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Sind die Hotels auf Mallorca wirklich nachhaltig?

Tourismus und Nachhaltigkeit - ein großes Thema auf Mallorca. Eine Agentur prämiert die Bemühungen der Hoteliers. Ein Gespräch mit deren Direktorin
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Die zwei Preisträger auf der Insel: Das BQ-Hotel Aquamarina in Can Pastilla und der Club Pollentia Resort in der Bucht von Pollença (re.). Fotos: Bendgens

Die zwei Preisträger auf der Insel: Das BQ-Hotel Aquamarina in Can Pastilla und der Club Pollentia Resort in der Bucht von Pollença (re.). Fotos: Bendgens

Zwei Hotels auf Mallorca haben in den zurückliegenden Monaten für einen nachhaltigen Tourismus mehr getan als andere. Zu diesem Ergebnis kommt die Kommunikationsagentur Grupo Futura Habitat aus Barcelona. Sie zeichnet jedes Jahr zehn Hotels in Spanien mit dem sogenannten Re Think-Preis aus. Auf Mallorca haben vergangene Woche das Portblue-Hotel Club Pollentia Resort und das Hotel BQ Aquamarina an der Playa de Palma die undotierte Auszeichnung erhalten. Die MZ sprach mit der Direktorin von Futura Habitat.

Warum haben Sie den Re Think-Preis ins Leben gerufen?
Die Hoteliers sollen sich Gedanken machen, wie sie in ihren Häusern die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz umsetzen können. Und sie sollen differenziert denken. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Keramik als Baustoff. Wenn man dieses Material in der Fassade des Hotels verbaut, dann ist es nachhaltig. Zwar werden bei der Herstellung große Mengen Energie benötigt, aber eine Fassade steht normalerweise mehrere Jahrzehnte. Verwendet man Keramik im Badezimmer, ist es nicht nachhaltig, denn spätestens nach zehn Jahren werden die Bäder erneuert.

Was bewerten Sie an den Hotels, um die Preisträger zu finden?
Fünf generelle Aspekte. Erstens geht es um eine nachhaltige Einbettung des Hotels in die Umgebung, sprich wie sehr wird die Natur in der Nähe in die Überlegungen mit einbezogen, inwiefern fühlt sich das Hotel für die Sauberkeit des Strandes vor dem Hotel verantwortlich oder wie sehr setzt der Einkauf auf lokale Produkte. Zweitens geht es um das Gebäude selbst: Welche Energiespar-Maßnahmen setzt man um, welche Wasseraufbereitungssysteme verwendet man, wie hält man das Hotel möglichst ressourcenschonend in Schuss. Drittens spielt das Marketing eine Rolle, sprich wie kommuniziert das Hotel die Bemühungen an die Gäste? Es nutzt ja nichts, Wasser sparen zu wollen, aber den Hotelgästen das nicht mitzuteilen. Der vierte Aspekt setzt sich damit auseinander, wie das architektonische Erbe geschützt wird. Das kommt vor allem bei Hotels in Altstädten zum Tragen, und fünftens geht es darum, ob das Haus barrierefrei ist.

Sind die Hotels auf Mallorca im spanischen Vergleich nachhaltig?
Auf jeden Fall. Dadurch, dass viele deutsche Urlauber ein ausgeprägtes Bewusstsein für diese Themen haben, waren die mallorquinischen Hoteliers schon früh damit konfrontiert. Das Angebot wurde auf die Nachfrage hin zugeschnitten. Das Problem der mallorquinischen Hoteliers ist, dass sie ihre Erfolgsgeschichten zu wenig kommunizieren. Sie sind es nicht gewohnt, mal von ihrer Insel in andere Regionen zu fahren und zu erzählen, wie sie diese Konzepte umsetzen. Ich weiß nicht, was wir noch machen sollen, um das zu erreichen. Vielleicht müssen wir sie mit Ensaimadas locken ?

Also gilt Mallorca als Vorreiter für ganz Spanien?
Nicht unbedingt. Auf den Kanaren und etwa in Barcelona tut sich auch viel in dieser Richtung. Wo es besser laufen könnte, ist die Costa del Sol in Andalusien.

Sind die gesetzlichen Vorgaben in Spanien streng genug?
Ich weiß nicht, warum wir immer Vorgaben brauchen. Die Hoteliers müssen von sich aus verstehen, dass Investitionen in energiesparende Konzepte auch viel, viel Geld sparen und gleichzeitig die Einkünfte verbessern können. Denn dann können die Häuser mit ihrem umweltfreundlichen Image werben, was gerade wieder viele Gäste aus Mittel- und Nordeuropa anlocken kann. Aber es ist schon richtig: Es könnte mehr verpflichtende Standards geben. Zu viele Hoteliers scheren sich kaum um Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

Haben kleinere Hotelketten die großen in Sachen Nachhaltigkeit überholt?
Es gibt einige kleine Ketten, die sich diesen Aspekt auf die Fahnen geschrieben haben und sich dadurch von den anderen absetzen wollen. Die kleinen Ketten haben natürlich viel weniger finanzielle Mittel zur Verfügung als die Big Player. Aber wir beobachten immer wieder, dass kleinere Ketten, wenn sie das Thema angehen, es dann wirklich gründlich und in allen Häusern gleichzeitig umsetzen. Bei den großen Unternehmen dauert das viel länger.

Wie sähe aus Ihrer Sicht die Zukunft des Tourismus aus?
Ich wünsche mir, dass die Urlauber bei der Wahl ihres Hotels nicht nur auf den Preis oder die Lage schauen, sondern auch darauf, wie nachhaltig das Haus arbeitet. Ich sehe das als große Herausforderung der nächsten Zeit an. Wir müssen das aktiv kommunizieren, damit die Urlauber das wirklich vor Augen haben.

Das Hauptproblem aber bleibt: Der Flugverkehr ist ganz und gar nicht nachhaltig. Sind dann nicht alle weiteren Bemühungen umsonst?
Nein. Den Flugverkehr können wir nun mal nicht vermeiden. Aber wir können an vielen anderen Stellschrauben drehen, um Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu erreichen. Und das müssen wir noch viel konsequenter tun.

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