Denkmalschutzvereinigung Arca. „Der Verfall setzt sich seit Jahrhunderten fort."

Gleichzeitig markieren die drei Felsenburgen jeweils unterschiedliche Stadien im Kampf um den Erhalt des Kulturerbes von Mallorca und den Zugang der Öffentlichkeit. Das Castell del Rei, das auf dem Privatgelände der berühmten Bankiersfamilie March liegt, verweigert sich weiterhin erfolgreich den Touristenströmen. Das Santueri von Felanitx befindet sich ebenfalls in Privatbesitz, doch ist nach öffentlichem Druck die Restaurierung und touristische Erschließung in vollem Gange. Das Castell d'Alaró schließlich taugt als Beispiel dafür, wie private Initiatoren und öffentliche Verwaltung gemeinsam das Kulturerbe Felsenburg erschließen.

Erprobt: Alaró
Auch in Alaró gab es ursprünglich Probleme: Die mallorquinische Familie Ordinas beanspruchte die Burgmauern jahrzehntelang für sich. Erst ein Gerichtsurteil im vergangenen Jahr schaffte endgültig Klarheit – zugunsten der öffentlichen Hand. Heute verwaltet eine seit elf Jahren bestehende Stiftung mit Vertretern von Gemeinderat, Inselrat und Kirche das Kulturerbe. Seit dem Jahr 2005 legt zudem auch eine Freiwilligen-Vereinigung mit Hand an.

Inzwischen flossen rund 1,5 Millionen Euro unter anderem in die Sanierung einer Herberge, die Zahl der Gästebetten wird von 16 auf 30 erhöht. Für das Geld wurden nicht nur Wasseraufbereitungsanlagen und Stromleitungen installiert, sondern auch eine Solaranlage sowie ein drahtloser Internetzugang. „Wir haben eine ideale Kombination aus Kulturerbe und moderner Technologie", sagt Mateu Marcús, Vorsitzender der Stiftung Castell d'Alaró.

Die Festung selbst muss allerdings weiterhin dringend restauriert werden. „Der Inselrat hat Subventionen bei der Zentralregierung beantragt, sie wurden aber nicht genehmigt", sagt Margalida Durán, Dezernentin für Denkmalschutz bei der Institution. Auch Hilfen für die Restaurierung der historischen Wasserspeicher seien bislang nicht genehmigt worden. Man werde es aber weiterhin versuchen.

Geläutert: Felanitx
In Felanitx blieb die Besitzerfamilie Vidal jahrelang untätig, restaurierte die Anlage nicht und ließ die Tore für Besucher geschlossen. Nachdem der Inselrat im Frühjahr unter der früheren Mitte-Links-Regierung schließlich ein Enteignungsverfahren in Gang gesetzt hatte, begann die Familie überraschend mit Restaurierungsarbeiten. 400.000 Euro sollen in einer ersten Phase investiert werden, der öffentliche Zugang soll noch bis Ende des Jahres möglich sein.

Das private Engagement passt auch zur neuen politischen Linie des Inselrats. „Wir haben größten Respekt vor dem Privateigentum", so Kulturdezernentin Durán. „Wir wollen keine Konfrontation, sondern Kooperation." Auf diese Weise müsse die öffentliche Hand auch nicht für Erwerb und Restaurierung aufkommen. Durán verweist darauf, dass Experten des Inselrats wöchentlich auf der Baustelle vorbeischauten, um sicherzustellen, dass bei den Arbeiten die Grundsätze des Denkmalschutzes garantiert seien.

Skepsis herrscht allerdings bei der Vereinigung Amics dels Closos de Can Gaià, die sich dem Kulturerbe der Gemeinde Felanitx verschrieben hat. So kritisiert die Kunsthistorikerin Amàlia Salas mangelnde Fachkenntnis der ausführenden Baufirma und mangelnde Transparenz des Projekts.

Verschlossen: Pollença
Am wenigsten getan hat sich bislang im Castell del Rei. Unter Mitte-Links war vor einem Jahr im Inselrat noch darüber nachgedacht worden, wie die Felsenburg auf der March-Finca öffentlich zugänglich gemacht werden könnte – mit Verhandlungen und dem Kulturerbegesetz in der Hinterhand. Druck machen vor allem Initiativen von Wanderern, die den freien Durchgang über die Ternelles-Finca forderten. Ein Gericht hat kürzlich das Wegerecht unter Beachtung des Privateigentums bestätigt.

Doch im Inselrat will man jetzt nicht vorpreschen. Das Urteil habe viel Staub aufgewirbelt, jetzt sei kein geeigneter Zeitpunkt, um mit den Eigentümern zu verhandeln, so Dezernentin Durán. Sie verweist darauf, dass das Castell del Rei in einem akzeptablen Zustand sei und deswegen keine dringende Intervention benötige. Im Gegensatz zu Felanitx seien die Eigentümer an keiner touristischen Vermarktung interessiert, und die Vorschrift der öffentlichen Zugänglichkeit sei gerade bei Privateigentum nicht als Freifahrtschein für Touristenströme zu verstehen, so Durán.

Konzentriertes Kulturerbe
Der Inselrat muss sich noch mit einer Reihe weiterer Kulturdenkmäler Mallorcas herumschlagen, die bislang ebenfalls nicht öffentlich zugänglich sind, so etwa Wehrtürmen. Dennoch ragen die Felsenburgen aus der Masse historischer Zeugnisse auf der Insel heraus. „Diese Orte waren zu praktisch allen historischen Zeiten besiedelt, in ihnen konzentriert sich unsere ganze Geschichte", so Durán. Sie nennt als Beispiel das byzantinische Zeitalter – Jahrhunderte im Dunkel der Geschichte, die dennoch in den Felsenburgen von Alaró und Felanitx Spuren hinterlassen hätten. Spekuliert wird zudem über prähistorische Kultstätten – darauf deuten Funde hin, systematische Ausgrabungen gab es aber bislang nicht.

Warum die Standpunkte jahrhundertelang von so großer strategischer Bedeutung waren, wird Besuchern schnell beim Aufstieg bei Alaró klar: Der Weg endet abrupt am Abgrund. An drei Seiten schützen Steilwände die Anlage, der einzige Zugang wurde durch Türme und Wehrmauern geschützt, ausgestattet mit Wehrtürmen genauso wie mit Wehrerkern, von denen aus Belagerer mit Steinen beworfen oder mit siedenden Flüssigkeiten wie Öl begossen werden konnten. So gelang es einer Gruppe von Mallorquinern, acht Jahre und fünf Monate Widerstand gegen die Araber zu leisten, wie der Historiker Pere Xamena schreibt. Die Episode wiederholte sich unter umgekehrten Vorzeichen bei der katalanischen Eroberung im Jahre 1229: Erst zwei Jahre später ergaben sich rund 15.000 Muslime, die sich in den drei Felsenburgen Mallorcas verschanzt gehalten hatten. „Nur wer das Kastell von Alaró erobert hatte, konnte sich damals Herrscher über Mallorca nennen", schreibt der Schriftsteller und Journalist Carlos Garrido.

Man könnte hinzufügen: Erst wenn auch die Felsenburgen zugänglich sind, ist Mallorca vollständig von den Touristen erobert.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 1. Dezember (Nummer 604) lesen Sie außerdem:
- Die drei Felsenburgen Mallorcas

Hier geht's zum E-Papier: epaper.mallorcazeitung.es.

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