Kreuzfahrten

Wo die Reise hingeht - Routengestaltung der Reedereien

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Palma de Mallorca - Mallorca

Schöne Häfen sind nicht alles: über die Routengestaltung der Kreuzfahrt-Reedereien

Von Jörg A. Boeckmann

Woher kommen eigentlich die vielen Schiffe die im Hafen von Palma festmachen und welches ist ihr nächstes Ziel? Ein Großteil der Kreuzfahrer, die in Palma anlegen, befindet sich gerade auf einer Reise durch das westliche Mittelmeer. Auf dem Programm dieser Routen stehen beliebte, oft auch schon bekannte Häfen wie Barcelona, Marseille, Monaco, Civitavecchia bei Rom, Neapel oder Genua. Und auch Häfen auf den Inseln Sardinien, Sizilien und Korsika werden häufig angesteuert.

 

Kleinere Schiffe fahren zusätzlich auch in kleinere Häfen wie nach Ibiza, in das mondäne St. Tropez oder das malerische Portofino. Auch für XXL-Schiffe ist die Zahl der möglichen Anläufe begrenzt. So kann eine „Harmony of the Seas“, aktuell größtes Passagierschiff der Welt, zwar wöchentlich nach Palma kommen, jedoch nie den Hafen von Maó auf Menorca anlaufen. 

Ebenso bestimmen geopolitische Zusammenhänge die Fahrpläne. Aktuell so gut wie gar nicht im Angebot sind Reisen mit Besuchen in nordafrikanischen Häfen. Nachdem beinahe alle Reedereien mittlerweile auch auf den vormals fast obligatorischen Stopp in Tunis verzichten, ist es heute lediglich das schon am Atlantik gelegene, marokkanische Tanger das regelmäßig angesteuert wird. Und wegen der politischen Lage in den südlichen Mittelmeeranrainern ist eine Änderung dieser Misere nicht in Sicht. 

Laut Branchenverband Clia reisten vergangenes Jahr von circa 1,83 Millionen deutschen -Kreuzfahrern etwa 566.000 durch das westliche oder östliche Mittelmeer. Bei den Passagieren aus Spanien spielt das Mare Nostrum eine noch wichtigere Rolle. Von den etwa 466.000 Gästen entschieden sich 339.000 für die heimischen Gewässer und nur circa 18.000 Schiffsreisende für die Karibik. Deutlich weniger übrigens als für das Fahrtgebiet Nordeuropa, welches circa 80.000 spanische Kreuzfahrer begrüßen durfte.

 

Die wichtigsten Destinationen weltweit und insgesamt sind die Karibik, das Mittelmeer und Nordeuropa mit der Ostsee und den Gewässern an den skandinavischen Küsten. Exotische Destinationen wie die Südsee oder Südamerika sind in absoluten Zahlen gemessen eher unbedeutend. 

 

Für die Frage wohin eine Reise geht, spielt auch die  sogenannte Saisonalität eine große Rolle. Beinahe jedes Fahrtgebiet unterliegt jahreszeitlichen Schwankungen. Für das westliche Mittelmeer gelten wegen der angenehmeren Temperaturen insbesondere das späte Frühjahr sowie Spätsommer und Herbst als ideal.

 

Reisen in Polarregionen werden in den jeweiligen Sommermonaten angeboten. Allerdings ändern sich die Zeiten diesbezüglich. Bisher waren die Hurtigruten, vormalige Postschiffe im ganzjährigen und täglichen Linienverkehr entlang der norwegischen Küste, der einzige Anbieter für Schiffsreisen im winterlichen Nordeuropa. Mit dem ganzjährigen Einsatz der Aida Prima ab und bis Hamburg gibt es nun ein weiteres Konzept auf dem Markt.

 

Der Vorteil für die Passagiere, insbesondere für die aus Norddeutschland, liegt mit der kürzeren und  kostengünstigeren Anreise auf der Hand. Für die Reederei bedeutet das auch im Preiswettbewerb mit anderen Urlaubsformen besonders gut punkten zu können. So gibt es eine Woche Vollpension mit Tischgetränken zum Beispiel im Januar 2017 schon ab 530 Euro pro Person. Die Kosten für eine vergleichbare Städtereise liegen meist
deutlich höher.

 

Doch am Ende entscheidet nicht der Preis alleine über die Beliebtheit eine Destination. Es geht auch die Attraktivität der Häfen. Auch wenn das Routing, also die Auswahl der angesteuerten Häfen, insbesondere auf den ganz großen XXL-Schiffen immer weiter in der Hintergrund gerät, spielt aktuell das Zielgebiet bei der Auswahl ihrer Traumreise für die meisten europäischen Kreuzfahrer immer noch eine entscheidende Rolle.

 

Seit Jahren kursieren im Internet auch Top-Ten-Listen zu den schönsten Häfen der Welt. Santorini, La Valetta auf Malta, Venedig werden dann fast immer genannt. Wenn ich meine persönlichen Highlights zusammenstelle, gehören in die Top-Five New York mit dem spektakulären Einlauf, Sydney mit dem großen Naturhafen und dem Opernhaus, Hongkong mit seiner quirligen Lebendigkeit, Venedig mit der noch gestatteten

 

Vorbeifahrt am Markusplatz und Hamburg mit der Revierfahrt auf der Elbe. Und mit nur ganz wenig subjektivem Lokalpatriotismus ist natürlich auch Palma mit der Vorbeifahrt an der Kathedrale, den tollen Aussichten auf die vielen Yachten, auf das Schloss Bellver und die dahinter liegenden Berge ein Highlight für jeden Kreuzfahrer.

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