Kreuzfahrten

'Sea Cloud': Reisen auf einer Legende

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Palma de Mallorca - Mallorca

Von einer Millionärin eingerichtet, zwischenzeitlich von einem Diktator bewohnt und nun von Kreuzfahrern genossen: Die „Sea Cloud“ wartet mit 32 prachtvollen Kabinen und viel Geschichte auf die MZ-Leser

Die „Sea Cloud“ gilt  zweifellos als Superstar unter den Segelschiffen für Passagiere. Das Schiff besitzt eine faszinierende Geschichte. Bereits 1931 wurde es auf der Germania Werft in Kiel als Privatyacht für den Wall-Street-Broker Edward Francis Hutton gebaut.


Geprägt wurde der Segler jedoch insbesondere von dessen Gattin Marjorie Merriweather Post. Die ebenfalls sehr vermögende und erfolgreiche Geschäftsfrau richtete die Viermastbark als luxuriöses Domizil mit nur sieben Kabinen ein. Mehr als zwei Jahre arrangierte sie in einem Lagerhaus in Brooklyn die Antiquitäten genauso wie sie später auch auf dem Schiff stehen sollten. Die beiden Eignersuiten sind bis heute erhalten geblieben, insbesondere die in Weiß gehaltene Kabine von Lady Marjorie wird sehr gerne von Hochzeitsreisenden gebucht. 


Im April 1931 wurde das Schiff auf den Namen „Hussar“ getauft und sollte von da an das standesgemäße Domizil der Eigner überall dort sein, wo diese repräsentieren oder sich amüsieren wollten. Nach der Scheidung im August 1935 erhielt Marjorie das heiß geliebte Schiff, taufte es auf den Namen „Sea Cloud“ und heiratete im Dezember den zukünftigen Botschafter der USA in der Sowjetunion. Dort fungierte das Schiff ab 1937 als schwimmender und abhörsicherer  Diplomatenpalast. Die sowjetische Prominenz kam gerne, um das westliche Luxusleben zu studieren. 


Ab 1942 wurde die „Sea Cloud“ zur symbolischen Charter von einem Dollar an die US Coastguard gegeben, die Masten und der Bugspriet demontiert, Waffen montiert und grau angestrichen. Fortan diente das Schiff als schwimmende Wetterstation. Nach Kriegsende wurde es von Marjorie wieder zur Luxusyacht umgebaut und genutzt, bis sie es Anfang der 50er Jahre aus finanziellen Gründen mittlerweile 78-jährig an Rafael Trujillo Montinas, den damaligen Diktator der Dominikanischen Republik verkaufte. Der taufte es auf den Namen „Angelita“ und nutzte es vorwiegend als Hausboot. Nach dem Umsturz und der Ermordung des Diktators ging der Trujillo-Clan mitsamt der Leiche und Kisten von Bargeld an Bord und nahm Kurs auf Cannes, wurde aber auf Höhe der Kanarischen Inseln gestoppt.


Es folgten weitere wechselhafte Jahre, unter anderem als privates Schulschiff, und dann lag sie acht lange Jahre im tropischen Klima im Hafen von Colón in Panama.


1978 schließlich überführte eine Gruppe von Hamburger Kaufleuten die Viermastbark nach Hamburg, wo sie begeistert begrüßt wurde. Nach der Renovierung in Kiel wird sie seit 1979 als Kreuzfahrer genutzt. 2010 und 2011 wurde sie nochmals aufwendig renoviert und an die aktuellen Sicherheitsstandards angepasst. Der ursprüngliche Charme blieb dabei erhalten. Auch heute bietet der Großsegler lediglich 32 Kabinen, das Reisen auf der Legende bleibt insofern ein exklusives Erlebnis.  


Mit 47 Kabinen ist die 2001 in Las Palmas von TV-Moderatorin Sabine Christiansen getaufte „Sea Cloud 2“ der gleichen Reederei nur wenig größer, bietet jedoch etwas mehr Komfort als das Traditionsschiff. Aber auch auf dem moderneren Schiff werden die Segel noch von Hand gesetzt.


Großsegler bieten heute auch andere Reedereien. Die drei Schiffe umfassende Star Clippers-Flotte des schwedischen Eigners und Segelschiff-Enthusiasten Mikael Krafft richtet sich an ein internationales, segelbegeistertes Publikum. Flaggschiff ist der  „Royal Clipper“, ein Nachbau der „Preußen“, Flaggschiff der deutschen Flying P-Liner und als echter Fünfmaster das größte Segelschiff der Welt mit Platz für
227 Gäste. Ein weiterer Anbieter ist Windstar Cruises aus Seattle mit drei eher modernen Einheiten. Insbesondere für frankophile Kreuzfahrer bietet sich die legere „Club Med2“ vom bekannten Ferienclub oder die ultramoderne, komfortable „Le Ponant“ an, die eher wie eine Yacht anmutet.  


Selbst konnte ich die Faszination der Großsegler auf dem „Star Clipper“ in der thailändischen Inselwelt erleben. Das persönliche Ambiente, der aufmerksame, aber nie steife Service überzeugen ebenso wie die Küche. Die Kabinen sind klein, aber reizvoll maritim dekoriert. Das Schiff lief häufig einsame Buchten an, in denen dann auch immer Wassersport wie Wasserski, Tauchen, Schnorcheln und Segeln angeboten wurde. Hauptattraktion an Bord ist das Segelerlebnis. Manchmal habe ich mir noch ein bisschen mehr Wind gewünscht, auch zum Segeln auf den mitgeführten Lasern. Während der fakultativen Besteigung des Hauptmastes bis auf ca. 15 Meter über Deck und beim Träumen im Bugnetz war aber auch eine leichte Brise durchaus willkommen.

 

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