Kreuzfahrten

Vom Fluss aufs Meer ...

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Palma de Mallorca - Mallorca

... und wieder zurück. Die Grenzen zwischen der „kleinen“ und der „großen“ Kreuzfahrt verschwimmen zusehends

JÖRG BOECKMANN  Wenn im Hafen von Palma die „Viking Star“ festmacht, kommt ein Kreuzfahrtschiff zu uns, dessen Betreiber Viking Cruises seine Wurzeln in der Flusskreuzfahrt hat. Mit dem 2015 in Bergen getauften Neubau wagt sich das Unternehmen des Norwegers Torstein Hagen nun erstmals auf die Weltmeere.

 

Hinter diesem Schritt steht die Überlegung, den bisherigen Gästen der eigenen Flussschiffe nun auch ein passendes Produkt für deren Hochseekreuzfahrten anzubieten. Dank einer Jahrzehnte langen Historie und aktuell über 50 Viking-Flusskreuzern sollten da einige potenzielle Gäste zusammen kommen.

 

Service: Kreuzfahrten auf Mallorca

 

Mit dem Schritt vom Fluss auf das Meer ist Viking nicht alleine. Einen ähnlichen Weg geht auch Scenic aus Boston. Der bisherige Flusskreuzfahrtanbieter möchte sich über die 16 Flussschiffe hinaus erweitern und plant mit zwei Neubauten den Einstieg in die Hochseekreuzfahrt. Der erste Flottenzugang, die „Scenic Eclipse“, verfügt zwar nur über 114 Suiten, dafür aber über die höchste Eisklasse. Optisch erinnert das Projekt stark an eine Megayacht. Die „Scenic Eclipse“ wird voraussichtlich im August 2018 erstmals in See stechen. Im Mittelpunkt bei der Routenplanung stehen Entdeckungstouren mit Kurs auf entlegene Ziele in der Arktis und Antarktis. Erstmalig sollen die Gäste auch die Möglichkeit bekommen, Sehenswürdigkeiten unter Wasser zu entdecken – geplant ist der Einsatz eines U-Bootes mit sieben Sitzplätzen.

 

Den gegenläufigen Weg von der Hochseekreuzfahrt auf den Fluss plant das Unternehmen Chrystal Cruises, welches zum Genting Konzern aus Hong Kong gehört. Die Chinesen greifen zu ungewöhnlichen Maßnahmen, um die vorgesehene Flottenexpansion trotz der weltweit sehr gut ausgelasteten Werften im Kreuzfahrtschiffbau umsetzen zu können. Der Multi mit Aktivitäten im Bereich Freizeit, Erholung und Entertainment hat Ende des vergangenen Jahres die Mehrheit an der Lloyd Werft in Bremerhaven übernommen. Die soll nun modernisiert werden, um dann Flussschiffe und neue Hochseeschiffe für die Luxusmarke zu bauen. Und damit die Chrystal-Gäste nicht ganz so lange auf ihre erste Flusskreuzfahrt unter dieser Flagge warten müssen, wurde im Vorfeld schon das bekannte Flussschiff „MS Mozart“ erworben, auf dem ab August 2016 extrem hochpreisige Reisen auf der Donau angeboten werden.

 

Doch zurück zur „Viking Star“. Das in Italien gebaute Passagierschiff soll den maximal 930 Kreuzfahrern ein mit Flussreisen vergleichbares Erlebnis bieten. Das heißt, dass das Entdecken der Destination im Mittelpunkt steht. Die Reederei will den Kunden mit längeren Liegezeiten in den Häfen, Anlaufpunkten abseits der Hauptrouten und umfangreichen Ausflugsprogrammen das jeweilige Zielgebiet intensiver präsentieren, als andere Anbieter dies tun. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch „Azamara Cruises“.

 

Nichtsdestotrotz ist die „Viking Star“ dem Vernehmen nach ein schmuckes Schiff, das eher an ein intimes Boutiquehotel erinnert. Alle Kabinen bieten eine private Veranda, Kingsize-Betten, unbe- grenzt kostenloses W-Lan und einen ebenfalls kostenfreien 24-Stunden-Zimmerservice. Und auch ein Wellness-Bereich darf natürlich nicht fehlen – dieser heißt Nordic Spa und bietet neben einem Thalassotherapie-Pool, Sauna, Dampfbad und Whirlpool auch die erste „Schneegrotte“ auf hoher See. Insgesamt ist das Feedback – erste Auszeichnungen sowie eine sehr gute Bewertung im renommierten Branchenguide „Berlitz Cruising & Cruise Ships 2016“ – überaus positiv.

 

Konsequent ist die Ausrichtung des Produktes auf ein klar definiertes Gästeprofil. Nicht jedem potenziellen Gast wird und soll das Konzept gefallen. Insbesondere Reisende, die Wert auf ein großes Bordprogramm legen, würden enttäuscht sein. Diesem Schiff fehlen einige Annehmlichkeiten, die mancher Kreuzfahrer voraus- setzt. So hat die „Viking Star“ kein Casino, und das Unterhaltungsprogramm sowohl tagsüber als auch abends ist wenig umfangreich. Reise-Inhalt soll schließlich die Auseinandersetzung mit dem Zielgebiet sein. Statt spektakulärer Shows gibt es also Vorträge, die auf die kommenden Landaufenthalte vorbereiten. Auch für Familien ist das neue Kreuzfahrtschiff nicht geeignet, vielmehr beträgt das Mindestalter für Passagiere 16 Jahre. Und schließlich verfolgt Viking auch bezüglich der Bordsprache ein restriktives Konzept. Alle Aktivitäten an Bord und an Land werden ausschließlich auf Englisch angeboten, und so erfolgt die Vermarktung zu Preisen ab circa 2.500 US-Dollar pro Woche bisher nur in Nordamerika, Australien und Großbritannien. Mehr Informationen, auch über das 2016 auf den Markt kommende Schwesterschiff „Viking Sea“, finden sich auf der Homepage des Unternehmens.

 

Hier finden Sie eine Übersicht über Kreuzfahrten ab Mallorca: Schiffe & Angebote.

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