Kreuzfahrten

Die 'Sea Dream': Luxus all-inclusive

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Palma de Mallorca - Mallorca

Einmal wie Abramovitsch Champagner schlürfen – MZ Leser besichtigen das Kreuzfahrtschiff

JÖRG A. BOECKMANN Obgleich Mallorca überreich an eigenen Sehenswürdigkeiten ist, bestaunen nicht wenige Urlauber und Einheimische immer wieder gerne und mit Begeisterung die großen Yachten in den Häfen von Palma, Puerto Portals oder Port Adriano. Eine Besichtigung ist meist nicht möglich. Dafür verschaffen wir uns diese Woche gewissermaßen über die Hintertür einen Einblick in das Bordleben und den Lifestyle von zwei Superyachten. Sie sind für zahlende Passagiere konzipiert: Die beiden Schwester­schiffe des Sea Dream Yacht Clubs, „Sea Dream I“ und „II“. Anfang Mai werden sie Palma anlaufen.


„It‘s yachting not cruising“, heißt es im Prospekt der Reederei. Bei jeweils nur maximal 112 Yachtgästen fällt es der mehrfach ausgezeichneten Crew naturgemäß einfach, einen ganz persönlichen Service anzubieten, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Seadreamers auf Zeit maximal zu verwöhnen und zum Wiederkommen zu bewegen. Das beinhaltet auch die namentliche Ansprache aller Gäste. Auf den großen Kreuzfahrern mit mehreren tausend Passagieren ist so etwas unvorstellbar. Die Bord­sprache ist Englisch, der Gästemix international, deutschsprachige Gäste sind nicht in der Mehrheit, aber auch keine Seltenheit. Der Altersschnitt ist jünger als auf klassischen Kreuzfahrern.


Immer locker bleiben
Den legeren, ungezwungenen Kleidungs­stil an Bord beschreibt am besten die dekadent schöne Wortschöpfung yacht casual. Die bedeutet zum Beispiel, dass Krawatten überflüssig, Cocktailkleider und leichte Sakkos möglich, aber nicht obligatorisch sind, und dass sich die Kleidung tagsüber an den Aktivitäten ausrichtet. Nichts soll schließlich an den beruflichen Alltag der häufig noch berufstätigen Gäste erinnern.    


Zum Yachting Lifestyle gehört zwingend auch Wassersport. So verzichten nicht wenige Gäste auf den Landgang, wenn in geeigneten Häfen die Marina heruntergefahren wird und Laser-Segelboote, Jetskis, Schnorchel-Ausrüstungen und Wasserski locken. Ergänzt wird das Sportprogramm an Bord durch ein kleines Fitness-Center mit Meerblick und Yoga-Kurse an Deck. 

 

Service: Kreuzfahrten ab Mallorca


Ein Highlight hat sich die Reederei sogar markenrechtlich schützen lassen: Den sogenannten „Champagne and Caviar Splash TM“ erleben die Gäste nur auf Karibik-Törns. Dort feiern sie einmal pro Reise mit  auf Surfbrettern schwimmenden Kaviardosen und Champagnerflaschen im Uferwasser den Yachting Lifestyle. Und anschließend gibt es dann einen üppiges Beach-Barbecue – serviert auf erlesenem chinesischen Porzellan. Schade, wir hätten dieses Spektakel auch gerne an der Playa de Palma begutachtet.


Wenn es eine Schwachstelle im Borderlebnis einer Yachtkreuzfahrt gibt, so ist es das eingeschränkte Unterhaltungsprogramm. Für die begrenzte Zahl von Gästen lohnen sich keine aufwendigen Bühnen-Shows – sie werden von den eingeweihten Gästen auch nicht gefordert oder erwartet. Fest im Programm sind hingegen Cocktailpartys und zielgebietsspezifische Kinoabende an Deck. Romantische Varianten sind Abende und Nächte in den balinesischen Betten an Deck, untermalt vom Ploppen der Champagnerkorken.  


Wer auf einer Privatyacht eingeladen ist, muss für seine Getränke, Mahlzeiten und Aktivitäten nicht bezahlen. An diesem Grundsatz orientiert sich auch das Seadream Konzept. So sind neben Mahlzeiten mit Sterne-Niveau auch korrespondierende Weine und die Getränke an der Bar meist inklusive. Und auch Wassersport, Yoga oder balinesische Betten werden nicht extra berechnet. Geld ausgeben können Gäste jedoch für besondere Weine, Spirituosen und für Landausflüge.


Da beide Schiffe bereits 1984 in Dienst gestellt wurden, sind die Kabinen nicht mit den heute zumindest bei größeren Schiffen beinahe obligatorischen Balkonen ausgestattet.
Obwohl die Unterbringung durchaus komfortabel ist, sind die ausschließlich außen liegenden Kabinen nicht als Buchungsmotiv zu bewerten. Daran änderte auch die  Renovierung im Jahr 2011 nichts. Trotzdem hängen die Reisepreise insbesondere von der Kabinenkategorie ab und können in der Owners-Suite leicht bei spürbar über 1.000 Euro pro Nacht liegen.


Ab 2.500 Euro die Woche
Wer die Wahl der Kabinennummer der Reederei überlässt, kann für einwöchige Reisen diesen Sommer und Frühherbst im Mittelmeer, später dann in der Karibik oder vor den Küsten Costa Ricas zu Preisen bis zu 60 Prozent unter dem Katalogpreis ablegen und zahlt dann ab circa 2.500 Euro pro Person und Woche. Für mich eine kluge Wahl, da das Yachterlebnis weitgehend unabhängig von der Wahl der Kabine ausfällt.  


Wenngleich die „Sea Dream“-Yachten mit ihrer besonders geringen Gästezahl ein Alleinstellungsmerkmal besitzen, gibt es in diesem Segment noch weitere Anbieter. Zur Carnival-Gruppe gehören die sechs Yachten von „Seabourn“ mit Kapazitäten von 220 bis 450 Gästen.


„Silversea“ bietet eine eher italienische Atmosphäre, wohingegen die Schiffe der Compagnie le Ponant Französisches Savoir-vivre zu vermitteln wissen –, deren Yacht „L‘Austral“ begeisterte meine Kollegin Leticia vergangene Woche im Hafen von Palma. Und auch die neue „Europa 2“ (siehe Kasten) wird von der Reederei gerne als große Yacht angesehen, bietet jedoch auf einem deutlich größeren Schiff auch Platz für wesentlich mehr Passagiere.  
 

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