Genau vier Jahrzehnte hat das Lokal mit seiner spektakulären Terrasse, 50 Meter über dem Meeresspiegel und direkt am Abhang gelegen, auf dem Buckel. Es ist somit genauso alt wie sein aktueller Besitzer Andrej Eisenfeld, der es vor zehn Jahren im Sommer übernahm, ihm den Namen „Nautilus" gab, und aus der anfänglichen einfachen Snackbar mit Cocktails ein gutes Restaurant gemacht hat.
Eisenfeld ist in Dresden geboren und halb Deutscher, halb Russe. Der Journalist lebte zuvor in Berlin, arbeitete bei Gruner & Jahr und beim Springer-Verlag, führte eine eigene Werbeagentur und entdeckte parallel sein Faible für die Gastronomie. Im Berliner Osten führte er in den 90ern schon einmal ein Lokal, die Havanna-Bar.
Vor elf Jahren kam er eher aus Zufall und via Last Minute mit seiner damaligen Freundin und deren Kindern nach Mallorca. Bei der Suche nach einem Hotel verschlug es ihn „mitten in der Nacht, so um zwei, drei Uhr hierher." Er sah den Horizont, den Mond über dem Meer und verliebte sich sofort in das alte Gebäude, dass damals leer stand.
Sein Leben auf der Überholspur in Berlin samt Burnout-Symptomen war weit weg, sein Wunsch nach etwas Neuem stark. ?
Seine Freundin unterstützte den dynamischen Dresdner und so wurde denn bald das Haus beziehungsweise die beiden unteren Etagen samt Terrasse gekauft. Wie sich zeigen sollte, war dieser plötzliche Entschluss eine gute Entscheidung, denn schon mit der Eröffnung im Sommer 2002 war der Anklang unter Einheimischen, Residenten und Touristen groß. Sie fühlten sich in dem gemütlichen Lokal von Anfang an wohl.
Heute, zehn Jahre später, hat das „Nautilus" einen berühmten luxuriösen Nachbarn, das Jumeirah Hotel. „Zu uns kommen viele Gäste von dort, die den Kontrast schätzen und es auch mal legerer wünschen", erzählt Eisenfeld. Trotzdem hat er sein Konzept nicht wirklich verändert. „Wir wollen das bleiben, was wir immer waren: ein bodenständiges Restaurant, ein Treffpunkt für alle."
Im „Nautilus" gibt es jetzt zwar eine weit elaboriertere Speisekarte als in den Anfangsjahren, und auch der Wein ist sorgfältig ausgesucht, aber der Service bleibt freundlich und ohne „Pinguin-Steifheit". Tischdecken sind im „Nautilus" kein Thema und auch die Preise sind nicht abgehoben.
„Ich will einfach genauso zufrieden sein wie meine Gäste, und das beinhaltet auch, dass wir gute Lebensmittel verwenden und die perfekt vorbereiten. Das ist schon die halbe Miete", meint Andrej Eisenfeld. „Wir legen den Fokus auf die Zubereitung und auf die Frische. So wird alles, was morgens täglich angeliefert wird – wir kaufen nichts auf Vorrat – sofort vakuumiert und bleibt bis zur Verarbeitung frisch im Kühlen." Bei den Kräutern und den essbaren Blüten greift er auf biologisch angebaute Eigengewächse zurück, die auf seiner Finca in den Bergen wachsen.
Hungrige finden beispielsweise gebackenen Ziegenkäse auf halbflüssiger Sobrassada mit Birne (8,90 Euro), eine Fischsuppe mit Meeresfrüchten und Muscheln (11,50 Euro), Wolfsbarschfilet mit Zuckerschoten (17,50 Euro), Milchlammkeule in Rotwein mit Couscous und Datteln (17,50 Euro), die Nauti-Burger mit Angus-Rindfleisch, Kartoffeln und Salat (12,50 Euro) oder den Renner des Hauses: die gemischte Tapasplatte für Zwei (18,50 Euro). Stets sind die Portionen dabei üppig und attraktiv angerichtet.
Für die Weinkarte hat er sich mit der Firma Islacatavinos kompetente Partner gesucht und gemeinsam mit ihnen ein spezielles Konzept entwickelt. „Bei mir gibt es circa drei Weine pro spanischer Region – einen typischen, eher günstigen Vertreter der Zone, einen Klassiker und einen modernen, etwas abgedrehten Insidertip. Alle sollen bezahlbar bleiben (Flaschen von 13 bis 36 Euro), und meine Kellner werden daraufhin auch speziell geschult und können die Gäste beraten."
Bei den Cocktails – der Renner zum Sonnenuntergang und für einen Durchschnittspreis von 6 Euro ein bezahlbares Vergnügen – war es Eisenfeld früher wichtig, möglichst viele anzubieten. „Mittlerweile setze ich eher auf perfekte Klassiker, ohne überflüssige Dekoration. Zurück zu den Ursprüngen ist meine Devise." Und die Gäste gehen diesen Weg gerne mit. In der Nebensaison kommen viele Spanier, in der Hauptsaison überlassen sie ihr Stammlokal den ausländischen Touristen, darunter in der Mehrzahl Deutsche.
Trotz aller Bodenständigkeit im „Nautilus" hat Eisenfeld aber auch Pläne, die darüber hinaus gehen – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die obere Etage, aktuell leerstehend, soll im Winter umgebaut werden. „Ich will das Ganze zu einer kleinen Luxuslounge für maximal 20 Personen ausbauen." Schick, rundum verglast mit Ledermobiliar und viel Diskretion. „Dort wird es nur das Beste aus aller Welt geben." Und damit sind Trüffel, Foie, Austern und all das gemeint, was eine ausgewählte Klientel mit Stil begehrt. Inklusive den ältesten Whiskys und Rumsorten, die Eisenfeld schon jetzt als Hobby sammelt und gemeinsam mit einer guten Zigarre („da hab ich noch von meinen Kuba-Reisen die besten Verbindungen") auch selbst gerne süffelt.
Wer Eisenfeld erlebt, glaubt ihm, dass er so einen Plan nicht ohne akribische Vorbereitung angeht. Nicht zuletzt gilt es, die entsprechenden Lieferanten aufzutun. „Das ist eine Herausforderung, die mir viel Spaß macht", erzählt der 40-Jährige.
Ein schöner Traum, der im Hinblick auf die Gäste des Jumeirah-Hotels auch funktionieren könnte. „Araber wollen gerne diskret speisen, vielleicht auch unbeobachtet etwas trinken und unter sich sein." Daher wird man die Lounge auch komplett mieten können. Geplant sind aber auch thematische Kochevents mit Gastköchen, die dann spezielle Küchenstile mit ebenfalls den besten Grundprodukten zelebrieren.
Noch bodenständig
„Nautilus"
Geöffnet täglich 10-1 Uhr.
C/. Llebeig 1, Port de Sóller.
Tel. 971-63 81 86
www.nautilus-soller.com









