Nachrichten | Hosteleria

Mercat 1930: Das bietet der neue Streetfood-Markt in Palma

14 Stationen mit kulinarischen Raffinessen vereint das neue Angebot am Paseo Marítimo
02-09-2017 23:00
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MARTINA ZENDER Sie haben Lust auf thailändische Luxusküche, baskische pintxos, ein focaccia barose mit porchetta (Schweinefleisch), Avocadocreme und Trockentomaten, einen Angusfleisch-Mini-Hamburger mit einem Basilikum-Brötchen, Pulled Pork mit BBQ-Sauce oder eine Auster? All das und Erfrischendes wie Hochprozentiges bekommen Sie im neuen gastronomischen Markt in Palma, dem Mercat 1930. Sie finden ihn im Erdgeschoss des früheren Traditionshotels Mediterranéo am Paseo Marítimo. Nach vielen baulichen Verzögerungen wurde er am letzten Freitag (18. August) offiziell eröffnet. Nun kann man täglich von 12–24 Uhr dort einkehren, um sich an 14 verschiedenen Ständen, die in dem etwa 680 Quadratmeter großen Mercat verteilt sind, seine kulinarischen Wünsche zu erfüllen. An circa 180 Innen- und mehr als 200 Außenplätzen auf der Terrasse (neben dem Tito's und im Winter „eingepackt" und beheizt) kann man anschließend das Gekaufte verzehren. Im Durchschnitt zahlt man – sofern man satt werden will – etwa 20–30 Euro pro Kopf für Getränke und drei bis vier Gerichte, wobei dies natürlich auch weitaus mehr sein kann, wenn man sich Champagner, Austern und Nobelschinken gönnt.

Initiator und Kopf des Ganzen ist Fernando Castellanos, der 2015 auch schon den ersten gastronomischen Markt (Mercado Gastronómico San Juan im Norden der Stadt) als Geschäftsführer geleitet hatte und maßgeblich an der Entwicklung des Projekts beteiligt war. Nun verwirklicht er – auch basierend auf den Erfahrungen im San Juan – gemeinsam mit einem Partner seine eigenen Ideen im neuen Gastro-Markt Mercat 1930. „Wir hatten eigentlich geplant, schon im Frühjahr zu eröffnen, aber die alte Bausubstanz des Hauses verursachte nahezu täglich neue Probleme. Aber besser spät als nie." Wenn sich alles eingespielt hat, denkt Castellanos auch an die verschiedensten Events mit Produkt-Präsentationen, Degustationen und Showcookings mit Spitzenköchen. Für die Inneneinrichtung war der Architekt Jorge Bibiloni zuständig, der eine Mischung aus gemütlicher Vermut-Bar und modernem Indus­trielook designt hat.

Gesundes, Rundes, Spitzes

Auf die Genießer wartet, wenn man den Markt im Uhrzeigersinn abgeht, links vom Eingang der Greenfood-Stand mit gesunden Gemüse-Früchte-Smoothies, Wraps und Salaten. Zudem ein Tortilla-Stand von dem Madrilenen David James, geführt von Matias Lagrenade, namens Eggskisitas, der 10 verschiedene, manchmal wechselnde Tortillas im Angebot hat. „Unsere Tortillas sind innen noch sehr saftig, das ist eher Madrid-Stil." Dafür wurden viele verschiedene Kartoffelsorten ausprobiert, bis man die mit der für diesen Tortilla-Typ beste Konsistenz fand. Unser Tipp: die etwas andere Wakame-Tortilla mit Algen und Sesam als besondere Zutaten.

Weiter geht es mit Pintxos Vascos. Hier hat das Ehepaar Victor García (Chefkoch im Hotel Cap Rocat) und seine ebenfalls kochende Ehefrau Cris Odriozola (Absolventin der Hotel- und Gastronomiefachschule EHIB) das Regiment. Allerdings nicht als Betreiber, sondern als Berater, die sowohl die verschiedenen delikaten baskischen pintxos zusammengestellt und die Saucen und Cremerezepte entwickelt haben als auch die Crew vor Ort ausbilden.

Iberisches, Italienisches, Süßes

Als Nächstes in der Line folgt ein Schinken- und Wurststand vom ehemaligen Fußballspieler Fernando Varela (Real Betis, Real Mallorca) und seinem Schwiegervater, die sowohl einen der besten iberischen Schinken von der Firma Carrasco im Angebot haben als auch die Top-Wurstwaren Mallorcas von der Firma Can Company, gemacht von Meistermetzger Xesc Reina. Unser Tipp: Wer sich nicht entscheiden kann, sollte die gemischte Wurst- und Schinkenplatte ordern. Es folgt ein Sushi-Stand mit einem bislang eher durchschnittlichen Angebot – hier könnte und sollte sich bald etwas ändern.

Letzter in dieser Reihe ist Eduardo Iordache. Der Rumäne betreibt seit über zwei Jahren schon erfolgreich das Geschäft Rolling Icecream in Can Pastilla und bietet Gleiches auch im Mercat 1930 an: Auf einer eiskalten Platte werden Kekse oder Früchte mit der Basisflüssigkeit für Eis (Milch mit Vanille, Schokolade oder Joghurt) vermischt. Das Ganze friert an, wird flach gestrichen, mit einer Creme nach Wahl benetzt und mit dem Spatel aufgerollt. Köstlich erfrischend. Des Weiteren kann man bei ihm Crêpes, Crêpes-Kuchen, Milchshakes und andere süße Köstlichkeiten kaufen.

