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Mallorca-Hotelkette Riu: Unreifen Bananen und Tui sei Dank

Wie aus der cleveren Idee eines katalanischen Obst- und Gemüsehändlers der heutige Tourismusriese wurde. Teil 18 unserer Hotelketten-Serie
16-12-2017 00:00
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Hier fing alles an: das Hotel San Francisco in den 60er-Jahren. Foto: Riu

Hier fing alles an: das Hotel San Francisco in den 60er-Jahren. Foto: Riu

Die Hotelkette Riu ist heute die zweitgrößte in Spanien – wohl auch, weil die Verantwortlichen oft genug Pioniere waren. Als die Playa de Palma noch hauptsächlich aus Dünen und Sträuchern bestand, kaufte der Katalane Joan Riu das damals einzige Hotel weit und breit, das San Francisco. Drum­herum gab es außer der kleinen Pension Brisas keine weitere Unterkunft für Urlauber. Im San Francisco gab es damals den einzigen Telefonanschluss zwischen Palma und Arenal.

Dabei kamen Joan Riu und seine Frau María Bertrán ursprünglich gar nicht aus der Branche. Joan Riu war in seiner Heimat Girona als Obst- und Gemüsehändler tätig. Dabei entwickelte er ein System, das den Reifungsprozess von Bananen verzögerte, und ließ dieses System patentieren. Das ermöglichte ihm, mehr Bananen als seine Konkurrenten zu verkaufen und ein Grundkapital anzuhäufen. Mit diesem Geld wanderte Joan Riu mit seiner Frau und dem Sohn Luis nach Venezuela aus, wo die Familie erstmals ein kleines Hotel führte.

Als Joan Riu wieder nach Spanien zurückkehrte, wollte er mit seiner Familie auch in Katalonien den Tourismus anschieben. „Der Bürgermeister ihres Heimatortes machte sie dann aber auf die Chancen aufmerksam, die sich auf Mallorca bieten könnten", sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Der Bürgermeister sollte recht behalten. Und weil Joan Riu und seine Frau nicht auf den Kopf gefallen waren – und noch ihre Flitter­wochen ausstehen hatten, machten sie sich nach dem Kauf des San Francisco gleich 1954 auf den Weg nach Deutschland, um das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Riu wollte bei deutschen Reiseveranstaltern anklopfen, um Urlauber in sein Hotel zu locken.

Das Glück gehörte in dem Fall dem Tüchtigen: Gleich seine erste Anlaufstelle war die Agentur Dr. Tigges in Wuppertal. Und dort empfing man die Mallorquiner mit offenen Armen. Dr. Tigges kaufte direkt das gesamte Kontingent des Hotels San Francisco auf.

Das San Francisco blieb lange Zeit das einzige Hotel der Familie. In den 60er-Jahren kam dann das Hotel Obelisco in der Nachbarschaft dazu. Richtig los mit der Expansion ging es aber erst ab 1970, als Luis Riu mit dem Concordia das dritte Hotel an der Playa de Palma kaufte. Nach und nach kamen dann die Hotels Festival (1975), Bravo (1980) und Playa Park (1982) dazu.

Der Haken an der Sache aber war (und ist), dass sich im Winterhalbjahr kaum ein Urlauber nach Mallorca verirrte, und deshalb die Hotels schließen mussten. Also eröffnete Riu 1985 das erste Hotel auf den Kanaren, das ganzjährig geöffnet war. „Die logische Folge aus diesem erfolgreichen Schritt war dann, in die Karibik zu gehen", erklärt die Sprecherin.

Auch in Punta Cana in der Dominikanischen Republik leistete Luis Riu 1991 touristische Pionierarbeit. Es existierte dort kaum
Infrastruktur, nicht einmal Wasser und Strom. Das Urlaubsziel, musste erst aufgebaut werden. Weil das so gut geklappt hatte, setzte Riu dann auch noch auf weitere Ziele in der Karibik sowie Mexiko, heute wichtigstes Ziel mit 18 Hotels der Kette. Als Luis Riu 1998 starb und die beiden Kinder Carmen und Luis das Geschäft übernahmen, ging das Wachstum in noch größeren Dimensionen weiter. Zwischen 1997 und 2007 öffnete Riu weitere Häuser in Jamaika, auf den Bahamas, in Aruba, Miami und an der mexikanischen Pazifikküste sowie 2009 in Costa Rica.

Allerdings wächst Riu nicht um jeden Preis: Die Familie ist seit jeher bodenständig und konservativ in ihren Entscheidungen. Schulden wurden nie mehr als unbedingt nötig gemacht – und wenn, dann nur für Investitionen, die als todsicher galten. Außerdem gibt es da einen ­mächtigen ­internationalen Partner: Der deutsche Veranstalter Tui – Nachfolger von Dr. Tigges – hält an der 1976 gegründeten Gesellschaft Riu Hotels 49 Prozent der Anteile (und Riu derzeit drei Prozent an Tui). „Wir verdanken einen großen Teil unseres Erfolges der deutschen Pingeligkeit", sagte die Tochter von Luis Riu, Carmen, vor Jahren in einem MZ-Interview. Von den Deutschen hätten sie gelernt, auf Sauberkeit und Zuverlässigkeit zu achten.

2010 begann eine neue Etappe: Riu wagte zum ersten Mal den Schritt vom reinen Strandhotel zum Stadthotel und eröffnete mit dem Riu Plaza in Panama das erste Haus dieser Art. Das war schon lange vorher geplant, aber bis Riu nicht das ideale Ziel gefunden hatte, wollte man nicht starten. 2016 hat Riu auch in Manhattan an der 8th Avenue ein Stadthotel eröffnet. In Madrid hat die Gruppe das Edificio España an der zentralen Plaza de España gekauft und will es im Jahr 2019 als Vier-Sterne-Hotel einweihen. Und weil die deutschen Kunden für Riu immer die wichtigsten waren, durfte auch Berlin in der Liste der Stadthotels nicht fehlen. In Zukunft soll vor allem in Richtung Asien expandiert werden. Sri Lanka und Mauritius schweben Riu hier vor.

Eine völlig andere Herausforderung geht Luis Riu jr. mit dem Neubau zweier Hotels auf den Malediven ein. Die Kette kaufte die beiden Inseln Kedhigandu und Maafushi, auf denen bislang keinerlei Infrastruktur vorhanden ist. „Ein bisschen verrückt", stellte Riu in einem Interview fest. Dort errichtet die Kette in den nächsten Monaten je ein Hotel. Und muss alles selbst mitbringen: Bau­maschinen, Baustoffe, Strom- und Wassernetz. Aber das kennt man bei Riu ja schon. War ja an der Playa de Palma auch nicht anders, damals in den 50ern.



Lesen Sie hier weiter: alle Folgen der Serie "Hotelketten auf Mallorca"

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