Sein Nachbar ist Saverio Carducci aus Apulien mit seiner neuen Firma Satrigo. Der Italiener und frühere Mitbesitzer der bekannten Pizzeria Il Tano hat sich auf etwas typisch Italienisches kapriziert: Porchetta di Ariccia – eine Speise, die man in Italien nahezu an jeder Straßenecke und auf Dorffesten findet und populär ist wie in Deutschland die Bratwurst oder der Döner. Es ist ein Schweinerollbraten mit Rosmarin, der knusprig im Ofen gegrillt wird und dann mit drei Zutaten nach Wahl (Creme, Käse und Gemüse, weitere Zutaten kosten 1 Euro extra) belegt und in ein Brot nach Wahl gepackt wird. Optisch einem Kebab nicht unähnlich. Dabei nutzt Carducci nicht nur Brot, sondern auch einen Pizzateig (panzerotto fritto) oder einen Kartoffel-Brotteig (focaccia barese). Vier der sechs Sorten sind handgemacht. Das Ergebnis schmeckt sensationell und hat man so auf Mallorca noch nicht gesehen beziehungsweise gegessen.

Frittiertes, Gebratenes, Exotisches

Im hinteren Eck ist die Vermutería angesiedelt, eine Getränkebar, die natürlich den namensgebenden Wermut – in diesem Fall stammt er von der renommierten Firma Yzaguirre – ausschenkt und dazu typische Snacks anbietet wie Gildas, Pintxos und Dips. Dieser Stand wird ebenfalls von dem Paar García-Odriozola betreut.

Den Gang zurück trifft man zunächst auf die Freiduría Andaluza vom Vater-Sohn-Duo Paco und Javier Martínez. Hier gibt es frittierte Köstlichkeiten aus Andalusien wie tortillitas de camarones (Reibekuchen-ähnliche Teigplätzchen mit Mini-Garnelen), cazón (in Essig-Zitrone-Würz-Marinade eingelegter Hundshai) oder choco (Tintenfisch).

Daneben hat der Hamburger-Stand Doze von Paco Noguera (ihm gehört auch das gleichnamige Lokal in Llucmajor) seinen Platz. In den verschiedensten Mini-Brötchen (Brot gefärbt mit Tomate, Tintenfischtinte, Curry oder Basilikum) stecken galicisches und Angus-Rind, iberisches Schwein, Lamm, Büffel, Hirsch, Huhn oder nur Gemüse. Alle Saucen sind wie im Schwesterlokal hausgemacht.

Anschließend kommt man zum Thai-Fusion-Stand von Kim Mathekowitsch und Jörg Flohr. Die Luxemburger betreiben parallel unter dem Firmennamen Breezedays auch drei Floating-Boutique-Hotels (Yachten mit je drei Kabinen) auf Luxusebene mit Luxusservice und natürlich auch individuellem Luxusessen. Man kann die Boote auch nur für ein nobles Abendessen buchen (maximal 12 Personen). „In diesem Jahr hatten wir schon etwa 20 Abende mit Hochzeitsanträgen", erzählt Jörg Flohr. Gefunden hat das Paar für sein ambitioniertes Projekt auch einen entsprechend hochklassigen Koch: den Thailänder Peter Peerapong, der zuletzt Küchenchef im Fünf-Sterne-Hotel St. Regis in Abu Dhabi war. Er ist nun auch für das kulinarische Angebot ihres Stands im Mercat 1930 verantwortlich und ist als Partner ebenfalls dabei, wenn der nächste Schritt angepeilt wird: eigene Restaurants. „Unser Gesamtkonzept hat ihn gelockt und die abwechslungsreichen Möglichkeiten als Koch." Da gibt es frittierten Mais mit Thaicurry-Paste, knusprige Ente mit rotem Curry, ein Massaman-Entrecôte oder Satay-Wraps mit Erdnuss-Mayonnaise und Gurken-Relish. Apropos: Trainiert wird das gesamte Team von der luxemburgischen Sterneköchin Lea Linster, die den deutschen TV-Zuschauern durch ihre Auftritte bei Kerners Köchen und in Talkshows bekannt ist.

Paniertes, Rohes, Fleischiges

Im hinteren Bereich finden sich drei weitere Stände: Einmal kann man sich an 14 verschiedenen Kroketten-Varianten erfreuen, zum anderen an Meeresfrüchten und Austern aller Art. Betrieben werden beide Stände von den Gebrüdern Toni und Tolo Torrens, die ebenfalls den Austernstand „Ostras Daniel Sorlut" im Mercat Olivar und einen ähnlichen Stand im Mercado Gastronómico San Juan betreiben. Es gibt die besten französischen Austern, russischen Kaviar und Champagner.

Der 14. und letzte Stand bietet Fleisch aus dem hochwertigen und bis zu 350 Grad heißen Josper-Ofen nach dem Motto Eat de Bones. Dahinter steckt Kevin Becker, Chef des Marc Fosh Caterings. Geboten werden Pulled Pork, Rippchen mit BBQ-Sauce, Hühnerflügel mit Szechuan-Sauce oder auch „wilde" Kartoffeln (patatas bravas mit Aioli).
Alles in allem eine absolut spannende kulinarische Bereicherung für Palma und speziell den Paseo Marítimo.

Mercat 1930, geöffnet täglich 12–24 Uhr. Avda. Gabriel Roca, 33 (Paseo Marítimo), Palma. FB: Mercat 1930

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